Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

480

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse

riickstand  mit  2  Tropfen  50  °/ 0 -iger  Ameisensäure  mischen,  mit  Kalkmilch  tibersättigen, ­
  eintrocknen  und  den  Rückstand  in  einem  einseitig  geschlossenen  Rohre
vorsichtig  erhitzen.  Bei  Gegenwart  von  Benzoesäure  macht  sich  ein  deutlicher
Geruch  nach  Bittermandelöl  bemerkbar,  auch  wenn  Salizylsäure  zugegen  ist.
d)  Borsäure.  Der  qualitative  Nachweis  der  Borsäure  geschieht  nach
E.  Meißl 1  2 )  wie  folgt:  100  ccm  Milch  werden  mit  Kalkmilch  oder  Soda  alkalisch
gemacht,  eingedampft  und  verascht.  Die  Asche  wird  in  möglichst  wenig  konzentrierter
Salzsäure  gelöst,  die  Lösung  von  der  Kohle  abfiltriert  und  das  wieder  alkalisch
gemachte  Filtrat  zur  Trockne  eingedampft;  hierauf  befeuchtet  man  den  Rückstand
'  mit  stark  verdünnter  Salzsäure,  durchtränkt  den  Kristallbrei  mit  Kurkumatinktur
und  trocknet  auf  dem  Wasserbade  ein.  Bei  Gegenwart  der  geringsten  Spur  Borsäure
erscheint  der  Rückstand  deutlich  Zinnober-  bis  kirschrot.  (Eine  etwa  durch  konzentrierte ­
  Salzsäure  entstehende  kirschrote  Färbung  des  Kurkumafarbstoffes  verschwindet ­
  auf  Wasserzusatz  sofort.)  Die  mit  Kurkuma  geprüfte  Asche  kann  noch
zur  Flammenreaktion  benutzt  werden,  indem  man  mit  Methylalkohol  versetzt,  in  einem
Kölbchen  mit  doppelt  durchbohrtem  Pfropfen  mit  Zu-  und  Ableitungsrohr  Wasserstoff ­
  durchleitet  und  diesen  anzündet.
Ebenso  zweckmäßig  dürfte  es  sein,  die  mit  Soda  hergestellte  Asche  in  möglichst
wenig  Salzsäure  zu  lösen,  mit  der  filtrierten  salzsauren  Lösung  einen  Streifen  Kurkumapapier ­
  zu  befeuchten  und  diesen  auf  einem  Uhrglase  zu  trocknen.  Färbt  sich  hierbei
die  benetzt  gewesene  Stelle  des  Kurkumapapieres  deutlich  rot  und  geht  diese  Farbe
beim  Befeuchten  des  Papieres  mit  Ammoniak  oder  Natriumkarbonat  in  Blauschwarz
Uber,  so  ist  Borsäure  in  der  Milch  vorhanden.
Nach  E.  H.  Jenkins 3 )  kann  der  Nachweis  sogar  in  der  Weise  erfolgen,  daß
man  10  ccm  Milch  mit  7  Tropfen  Salzsäure  versetzt,  einen  Streifen  empfindlichen
Kurkumapapieres  mit  der  filtrierten  Flüssigkeit  befeuchtet  und  auf  einem  Uhrglase
auf  dem  Wasserbade  trocknet.
Die  quantitative  Bestimmung  der  Borsäure  geschieht  am  einfachsten
nach  dem  Verfahren  von  Jörgensen. 8 )  Dieses  Verfahren  beruht  auf  der
zuerst  von  J.  Klein  beobachteten  Erscheinung,  daß  eine  gegen  Phenolphthalein
neutralisierte  wässerige  Borsäurelösung  nach  dem  Zusatz  einer  hinreichenden  Menge
von  neutralem  Glyzerin  oder  besser  Mannit 4  * )  wieder  saure  Reaktion  annimmt  und
daß  nun  durch  abermalige  Titration  mit  Alkalilauge  der  Gehalt  an  Borsäure
bestimmt  werden  kann,  wenn  gleichzeitig  der  Wirkungswert  der  Lauge  durch
Titration  einer  Borsäurelösung  von  bekanntem  Gehalt  unter  möglichst  gleichen
Mengen-  und  Konzentrationsverhältnissen  festgestellt  worden  ist.  Man  verfährt
wie  folgt:  100—200  ccm  Milch  werden  bis  zur  stark  alkalischen  Reaktion  (gegen
Lakmus)  mit  konzentrierter  Natronlauge  versetzt,  in  einer  Platinschale  zur  Trockne
verdampft,  darauf  verascht  und  die  Asche  mit  Schwefelsäure  aufgenommen.  Die
erhaltene  Lösung  wird  in  einen  200  ccm-Kolben  gebracht,  zur  Austreibung  der  etwa
noch  in  Lösung  befindlichen  Kohlensäure  kurze  Zeit  gelinde  erwärmt  und  nach  dem
Abkühlen  unter  Verwendung  von  Phenolphthalein  als  Indikator  mit  kohlensäurefreier
1 )  Zeitschr.  f.  analyt.  Chem.  1882,  21,  531.
2 )  Bericht  der  Landw.  Versuchs-Station  Connecticut  1901,106;  Zeitschr.  f.  Untersuchung
d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1902,  5,  866.
3 )  Zeitsohr.  f.  angew.  Chem.  1897,  5.  —  Vergl.  hierzu  A.  Beythien  und  H.  Hempel,
Über  die  Genauigkeit  des  Jörgensensohen  Verfahrens  zur  Bestimmung  der  Borsäure  in
Fleisohdauerwaren  (Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel  1899,  2.  842).
4 )  Vergl.  K.  Windisch,  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  und  Genußmittel
1905,  9,  641.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.