Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Mikroskopische  Untersuchung.  Hafer.

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Hafer,  Arena  sativa  L.
Die  Verwendung  des  Hafers  als  Backmehl  ist  wie  die  der  Gerste  von  ganz
geringer  Bedeutung,  obgleich  auch  wohl  Mischungen  desselben  mit  Eoggenmehl  hier
und  da  vorgekommen  sein  sollen.  Häufig  dagegen  dient  der  entschälte  und  gröblich
zerkleinerte  Hafer  zur  Herstellung  von  Hafergrütze  und  Hafergries,  sowie  das  Hafermehl ­
  zur  Herstellung  von  Kindernahrungsmitteln  usw.  Zu  dem  Zweck  wird  der
Hafer 1 )  zuerst  von  Staub,  Schmutz,  ünkrautsamen  gereinigt,  sortiert  und  dann
entweder  mit  siedendem  Wasser  oder  mit  Wasserdampf  so  lange  behandelt,  bis  sich
die  Deckspelzen  leicht  ablösen  lassen.  Der  entspelzte  Hafer  wird  entweder  direkt
gedarrt  bezw.  geröstet  (amerikanisches  Verfahren)  oder  erst  in  Wasser  bezw.
m  Dampf  gekocht  und  dann  geröstet  (deutsches  Verfahren).  Der  geröstete  Hafer
Wird  weiter  entschält,  d.  h.  von  den  Hülsen  und  der  Kernspitze  des  Kornes  befreit
"und  dann  erst  auf  Mehl  oder  Grütze  verarbeitet.  Die  hierbei  sich  ergebenden
Abfälle  bestehen  aus  den  Haferspelzen,  die  gemahlen  fälschlich  als  Haferkleie
bezeichnet  werden,  aber  so  gut  wie  keinen  Futterwert  besitzen;  der  eigentlichen

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Mg.  71.  Hafer-Stärke  nach  J.  Möller.  (Vergr.  300.)
Haferkleie,  bestehend  aus  der  äußeren  Samenhülse  des  entschälten  Kornes  und
darunter  liegenden  Schichten;  dem  Haferfuttermehl,  bestehend  ans  en  eim
Schälen,  Putzen.  Bürsten,  Mahlen  und  Hafergrützeschneiden  abfallenden  Kernspitzen
Hehlteilchen,  Fruchthaaren  und  wenig  Spelzen;  aus  denselben  Bestandteilen  Mesteht
der  Abfall  unter  der  Bezeichnung  Hafergrützenabfall,  Haferrot-  und  Hafer-^eißmehl;
  dem  Haferschlamm,  im  wesentlichen  die  Fruchthaare  des  Ha  c
haltend.  Diese  Haferabfälle  unterscheiden  sich  chemisch  wesentlich  durch  i  r
Hrotein-,  p e tt-  und  B.ohfasergehalt.  So  enthalten  die  Haferhülsen  (Deckspe  ze.)
,2—3,0°/ 0  Protein,  0,4—1,8°/ 0  Fett  und  22,5—39,0°/ 0  Rohfaser;  Haferkleie
Haferschlamm  und  Haferrotmehl)  6,8—10,8  <>/ 0  Protein,  2,3-4,1  / 0  Fett  und
ip’d  25,8° /o  Rohfaser;  das  Haferfuttermehl  9,2-15,2  <>/ 0  Protein,  3,5-7,2<>/ 0
ett  nn <l  1,9—16,0  °/ 0  Rohfaser.  r ,  ^ nr7
TT  Als  Verunreinigungen  können  im  Hafer  die  schon  oben  S.  297  genannten
Oukrautsamen,  ferner  die  Sporen  des  Flugbrandes  (Ustilago  carbo)  Vorkommen;
üw  eilen  ist  der  Hafer  auch  verschimmelt  oder  geschwefelt.
Für  die  mikroskopische  Untersuchung  der  Hafermahlerzeugnisse  kommen
J  lr  Unterscheidung  von  anderen  Getreidearten  in  Betracht:
V )  Vergl.  E.  Haselhoff  und  F.  Mach,  Landw.  Versuchs-Stationen  1904,  60,  161.
            
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