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die Illusion einer leeren, ephemeren Kraft geben, das Interesse von zu
Vielen, der Einfalt der Massen zu schmeicheln und eine neue Ausbeutung
vorzubereiten, die noch unwürdiger und vielleicht noch verhängnisvoller ist
als die in den vergangenen Jahrhunderten geübte. Und da es nur
einen Weg gibt und abseits von ihm nur der Sand und die Trugbilder der
Wüste, so muß man notgedrungen ihn betreten und auf ihm ausharren.
Und keine Aufgabe der sozialen Gesetzgebung erscheint mir dringender und
grundlegender als die, neue Organe zu schaffen, die das neue Arbeitsrecht
hervorbringen sollen.
„Das Gesetz über den Arbeitsvertrag, das unter dem Drucke eines in
der italienischen Geschichte stets denkwürdigen Erwachens des Proletariats gemacht
wurde, ist im Zustand einer steifen und verstümmelten Skizze geblieben,
da keine Lebenswärme von außen zu seiner Befruchtung kam; auch ist keine
Hoffnung vorhanden, daß die gegenwärtige Agonie der Gesetzgebung dies
Stückwerk mehr zur Vollendung bringe. Andere soziale Gesetze starben entweder
wegen des Mangels an geeigneter Vorbereitung schon vor der Geburt
oder kamen so wenig lebensfähig ans Licht, daß kein Elixier ihnen Kraft einflößen
kann. Aber das Unglück wird weniger groß sein, wenn es wenigstens
der Energie des Proletariats gelingt, eine weite, rationelle und kräftige
Reform der Arbeitsgerichte in diesem Jahre durchzusetzen. Denn hier, in der
streitigen Praxis über das alltägliche Recht des Arbeiters wird der Keim
jeder kühneren Neuerung fruchtbar. Während auf dem Gebiet der Kollektivkonflikte,
bei den Berufsgerichten, bei der gradweisen Eroberung der Macht
eine vorläufig beigelegte Streitsache immer neue und tiefergehende Gegensätze
enthüllt und neue Kräfte zu ihrer Lösung schafft, bildet sich die soziale Arbeitsverfassung
Grad für Grad, wie die Magna Charta der neuen und grundlegenden
„Menschenrechte", langsam, Reihe für Reihe zusammengestellt. Langsam,
Schritt für Schritt, aber ohne die Möglichkeit einer Umkehr, entwickelt
sich und reift die neue soziale Ordnung."
* *
*
Der Reisbau geschieht in Oberitalien durch zahlreiche
Arbeiterscharen, die während der günstigen Jahreszeit aus den
Nachparprovinzen eingewandert sind und in sehr traurigen Verhältnissen,
was die Arbeitszeit, den Lohn und die Lebenshaltung
im allgemeinen anbelangt, stehen. Eine genaue Enquete, die im
Sommer 1903 vom Arbeitsamt der „Societä Umanitaria“ zu
Mailand') in den Reisgegenden von Novara, Vercelli und
0 Dott. Giovanni Lorenzoni: I lavoratori delle risaie (Milano
1904. Ufficio del lavoro della Soeietä Umanitaria).