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Zweites Buch. Die Gegner.
behalten. Von diesem Gewinne sollte ein Fünftel ein beständiges und
unveräußerliches Sozialkapital bilden, das sich jedes Jahr regelmäßig
vergrößern würde. „Ohne dieses Kapital — sagte Btjchez mit einem
sicheren Gefühl für die Zukunft — würde die Assoziation jeder anderen
Handelsgesellschaft gleich werden; ihr Nutzen würde nur den Gründern
zufallen und allen denen, die anfangs nicht an ihr teilgehabt haben,
schädlich sein, denn sie würde zwischen den Händen der ersteren zu
einem Ausbeutungsmittel werden“ 1 ). Dies Schicksal hat tatsächlich eine
ganze Anzahl von Produktivgenossenschaften ereilt, bei denen die Gründer,
die nunmehr zu echten Aktionären geworden waren, neue Arbeiter für
ihren eigenen Vorteil arbeiten lassen und sie als einfache Hilfskräfte
betrachten.
Die soziale Werkstatt Louis Blanc’s zeigte viel Ähnlichkeit mit der
Buchez’, nur daß unser Verfasser hauptsächlich an die große, und Bdchez
an die kleine Industrie dachte 2 ). Weiterhin war die soziale Werkstatt
in den Gedanken Lotris Blanc’s nur eine Keimzelle, aus der in der Zukunft
eine ganze kollektivistische Gesellschaft sich entwickeln sollte. Diese
spätere Entwicklung beschäftigte ihn jedoch in Wirklichkeit nur wenig.
Es war dies ein zu fern liegendes Ideal, das noch zu unbestimmt erschien,
um zurzeit schon mit irgendwelchem Nutzen erörtert werden zu können.
Die Hauptsache war, daß man einen Anfang mache und diesen Anfang
in einer praktischen Art und Weise ins Werk setze. „Die Zukunft vor
bereiten, ohne schroff mit der Vergangenheit zu brechen (S. 172)“, —
dies ist die Aufgabe. Wie wird diese Zukunft sich nun gestalten? Man
kann sie unmöglich genau festlegen. Wenn man es tut, gelangt man nur
zu einer Utopie.
Auf Grund dieses fest umrissenen und einfachen Charakters seiner
Reform gelang es dem Plan Louis Blanc’s, die Aufmerksamkeit zu fesseln.
Nach so vielen großzügigen, aber außerhalb aller Möglichkeit einer Ver
wirklichung liegenden Träumen war hier endlich ein Projekt gegeben,
das Jeder verstand, und dessen Anwendung leicht durchzuführen war.
Das Bedürfnis, von den Idealen zur Wirklichkeit zu kommen und endlich
eine praktische Formel zu entdecken, um dem „laisser-faire“ um jeden
Preis zu entrinnen, findet sich bei mehr als einem der Zeitgenossen Louis
Blanc’s, z. B. bei Vidal, dem heute nur zu sehr vergessenen Verfasser
eines interessanten Buches über die Güterverteilung 3 ). Hierin liegt die
Erklärung für einen guten Teil seines Erfolges, wie auch späterhin für
den des Staatssozialismus.
1 ) Von Festy angeführt. Le mouvement ouriver au debut de la Monar
chie de Juillet, S. 88 (Paris 1908).
2 ) Für die Großindustrie schlug Buchez ganz verschiedene Reformen vor. (VgL
Festy, op. cit.)
3 ) Francois Vidal, De la R6partition des richesses, 1846.