Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

490

Milch  und  Molkerei-Erzeugnisse.

Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Milch.
1.  Nachweis  von  Milchf  älschungeu.
Wenn  sich  auch  für  die  Schwankungen  der  Menge  der  einzelnen  Bestandteile  der
Milch  und  für  die  Schwankungen  des  spezifischen  Gewichtes  Grenzen,  die  für  die  verschiedenen ­
  Gegenden  Deutschlands  in  gleichem  Maße  Geltung  beanspruchen  dürften,  nicht
aufstellen  lassen,  und  wenn  es  daher  als  unerläßlich  bezeichnet  werden  muß,  sich  für
jeden  Bezirk,  in  dem  eine  Kontrolle  ausgeübt  werden  soll,  durch  ausgedehnte  Untersuchungen ­
  und  Beobachtungen  sichere  Anhaltspunkte  für  sein  Urteil  zu  verschaffen,  so  darf
man  bei  den  für  Deutschland  geltenden  Verhältnissen  für  Marktmilch  und  für  weitaus
die  Mehrzahl  der  Fälle  wohl  annehmen,  es  schwanke  hei  unverfälschter  Milch

das  spezifische  Gewicht  hei  15°  von  1,029—  1,033
der  Gehalt  an  Fett  2,50  —  4,50  °/ 0
„  „  „  Trockensubstanz  „  10,50  —14,20  „
„  „  „  fettfreier  Trockensubstanz  .  .  .  „  8,00  —10,00  „

und  es  sinke  der  Gehalt  der  Trockensubstanz  an  Fett  nicht  unter  20  u / 0 ,  bezw.  es  erhebe
sich  das  spezifische  Gewicht  der  Trockensubstanz  nicht  über  1,4.  Bei  täglich  dreimaligem
Melken  kann  der  Fettgehalt  der  Morgenmiloh  aus  den  angegebenen  Grenzen  nach  unten
sehr  wohl  heraustreten,  ohne  daß  Fälschung  vorliegt.
Für  die  Erkennung  der  oben  angeführten  Arten  der  Milchfälsohung
dienen  folgende  Anhaltspunkte:
1.  Durch  die  Wässerung  der  Milch  wird  a)  das  spezifische  Gewicht  der  Milch  und
des  Serums  erniedrigt,  b)  der  Gehalt  der  Milch  an  sämtlichen  Bestandteilen  gleichmäßig
erniedrigt,  einschließlich  des  Gehaltes  an  fettfreier  Trockensubstanz.  Dagegen  c)  bleibt
der  Fettgehalt  der  Milchtrockensubstanz  bezw.  deren  spezifisches  Gewicht  normal.
Eine  Milch  ist,  falls  es  sich  nicht  um  die  Milch  einer  einzelnen  Kuh  handelt,  als
gewässert  zu  bezeichnen,  wenn  das  spezifische  Gewicht  der  Milch  unter  1,028,  das  des
Serums  unter  1,026  und  der  Gehalt  an  fettfreier  Trockensubstanz  unter  8°/ 0  erheblich
herabsinkt.
Fällt  hierbei  der  Fettgehalt  der  Milchtrockensuhstanz  nicht  unter  20  °/ 0 ,  bezw.
steigt  das  spezifische  Gewicht  derselben  nicht  über  1,4,  so  ist  nur  eine  Wässerung  anzunehmen. ­

2.  Durch  die  Entrahmung  der  Milch  oder  das  Vermischen  von  Milch  mit  entrahmter
Milch  wird
a)  das  spezifische  Gewicht  der  Milch  erhöht,  während  das  des  Serums  dasselbe  bleibt;
b)  auch  Trockensubstanz-  und  Fettgehalt  werden  erniedrigt,  jedoch  letzterer  verhältnismäßig ­
  mehr  als  ersterer;  der  Gehalt  an  fettfreier  Trockensubstanz  wird  jedoch  durch
Entrahmung  nicht  verändert;
c)  der  Fettgehalt  der  Milchtrockensubstanz  fällt  bezw.  ihr  spezifisches  Gewicht  steigt.
Eine  Milch  ist,  falls  es  sich  nicht  um  die  Milch  einer  einzelnen  Kuh  handelt,  im
allgemeinen  als  entrahmt  oder  als  mit  entrahmter  Milch  vermischt  zu  bezeichnen,  wenn
bei  erhöhtem  spezifischem  Gewicht  der  Milch  und  normalem  spezifischem  Gewichte  des
Serums  der  Fettgehalt  der  Milchtrockensuhstanz  unter  20°/ 0  erheblich  sinkt  bezw.  ihr
spezifisches  Gewicht  über  1,4  erheblich  steigt. 1 )
3.  Wässerung  und  Entrahmung  gleichzeitig  liegen  vor,  wenn  bei  unter
Umständen  normalem  spezifischen  Gewicht  der  Milch  das  des  Serums  erheblich  unter
1,026  sinkt  und  bei  erniedrigtem  Gehalt  an  sämtlichen  Milchbestandteilen  der  Fettgehalt
der  Milchtrockensuhstanz  erheblich  unter  20°/ 0  sinkt  bezw.  deren  spezifisches  Gewicht
erheblich  über  1,4  steigt.
Durch  die  vorstehenden  Anhaltspunkte  können  nur  verhältnismäßig  grobe  Verfälschungen ­
  der  Milch  nachgewiesen  werden,  auch  ist  es  unmöglich,  auch  nur  annähernd
*)  Bei  dem  Schluß  auf  Entrahmung  ist  jedoch  große  Vorsicht  erforderlich,  da  verschiedene ­
  Umstände,  so  Brunst,  Futterwechsel,  Witterung  usw.,  gerade  auf  den  Fettgehalt
von  großem  Einfluß  sind.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.