Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

ß)  Phlorogluzin-Reaktion  nach  Weber  und  Tollens: 1 )  Werden  Lösungen
von  Formaldehyd  (bezw.  Methylen)  mit  einigen  Tropfen  1  °/ 0 -iger  Phlorogluzinlösung
und  dem  gleichen  Raumteile  konzentrierter  Salzsäure  (1,19  spez.  Gewicht)  längere
Zeit  erwärmt,  so  tritt  eine  weißliche  Trübung  und  dann  Ausscheidung  gelh-roter
Flocken  ein.
y)  Reaktion  mit  Schwefelsäure  nach  0.  Hehner. 2 )  Unter  die  mit  dem
gleichen  Volumen  Wasser  verdünnte  Milch  —  nicht  Destillat  der  Milch  —  schichtet
man  in  einem  Reagenzglase  90—94  °/ 0 -ige  Schwefelsäure.  Bei  Gegenwart  von
Formaldehyd  entsteht  in  der  Berührungszone  ein  violetter  Ring.  Bei  Abwesenheit
von  Formaldehyd  entsteht  in  der  Berührungszone  eine  lichtgrüne  Färbung  und
nach  mehreren  Stunden  ein  rötlich-brauner  Ring  unterhalb  der  Bertihrungszone,
  der  hei  einiger  Übung  von  dem  bei  der  Formaldehyd-Reaktion  entstehenden
leicht  unterschieden  werden  kann.
K.  Parnsteiner 3  * )  bestätigt  im  allgemeinen  die  Angaben  von  0.  Hehner;  nach  ihm
bildet  sich  aber  unter  oder  an  Stelle  des  lichtgrünen  Ringes  der  tief  rotviolette  Ring,
dagegen  bei  Anwesenheit  von  Formaldehyd  ein  blauvioletter  Ring  zwischen  der  Oberfläche
der  Säure  und  dem  schwimmenden  ungelösten  Kasein.
d)  Reaktion  mit  Phenylhydrazinhydrochlorid  und  Nitroprussidnatrium
  nach  E.  Rimini. 1 )  Nach  C.  Arnold  und  C.  Mentzel 5 )  empfiehlt  sich
folgende  Arbeitsweise:
Man  löst  in  3—5  ccm  der  zu  untersuchenden  kalten  Flüssigkeit  ein  erbsengroßes ­
  Stückchen  Phenylhydrazinhydrochlorid,  setzt  2—4  Tropfen  (nicht  mehr)  einer
5—10  °/ 0 -igen  Nitroprussidnatriumlösung  und  hierauf  tropfenweise  eine  10-  15  %-ige
Alkalihydroxydlösung  (8—12  Tropfen)  hinzu,  worauf  sofort  eine  je  nach  der  Menge
des  Formaldehyds,  blaue  bis  blaugraue,  längere  Zeit  beständige  Färbung  entsteht.
Milch  (rohe  und  gekochte),  welche  im  Liter  0,015  g  Formaldehyd  enthält,  gibt  noch
deutliche  Grünfärbung,  während  reine  Milch  nur  gelblich  gefärbt  wird.  Bei  0.05  g
Formaldehyd  im  Liter  entsteht  schon  eine  schöne  Blaufärbung.
13.  Nachweis  fremder  Farbstoffe.
Um  die  bläuliche  Färbung  gewässerter  oder  teilweise  entrahmter  Milch  zu
verdecken,  werden  hier  und  da  gelbe  Farbstoffe  der  Milch  zugesetzt.  Da  die
natürliche  Gelbfärbung  der  Milch  durch  die  Farbe  des  Fettes  bedingt  ist,  während
bei  einer  künstlichen  die  ganze  Milchflüssigkeit  gelb  gefärbt  ist,  so  kann  man
eine  künstlich  gefärbte  Milch  von  einer  natürlichen  schon  in  der  Regel  durch  Beobachtung ­
  ihres  Verhaltens  beim  Aufrahmen  in  einem  Glase  unterscheiden.  Bei
natürlicher  Milch  ist  nur  die  Rahmschicht  gelblich  und  die  unterstehende  Magermilch
bläulich;  bei  künstlich  gefärbter  dagegen  ist  infolge  der  Färbung  der  ganzen
Flüssigkeit  auch  die  Magermilch  nach  dem  Aufrahmen  gelblich.  Bezüglich  des
Nachweises  der  künstlichen  Färbung  und  der  Erkennung  der  Farbstoffe  sei  auf  die

J )  Bericht  d.  Deutsch,  ehern.  Gesellschaft  1897,  30,  2510;  vergl.  auch  daselbst  1899,
32,  2841,  über  die  quantitative  Bestimmung  von  Formaldehyd  bezw.  Methylen.
2 )  Analyst  1896,  21,  94;  Vierteljahreaschr.  f.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1896,  11,  276.
3 )  Porschungsberichte  über  Lebensmittel  1896,  3,  363.
J )  Annal.  di  Parmacol.  1898,  97;  Zeitschr.  f,  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel ­
  1898,  1,  858,  E.  Rimini  hat  außer  10  verschiedenen  Aldehyden  noch  Aceton,
Aoetophenon,  Benzophenon,  Kampfer,  Methylalkohol  und  Ameisensäure  geprüft  und  gefunden,
daß  die  Reaktion  mit  diesen  nicht  eintritt;  er  hält  sie  daher  für  kennzeichnend  für  Formaldehyd.
5 )  Chem.-Ztg.  1902,  26,  246.
            
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