Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Untersuchung  von  Boden.

in  eine  größere  Schale  mit  destilliertem  Wasser  hängt,  so  gibt  der  Boden  an  das  destillierte
Wasser  mehr  oder  weniger  ah:  Kalk,  Magnesia,  Eisen,  Kali,  Natron,  Kieselsäure,  Chlor,
Phosphorsäure,  Schwefelsäure  und  auch  organ.  Substanz,  welche  durch  Pergamentpapier
diffundiert.  Aus  letzterem  Verhalten  glaubt  Petermann,  wie  schon  in  den  50-er  Jahren
Risler,  schließen  zu  sollen,  „daß  die  Pflanzen  einen  Teil  ihres  Kohlenstoffs  den  organischen
Substanzen  des  Bodens“  verdanken.
10.  Ermittelung  der  aufnehmbaren  Nährstoffe  (der  Fruchtbarkeit)  des  Bodens
aus  dem  Gehalt  der  in  ihm  gewachsenen  Pflanzen  an  Nährstoffen.  Da  es  bis
jetzt  nicht  möglich  ist,  die  Menge  der  aufnehmbaren  Nährstoffe  durch  die  chemische
Untersuchung  direkt  zu  bestimmen  —  Mineralsäuren,  Zitronensäure  führen  zu  viel,  kohlensäurehaltiges ­
  Wasser  zu  wenig  in  Lösung  —,  so  ist  mehrfach  der  Versuch  gemacht  worden,
aus  dem  Gehalt  der  in  dem  Boden  gewachsenen  Pflanzen  an  Nährstoffen  auf  einen  größeren
oder  geringeren  Gehalt  des  Bodens  an  aufnehmbaren  Nährstoffen  zu  schließen.
Weinhold 1 )  verglich  die  Aschen  der  verschiedenen  Unkräuter  miteinander;  er  erwartete ­
  eine  Ähnlichkeit  der  Aschen  der  auf  demselben  Boden  gewachsenen  Unkräuter
und  glaubte,  daß  sich  auf  einem  Boden  nur  solche  Unkräuter  entwickeln  würden,  für  deren
Gedeihen  der  Boden  die  günstigsten  chemischen  (und  physikalischen)  Bedingungen  zeigt.
A.  Emmerling 2 )  untersuchte  die  Aschen  von  Heusorten,  verglich  ihre  Zusammensetzung
mit  der  mittleren  Zusammensetzung  normalen  Heus  und  glaubte  aus  der  Verschiedenheit ­
  zwischen  beiden  folgern  zu  dürfen,  welche  Nährstoffe  in  der  fraglichen  Wiese
in  ungenügendem  Verhältnisse  vorhanden  seien.  Ä.  Atterberg 8 )  hat  die  Haferkörner
zum  Ausgang  seiner  Untersuchungen  genommen  und  konnte  in  mehreren  Fällen  aus  dem
Gehalt  des  Hafers  an  Stickstoff  und  Phosphorsäure  und  dem  Verhältnis  dieser  Nährstoffe  zueinander ­
  schließen,  daß  dem  Boden  bald  Phosphorsäure,  bald  Stickstoff  fehlte.  Das  Verhältnis
von  Stickstoff:  Phosphorsäure  schwankt  in  den  Haferkörnern  von  100:16  bis  100:83;  das
günstigste  Verhältnis  für  das  Wachstum  ist  100  N;  60—55  P 2 0 5 .  Zeigen  die  Haferkörner
dieses  letztere  Verhältnis,  dann  befinden  sich  die  beiden  genannten  Stoffe  in  richtigem
Verhältnis  im  Boden,  und  ist  die  Ernte  dazu  eine  sehr  große,  so  ist  weder  Düngung  mit
dem  einen  noch  mit  dem  anderen  Stoff  erforderlich;  ist  die  Brntemenge  aber  eine  geringe,
so  fehlt  es  an  beiden  Stoffen.  Ist  das  Verhältnis  100  N:  20  P 2 0 6 ,  so  fehlt  es  dem  Boden
an  Phosphorsäure;  ist  das  Verhältnis  dagegen  100  N:  70  P2O5,  so  ist  Stickstoffmangel  vorhanden. ­

Hellriegel 4 )  förderte  diese  Frage  auf  einer  anderen  Grundlage;  er  zog  Gerstenpflanzen ­
  in  einem  nahezu  kalifreien  Quarzsande,  dem  er  eine  Nährstofflösung  zusotzte,
in  welcher  nur  der  Kaligehalt  schwankte.  Der  Kaligehalt  des  Strohes  fiel  je  nach  den
gegebenen  Kalimengen  von  6,43  auf  0,40  °/ 0  der  Trockensubstanz;  der  letztere  Gehalt
ist  der  durchschnittlich  niedrigste  an  Kali  für  die  betreffenden  Organe  der  Gerstenpflanze. ­
  In  den  Körnern  fiel  der  Kaligehalt  bis  auf  0,18  u / 0  der  Trockensubstanz.  Da  sich
von  dem  gegebenen  Kali  66—100  °/ 0  in  der  Ernte  wiederfanden,  glaubte  Hellriegel  auch
bei  den  Kulturpflanzen  des  Feldes  aus  diesem  Verhältnis  den  Gehalt  an  aufnehmbareffl
Kali  —  wie  überhaupt  an  aufnehmbaren  Mineralstoffen  —  im  Boden  berechnen  zu  können-Gegen
  letztere  Annahme  läßt  sich  indes  geltend  machen,  daß  das  Kali  im  Ackerboden
sich  in  einer  anderen  Form,  nämlich  im  adsorbierten,  also  schwerer  löslichen  Zustande  als
im  Quarzsande  befindet,  daher  aus  dem  Verhalten  der  Pflanze  gegen  das  im  Quarzsande
dargereichte  Kali  nicht  auf  das  Verhalten  gegen  das  im  Boden  enthaltene  Kali  geschlossen
werden  darf,  wenngleich  die-  Pflanzen  auch  das  adsorbierte  Kali  aufzunehmen  vermögen-Da
  ferner  die  einzelnen  Organe  der  Pflanzen  einen  verschiedenen  Gehalt  an  Mineralstoffen
aufweisen,  so  ist  R.  Heinrich 5  6 )  der  Ansicht,  daß  für  besagten  Zweck  nicht  die  ganzen
Pflanzen,  sondern  nur  die  einzelnen  Organe  untersucht  werden  dürfen;  er  hält  di 0

4 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1862,  4,  188  und  1864,  6,  50.
2 )  Landw.  Wochenbl.  f.  Schleswig-Holstein  1875,  No.  24  u.  25.
8 )  Landw.  Jahrbücher  1886,  15,  415  und  1887,  16,  757.
4 )  Jahresbericht  f.  Agrikultur-Chemie  1867,  117.
6 )  R.  Heinrich,  Grundlagen  zur  Beurteilung  der  Ackerkrume.  Wismar  1882,  49  u.  #'•
            
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