Full text : Konserven und Konservenindustrie in Deutschland

53

Es  läßt  sich  daher  diese  Arbeit  nicht  auf  den  nächsten  Tag
verschieben,  der  Fabrikant  ist  vielmehr  gezwungen,  die  Zubereitung
des  Gemüses  im  Hinblick  auf  die  in  der  Küche  noch  vorzunehmenden ­
  Arbeiten,  eine  entsprechende  Zeit  vorher  einzustellen.
Die  seitens  des  Bundesrats  gewährten  Erleichterungen,  bei  dem
Eintreten  einer  außergewöhnlichen  Häufung  der  Arbeiten,  kommen
daher  infolge  des  früheren  Feierabends  des  Gros  der  Arbeiterinnen,
nicht  zur  vollen  Wirkung.  Dies  würde  vielmehr  nur  dadurch  ermöglicht ­
  werden,  daß  es  gestattet  würde,  für  das  Küchenpersonal
einen  späteren  Beginn,  dafür  aber  auch  ein  späteres  Aufhören  der
Arbeit  festzusetzen,  als  sie  für  das  Gros  der  Arbeiterinnen  besteht.
Zur  Beurteilung  der  ganzen  Frage  ist  es  wohl  nicht  nötig  auf  die
besonderen  Verhältnisse  der  Konservenindustrie  als  Saison-  und
Nahrungsmittelindustrie  ausführlicher  einzugehen,  nur  auf  einige
Hauptpunkte  mag  hingewiesen  werden.  Die  durch  die  Reichsgewerbeordnung ­
  herbeigeführte  Einschränkung  der  Frauenarbeit  hat
bereits  die  Konservenindustrie  zu  bestimmten  Maßregeln  gezwungen,
u m  sich  gegen  die  Verluste  zu  schützen,  die  durch  verstärkte  Anfuhr ­
  an  Rohgemüse  an  besonders  heißen  Tagen  entstehen.  Und  zwar
werden  von  den  meisten  Konservenfabriken  des  Sonntags,  weil  die
Sonnabendzufuhr  in  den  seltensten  Fällen  am  Liefertage  aufgearbeitet
werden  kann,  keinerlei  Rohgemüse  mehr  angenommen.  Des  ferneren
hat  die  Handhabung  der  Reichsgewerbeordnung  bereits  dahin  geführt,
daß  bei  Abschlüssen  auf  Rohgemüse  die  Klausel  aufgenommen  und
schon  bei  normalen  Ernten  auch  durchgeführt  wird,  daß  nicht  über
ein  Maximalquantum  an  Rohgemüse  pro  Aar  oder  Hektar  bebauter
Fläche  abgenommen  wird.  Solche  Maßnahmen  bilden  zwar  eine
Härte  gegen  den  Landwirt,  die  Durchführung  wird  aber  umso  begreiflicher, ­
  je  mehr  die  Konservenindustrie  technisch  in  ihrer  Bewegungsfreiheit ­
  eingeengt  wird.
Erwägungen,  ob  durch  Veränderungen  resp.  Vergrößerungen
von  Fabrikeinrichtungen  die  geschilderten  Übelstände  gemildert  werden ­
  könnten,  haben  zu  dem  Resultat  geführt,  daß  dies  für  die  Konservenindustrie, ­
  die  sowieso  schon  als  Saisonindustrie  mit  einem  übermäßig ­
  hohen  Anlagekapital  zu  rechnen  hat  und  mithin  nicht  für
außergewöhnliche  Fälle  bauliche  und  maschinelle  Einrichtungen  treffen
kann,  nicht  durchführbar  ist,  zumal  die  Arbeitshäufung  durchaus
wechselnd  und  mithin  unberechenbar  ist.  So  war  es  z.  B.  im  Jahre
i 9ö3  durch  die  abnorme  Witterung  während  der  Spargelkampagne,
die  zirka  den  vierten  Teil  der  ganzen  Spargel  ernte  in  einigen  wenigen
Tagen  (4—5)  hervorbrachte,  unmöglich,  das  zur  Anlieferung  gebrachte
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.