Full text: Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

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die Ware durch ein Wasserbad abgekühlt ist, werden die Dosen auf 
gestapelt, nach Bedarf lackiert und mit Etiketten versehen. 
Das deutsche Büchsenfleisch wurde im Herbst 1904 zum Preise 
v °n 80 M. per 50 kg an Grossisten verkauft. Die Kleinhandels 
preise betrugen zu derselben Zeit 90—95 P er Pfund. Zieht man 
iu Betracht, daß die Knochen entfernt sind und das Fleisch durch 
das Kochen an Gewicht eingebüßt hat, so ist das deutsche Corned 
be ef auch heute ein verhältnismäßig billiges Nahrungsmittel. 
Das amerikanische Büchsenfleisch, welches in den Freihäfen ge 
handelt wird, ist übrigens in den letzten Jahren auch im Preise ge 
diegen und wurde 1904 in Posten mit 60 M. verkauft. Hierzu 
kommen indessen für Deutschland noch Zölle und Spesen im Betrage 
Von 15 M. per Zentner, so daß der Preis des ausländischen Corned 
heef sich auf 75 M., also nur 5 M. höher stellt als das inländische Produkt. 
Die deutsche Fleischkonservenindustrie hat unter den heutigen 
gesetzlichen Bestimmungen in keiner Weise zu leiden. Frisches wie 
gesalzenes Fleisch kann nach Belieben in Deutschland eingeführt 
werden, wenn es den gesetzlichen Bedingungen entspricht 1 ). Nach 
dem Erlaß des Fleischbeschaugesetzes ist aber jetzt jedem Fabrikanten, 
im Gegensatz zu vorher, gute und gesunde Ware gewährleistet. Die 
geringen Untersuchungsgebühren erschweren nach Angabe der Fabri 
kanten das Geschäft in keiner Weise. Die Militär- und Marine- 
v erwaltungen verhalten sich den Fabriken gegenüber sehr entgegen 
kommend und erteilen diesen Firmen häufig größere Aufträge. Die 
Lieferungsbedingungen sind allerdings sehr scharf. Die Fabriken sind 
während der Fabrikation des Dosenfleisches für die Militärverpflegung 2 ) 
der Aufsicht eines Proviantamtsbeamten unterstellt. Das für die Her- 
stellu 
gut 
n g zu diesen Militärkonserven bestimmte Fleisch darf nur von 
8 ern ästeten, völlig gesunden Tieren aus Deutschland stammen, 
Ge v or dem Schlachten tierärztlich untersucht wurden und wo- 
c i er Nachweis zu führen ist. Hals und Schienbein, sowie Knie- 
f ert -° n dürfen nicht zu diesen Konserven verwendet werden. Die 
ein '^ en ^ 0SGn m üssen unverletzt sein und die Stärke der Dose darf 
1 Durchrosten nicht befürchten lassen. Die Fabrikanten haben 
——. au Dukommen, daß der Doseninhalt das vorgeschriebene Gewicht 
0( j er v Disches Fleisch darf nur in ganzen Xierkörpern eingeführt werden. Bei Pökel- 
aur ^ esa henem Fleisch dürfen die einzelnen Stücke nicht unter 4 kg wiegen. Verboten ist 
P' Ic . e ® nlu hr von Fleisch in luftdicht verschlossenen Gefäßen, von Würsten und sonstigen 
Jj 0rs ä t,enieD gen, von Hundefleisch und Fleisch von Einhufern, sowie von Fleisch, das mit 
e und ähnlichen Chemikalien behandelt wurde. 
v 0r \ ^ ua den von den kaiserl. Marine-Intendanturen und Königl. Korps-Intendanturen 
ebenen Lieferungsverträgen für Konserven.
	        
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