47
presst. Notwendig ist äusserste Stabilität des Schachtrohres, da
mit der Kolben immer dicht anschliesst. Diese Förderung ist
jedoch wegen starken Kohlenverbrauches sehr kostspielig 1 ).
Ich erwähne diese Beispiele, um zu zeigen, wie mit der wirt
schaftlichen Notwendigkeit sich stets das Streben zeigt, auch Ab
hilfe zu schaffen. Damit ist nicht gesagt, dass gleich das Ziel voll
kommen erreicht zu sein braucht.
II. Wir werden noch sehen, dass die eigentlichen Kohlen
gewinnungskosten einen sehr grossen Teil der Produktionskosten
der Kohle ausmachen und dass sie zur Hälfte und mehr in dem
für die Arbeit gezahlten Gedinge bestehen, d. h. also in Arbeits
löhnen. Es leuchtet ein, dass damit alles das, was eine grössere
Leistung der Arbeiter hervorruft, die Produktionskosten mindern
kann.
Für die Arbeitsleistung beim Steinkohlenbergbau, die heute
in Preussen bei der Kohlengewinnung noch meistens durch Hand
arbeit, sehr wenig durch Maschinenarbeit stattfindet, aber gilt die
Lehre vom Verhältnis von Arbeitslohn und Arbeitszeit zur Ar
beitsleistung, d. h. höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit können
grössere Leistung bedeuten 1 2 ). Damit können sozial günstig wir
kende Einrichtungen auch ökonomisch günstige Folgen haben:
dieMöglichkeit nämlich, ein gegebenesFlötz wirtschaftlicher zu bauen
oder bei einem ungünstigeren Flötze das sich geltend machende
Gesetz des abnehmenden Ertrages wirtschaftlich zu suspendieren.
Roscher 3 ) sagt, eine wachsende Volkswirtschaft könne durch Ge
schickterwerden der Arbeitsdienste gar wohl eine Verteuerung
der Naturdienste aufwiegen.
III. Der Anteil des Kapitals an den Produktionskosten. Wir
gehen davon aus, dass eine ständige, eine wachsende Nachfrage
seitens der Kohlenverbraucher das Bestreben unternehmender
Männer hervorrief, diese Nachfrage auch zu befriedigen.
Um 1819 bauten die Steinkohlenzechen in Westfalen meist
noch über den Talsohlen, ebenso wurde bis 1820 im Saargebiete
1) Köhler, Katechismus 170.
2) So sagt z. B. v. Festenberg-Packisch, Der deutsche Bergbau 1886. 42: »Der
Bergmann gewöhnte sich mehr und mehr an intensive Arbeit, wobei ihm der durch
die Gedingestellung zugewiesene Mehrverdienst als Sporn diente«. Für die Gültig
keit der Brassey-Brentajioschen Proportionalitätstheorie beim .Steinkohlenbergbau vgl.
Bosenick, Ueber die Arbeitsleistung beim Steinkohlenbergbau in Preussen. Stutt
gart 1906.
3) Nationalökonomik des Plandels und Gewerbfleisses 1892. 823.