Mikroskopische Untersuchung. Leinsamen.
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schwankten die Verunreinigungen in russischer, durchweg von Königsberg aus
vertriebener Saat zwischen 6,62—55,09 °/ 0 , in Leinsaat aus Südamerika fand er
3,35 °/ 0 , in solcher aus Ostindien 0,86 und in solcher aus Mecklenburg nur 0,46 °/ 0
Verunreinigungen. Unter diesen Umständen findet man in den Leinkuchen bezw.
Mehlen stets mehr oder weniger fremde Bestandteile, ohne daß man gleich auf eine
absichtliche Verfälschung schließen darf. Zu den gewöhnlichen Verunreinigungen
gehören die Samen von z. B. Brassica-, Sinapis-, Polygonum-Arten, Spörgel, Kornrade,
Spitzwegerich, auch vereinzelt Leindotter, Grassamen aller Art (Leinlolch,
Lolium linicolum, Setaria, Hirse) usw.
Aus dem Grunde gilt nach der Angabe von E. Haselhoff eine Leinsaat mit
4 °/ 0 Unkrautsamen und wenn diese zu den Ölsämereien (Brassica- und Sinapis-Arten,
Leindotter u. a.) gehören, noch mit 8 °/ 0 Unkrautsamen als börsenmäßig lieferbar.
Nach der Ermittelung der Versuchs-Station Wageningen *) gehen von den häufig im
Leinsamen vorkommenden Unkrautsamen auf je 0,05 g:
Camelina sativa Polygonum lapathifolium Pol. Convolvulus Galium Aparine
Stück Samen 46 16 13 4
oder sie betragen, wenn so viel in 6 g Leinsaat gefunden werden, 1 °/ 0 .
Die Anzahl der in 5 g Leinsaat vorhandenen Unkrautsamen wird nach Punkten
ausgedrückt, nämlich:
Camelina sativa Polygonum lapathifolium Pol. Convolvulus Galium Aparine
Punkte . . 2 6 8 26
und wenn die Summe der so erhaltenen Punkte 100 überschreitet, soll der Leinsamen
nicht mehr als rein bezeichnet werden können.
Je nach dem Gehalt einer Leinsaat an Unkrautsamen bezw. je nach dem Grade
der Reinigung unterscheidet man sehr verschiedene Marken (1., 2. bis gar 25. Qualität)
und kommt es wesentlich auf die Art und Menge der Verunreinigungen an, ob
ein Leinkuchen bezw. Mehl als rein, verunreinigt oder verfälscht zu bezeichnen ist.
Vielfach dient auch die Schleimbildung mit Wasser zur Beurteilung der
Güte eines Leinkuchens bezw. Mehles; man rührt 5 g der Ware mit 100 ccm
kochenden Wassers in einem Becherglase zu einem Brei an und beurteilt durch
Vergleich der schleimigen Beschaffenheit dieses Breies mit der eines Breies aus 5 g
von einer sicher reinen Ware die Güte der fraglichen Probe. Auch soll sich
dieser Brei nach dem Erkalten auf Zusatz von Jodlösung nicht deutlich blau färben;
deutliche und allgemeine Blaufärbung läßt auf Zusatz stärkereicher Abfälle schließen.
Sicher aber läßt sich die Art und annähernde Menge der Verunreinigung nur durch
eine eingehende mikroskopische Untersuchung nachweisen.
Für die mikroskopische Untersuchung teilt man das Mehl bezw. den gemahlenen
Kuchen durch Sieben wie oben S. 286 u. f. zweckmäßig in zwei Teile, untersucht den
abgesiebten Teil auf Stärke, den gröberen Siebrückstand nach Behandeln mit Säure
und Alkali auf fremde Schalenteile. Die Natur einiger Fragmente läßt sich auch
schon im Abgesiebten oder im Schlämmrüokstand mit Hilfe der Lupe feststellen.
Bei der Behandlung des Siebrückstandes mit Säuren und Alkali wird das
zartwandige Parenchym der Samenkerne zerstört; wenn hierauf wie bei etwa vorkommenden
großen Mengen fremder Stärke nach der Vorprüfung mit Jod Rücksicht
genommen werden muß, kann man nach G. Böhmer eine Probe des Leinmehles mit
absol. Alkohol in einem Reagenzglase oder Zylinder durchschütteln und stehen
lassen. Es scheiden sich die schweren Schalentrümmer zuerst ab, während sich das
Parenchymgewehe auf diesen ansammelt; es kann abgehoben und nach Verdunstung
des Alkohols für sich unter dem Mikroskop untersucht werden.
’) Landw. Versuchs-Stationen 1892, 41, 90.