Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Futtermittel.

getrocknete  Probe  mit  Äther  wie  üblich  zu  erschöpfen,  und  die  Ätherlösung
entweder  direkt  mit  alkoholischer  oder  nach  Zusatz  eines  gleichen  Volumens  Alkohol
mit  wässeriger  1 / 10  Normalalkalilauge  wie  vorhin  zu  titrieren.
Die  Differenz  zwischen  dieser  und  der  ersten  Titration  ergibt  zum  Teil  die  Menge
der  fluchtigen  Säuren;  diese  werden  bei  fettreichen  Futtermitteln  auf  Buttersäure
—  1  ccm  1 j 1  o  Normalalkali  =  0,0088  g  Buttersäure  —  und  bei  eingesäuerten  oder
eingemachten  grünen  Futtermitteln  auf  Milchsäure  —  1  ccm  1 /lO  Normalalkali
=  0,009  g  Milchsäure  —  umgerechnet.*)
Die  Mengen  freier  Fettsäuren,  welche  auf  diese  Weise  gefunden  werden,  sind  je
nach  der  Art  der  Aufbewahrung  der  Futter-  und  Nahrungsmittel  großen  Schwankungen
unterworfen;  im  allgemeinen  enthalten  die  Ölkuchenmehle,  ebenso  wie  alle  Futtermittel
in  pulveriger  oder  Mehlform,  mehr  freie  Fettsäuren,  als  die  in  Kuchen-  oder  sonstiger  fester
Form.  Auf  diese  Weise  schwankt  der  Gehalt  an  freien  Fettsäuren  zwischen  10—90%
in  Prozenten  des  Fettes.  Da  die  Pflanzenfette,  besonders  die  Fette  der  aufbewahrten
Pflanzenstoffe  oder  von  deren  Abfällen  durchweg  an  sich  mehr  oder  weniger  freie  Fettsäuren ­
  enthalten,  so  läßt  sich  aus  dem  Gehalt  an  diesen  allein  in  den  Futtermitteln,  als
Abfällen,  ein  sicherer  Schluß  auf  die  Beschaffenheit  nicht  ziehen.  Im  allgemeinen  geht
nur  der  Gehalt  an  freien  Fettsäuren  der  schimmeligen  und  verdorbenen  Beschaffenheit
parallel.
Die  tierischen  Fette  enthalten  in  frischem  Zustande  nur  mäßige  Mengen  freier  Fettsäuren;
  hier  muß  ein  Gehalt  von  10°/ 0  in  Prozenten  des  Fettes  schon  als  hoch  bezeichnet  werden.
Jedoch  bildet  das  Fleischfuttermehl  usw.  hiervon  wieder  eine  Ausnahme,  indem  dieses
infolge  der  Herstellung  und  der  längeren  Aufbewahrung  besonders  im  feuchten  Zustande
mehr  freie  Fettsäuren  zu  enthalten  pflegt.
V.  Bestimmung  der  Stickstofffreien  Extraktstoffe  bezw.  der
Kohlenhydrate.
Unter  Stickstofffreien  Extraktstoffen  versteht  man  den  Rest,  welcher  übrig
bleibt,  wenn  man  von  einer  Substanz  ihren  Gehalt  an  Wasser,  Rohprotein,  Eohfett,
Rohfaser  und  Asche  abzieht.
Der  Begriff  „Stickstofffreie  Extraktstoffe“  umfaßt  demnach  eine  ganze  Reihe
mehr  oder  minder  verschiedener  Verbindungen,  von  denen  die  wichtigsten  und  verbreitesten
  die  Zuckerarten,  Dextrine  und  die  Stärke  sind;  außerdem  gehören  hierher ­
  die  Pflanzengummis,  Pflanzenschleime,  Pflanzensäuren,  ferner  die  Pektin-,  Bitter-,
Farbstoffe  und  dergl.  Gewöhnlich  werden  die  Stickstofffreien  Extraktstoffe,  wie  oben
angegeben,  aus  der  Differenz  berechnet.  Vielfach  ist  jedoch  auch  eine  Bestimmung
einer  oder  mehrerer  zu  dieser  Gruppe  gehöriger,  gut  gekennzeichneter  chemischer
Verbindungen  erforderlich.
1.  Bestimmung  der  Gesamtmenge  der  in  Wasser  löslichen  Stoffe.  2—20  g
des  zu  untersuchenden  Stoffes  werden  in  einer  Koohflasohe  6—8-mal  mit  je
250—300  ccm  kaltem  b'ezw.  mit  40—50°  warmem  Wasser,  die  letzten  3-mal  in  der
Siedehitze  —  stärkemehlreiche  Stoffe  nur  mit  kaltem  Wasser  —  ausgezogen,  die
überstehende  Flüssigkeit  nach  jedesmaliger  Behandlung  entweder  durch  ein  Papier-,
Filz-  oder  Asbestfilter  mit  Hilfe  der  Wasserstrahlpumpe  (vergl.  Fig.  33,  S.  219)
J )  Wenn  man  für  die  Säuren  des  Ätherauszuges  der  nicht  vorgetrockneten  Stoffe
den  3-mal  höheren  Faktor  der  Ölsäuren  anwendet,  so  kann  man  bei  größeren  vorhandenen
Mengen  flüchtiger  Säuren  mehr  freie  Fettsäuren  finden,  als  überhaupt  Fett,  d.  h.  Ätherauszug ­
  vorhanden  ist;  man  drückt  daher  in  diesem  Falle  die  Säuren  als  Säuregrade  aus
(vergl.  unter  „Milch“).
            
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