Metadata : Geschichte des Bremer Binnenhandels im 19. Jahrhundert namentlich unter den alten Verkehrsformen und im Übergang

t : VI. Deutsche Diesseitsreligion
empfindende und denkende Menschen über die furchtbare Zeit des
Krieges und des Krieges nach dem Kriege hinweggekommen sind,
können denn ehrlich von sich behaupten, daß sie das dem Christentum,.
 und nun gar dem Kirchen-Christentum verdankten?
Die Jenseits-Religion hinterläßt im tätigen Menschen von heut
eine Leere, die nach Ausfüllung hungert. Diese Ausfüllung hat dem
Geschlechte, das 1914 auf die weltgeschichtliche Wage gelegt wurde,
gefehlt, den Hunger nach Ausfüllung der Leere hat es sich nicht
recht einzugestehen gewagt ~ und war sehr erstaunt und fassungslos,
 als es nach vier Jahren für zu leicht befunden wurde.
Daß die Leere im religiösen Bedürfnis des deutschen Ichs ausgefüllt
 werde, das ist die wichtigste Aufgabe, die uns der verlorene
Krieg und der sseelische Zusammenbruch nach dem Kriege hinterlassen
 haben. Sie kann nur ausgefüllt werden durch eine gesunde
Diesseits-Religion, die nicht den Ehrgeiz zu haben braucht, das
Christentum abzuschaffen und durch etwas Besseres zu ersetzen,
die keiner christlichen Kirche zu nahe treten will; die dagegen den
bestimmten Anspruch erhebt, dem deutschen Ich ~ ungehemmt und
ungehindert durch die Aussicht auf Belohnung oder Strafe im
Jenseits ~ für sein Dasein auf dieser unvollklommenen Erde
wieder Halt und Richtung zu geben.
Haben wir uns aus den Wirrnissen des Krieges und des Zusammenbruchs
 zurechtfinden müssen ohne die Hilfe der Kirchen,
so ist es unser gutes Recht, unsern Weg als werdendes Staatsvolk
 auch weiter zu suchen, ohne uns von irgendeiner Kirche dreinreden
 zu lassen. Denn die gesunde Diesseits-Religion kann sich nur
gründen auf den unersschütterlichen Glauben an den deutschen Staat.
Man hat ihn oder man hat ihn nicht. Man kann ihn geschichtlich
begründen und aus der Fülle dessen, was wir freudvoll und leidvoll
erfahren haben, vertiefen ~ dem, der ihn nicht hat, kann ihn
keine Überredung geben. Mit dem deutschen Ich, das im Krieg
und in den Notjahren nach dem Kriege nicht unmittelbar erfahren
hat, wie unlösbar sein Schicksal mit dem des Staates verbunden
ist, lohnt es sich nicht, über diese Dinge zu reden. Die den Glauben
an ihren Staat aber haben, die dürfen das Recht für sich fordern,
ihn frei zu bekennen und für ihn zu werben unter denen, die die

20)
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.