Mikroskopische Untersuchung. Erdnuß,
341
wonnenen Kuchen haben häufig einen rötlichen Schein. Für die Beurteilung der
Beschaffenheit der Erdnußabfälle kann auch die chemische Zusammensetzung mit
dienen, weshalb dieselbe hier mit aufgeführt werden möge; es enthalten im Mittel:
Bestandteile der Erdnuß:
Fruchthfilse 10,60
Samenschale (Kleie) .
Samen (enthülst) . .
Erdnußkuchen
Unenthülst ....
Wenig entschält . .
Besser entschält
Wasser
Stickstoff
substanz
Fett
Stickstoff
freie
Extraktstoffe
Rohfaser
Asche
°/o
°/o
°/o
°/o
°/o
°/o
10,60
7.10
2,26
18,25
61,80
3,00
8,20
7.68
3,50
22,98
53,20
4,50
7,48
27,52
44,49
15.65
2,37
2,49
11,11
30,71
9,04
19,38
23,43
6,33
11,01
45,63
7,29
25,43
5.81
4,93
10,66
47,63
7,99
23,75
6,01
4,87
9,65
48.82 1 )
7,67
27,39
4,04
4,43
Völlig entschält und von Würzel
chen befreit (beste Sorte aus
Eufisque-Samen) 1 ) ....
Mitunter enthalten die Erdnußkuchen größere Mengen Haare von den Preß
beuteln: derartige Ölkuchen sind mit Recht bei den Landwirten weniger beliebt,
weil sie leicht zu Verstopfungen und Zusammenballungen im Darm Veranlassung
geben können. Aus dem Grunde werden entweder die mittels Wollpreßbeuteln aus
den besseren Sorten Erdnüssen gewonnenen Kuchen oder das zerkleinerte und ge
siebte Mehl vorgezogen.
Je heller im allgemeinen die Erdnußkuchen hezw. -mehle sind, um so besser
pflegt ihre Beschaffenheit zu sein. Gute Kuchen oder Mehle haben einen reinen
bohnenartigen Geschmack.
Nicht selten wird die Aufnahme von Erdnußpreßrückständen — besonders solcher
aus Marseille, die auch durchweg viel Sand enthalten, — von den Tieren ver
weigert; sie sind dann meistens aus verdorbenen, nicht sortierten Nüssen gewonnen;
vielfach werden aber auch unverdorbene Erdnußkuchen anfangs ungern aufgenommen.
Cohn und Eidam erkannten unter den Mikroorganismen der Erdnußkuchen;
1. Einen gelben, nicht in Europa vorkommenden Aspergillus, der dem Aspergillus
flavus nahe steht, welcher in Japan auch auf dem Reis verkommt. Dieser Aspergillus er
scheint, wenn mau das Erdnußkuchenmehl mit verhältnismäßig recht wenig Wasser anrühit,
so massenhaft, daß er nach 48—60 Stunden eine vollständig gelbe Decke bildet.
2. Einen schwarzen Aspergillus (vielleicht Aspergillus niger), der in Form v(m
einzelnen Flecken zwischen dem vorigen auftritt. Rührt man das Mehl mit etwas Wasser
an und hält es feuchter als vorhin unter 1, so bilden sich an den trocknen Stellen nur die
eben genannten Pilze, dagegen an den feuchteren ein dichter Rasen von
3. einem dem Muoor stolonifer (auch Rhizopus nigricans) ähnlichen Pilz, dessen
Sporen mitunter schon in dem ursprünglichen Mehl aufgefunden werden können.
4. Mehrere andere Mucor-Arten in geringerer Menge, so Mucor circinellus u. a.
Unter den Spaltpilzen konnten Cohn und Eidam ein Bakterium und einen
Micrococcus mit Sicherheit bestimmen. M. Gonnermann 2 ) züchtete aus einem
verdächtigen Erdnußkuchen 10 verschiedene Bakterienarten und einen Sproßpilz.
Anacker berichtet Uber einen Fall, wo die Verbitterung von Erdnußkuchen
Kolikanfälle mit Diarrhöen zur Folge hatte. Diese Erdnußkuchen sollen Eizinus-
und Krotonöl enthalten haben. Außer mit Rizinus hat man Verfälschungen mit
Reisraehl, Reisschalen, Gerstenspelzen, Ausputz der Mehl- und Öl
industrie, Sonnenblumensaraen und Sägemehl usw. festgestellt.
Ö Letztere Brduußkuohen enthalten mitunter bis zu 59 °/ 0 Protein.
2 ) Chem.-Ztg. 1894, 18, 486.