Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Vollmilch. Bestimmung des Schmutzgehaltes der Milch. 
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kann eine abnorme Farbe haben und von Blasen durchsetzt sein. Gesunde, gute Milch 
soll ein glattes geschmeidiges Kaschen, frei von Lochung, liefern. Fehlerhafte „triebige“ 
Milch soll dagegen Käse geben, welche hart, lederartig sind, „rissige“ Lochung besitzen 
und bisweilen stark aufgetrieben sind. Biestmilch gibt ein unappetitliches, stark gefärbtes 
Käschen. 
Die Meinungen, welches von den 3 Verfahren das sicherste ist, sind sehr geteilt, 
doch wird allgemein der Garprobe der Vorzug gegeben und fast sämtliche Analytiker 
stimmen darin überein, daß nicht alle Fehler durch ein Verfahren ausfindig gemacht werden 
können und daß man öfters Täuschungen ausgesetzt ist. Es wird daher empfohlen, neben der 
Garprobe, wenn möglich, auch die beiden anderen Proben auszuführen. Die Erfahrungen 
über sämtliche Verfahren sind noch nicht ausreichend. 
9. Bestimmung des Schmutzgehaltes der Milch. 
Für das Renk sehe 1 ) Verfahren hat A. Stutzer 2 ) einen Apparat angegeben, 
der aus einer Milchflasche, einem auf ihren Hals passenden Gummischlauch von 
wenigen Zentimeter Länge, einem Quetschhahn und einem ebenfalls in den Gummi 
schlauch passenden starken Eeagensglase besteht. Man befeuchtet zunächst den 
kleinen Gummischlauch, stülpt ihn über das Eeagensrohr, setzt den Quetschhahn 
auf, schiebt das Ganze über die mit etwa 1 1 Milch gefüllte Flasche und kehrt 
letztere um. Die Flasche bleibt unter Öffnen des Quetschhahnes etwa 1—2 Stunden 
umgekehrt stehen, bis sich der ärgste Schmutz im tiefsten Teile des Eeagensglases 
angesammelt hat, dann schraubt- man den Quetschhahn zu, stürzt die Flasche wieder 
in die gewöhnliche Lage, nimmt den Gummischlauch 8 ) mit dem mit Schmutz gefüllten 
Eeagensglase fort, gießt den Inhalt des letzteren in ein Becherglas oder besser 
in ein hohes zylindrisches Gefäß, übergießt mit Wasser und dekantiert nach dem 
Ahsetzen bis auf einen kleineren Rest, ohne den Niederschlag aufzurühren. Die 
Dekantation wiederholt man so oft, bis das überstehende Wasser hell und klar ist. 
Dann gibt man den Niederschlag auf ein getrocknetes und gewogenes Filter, zieht 
den Rückstand mit Alkohol und Äther aus und trocknet bis zum gleichbleibenden 
Gewicht. 
A. Beythien und P. Bohrisch 4 ) verfuhren ebenso wie A. Stutzer, 
sammelten aber nach 2-sttindigem Stehen den Schmutz nicht auf einem gewogenen 
Filter, sondern brachten ihn, nach schließlichem Dekantieren mit Alkohol und Äther, 
direkt mit etwas Alkohol in einen gewogenen Porzellantiegel. 
N. Gerber verfährt ähnlich wie Stutzer, verwendet aber besondere, unten 
verjüngte und mit einer Skala versehene Eöhrchen zur Aufnahme des Schmutzes 
und bestimmt das Volumen der sich absetzenden Schmutzschicht. 
W. Bersch 8 ) läßt die mit etwa der Hälfte Wasser verdünnte und mit Formalin 
versetzte Milch 24 Stunden in einem Becherglase stehen, hebert die Flüssigkeit ab, 
setzt Wasser hinzu und wiederholt dies etwa 8—10-mal. 
E. Eichloff 0 ) fand, daß bei dem Stutzerschen Verfahren durch dreistündiges 
Stehenlassen der Milch der vorhandene Schmutz sich nicht vollständig absetzt, daß 
') München, medio. Wochenschrift 1891, No. 6 und 7. 
2 ) A. Stutzer, Die Milch als Kindernahrung usw. Bonn 1896, Verlag von Strauß. 
8 ) Der Gummiverschluß wird zweckmäßig gleich nach der Abtrennung gereinigt, 
damit sich nicht Milchteile fest an denselben ausetzen, die sich später nur schwer ent 
fernen lassen. 
4 ) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1900, 3, 319. 
5 ) Zeitschr. f. landw. Versuohawesen in Österreich 1898, 1, 245; Zeitschr. f. Unter 
suchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 6B3. 
8 ) Zeitschr. f. Untersuchuug d. Nahrungs- u. Genußmittel 1898, 1, 678.
	        
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