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Milch und Molkerei-Erzeugnisse.
sichtlich der Punkte 6 h—d wesentliche Veränderungen, welche die Zusammensetzung der
bei der Stallprobe gewonnenen Milch im günstigen Sinne beeinflussen könnten, seit dem
Tage eingetreten, an dem die fragliche Milch gewonnen wurde, so wird unter den meisten
Fällen durch die Stallprobe ein bestimmtes Ergebnis für die Beurteilung der Milch nicht
erhalten werden können.
Fr. J. Herz 1 ) berechnete bei einer großen Zahl von Stallprobeu (60), die er an aufeinanderfolgenden
Tagen aus einem Stalle von 7 milchenden Kühen entnahm, aus den 1,
2, 3—20 Tage vorher genommenen Proben Wasserzusätze bis zu 4 % und eine Abnahme
des Fettgehaltes der Trockensubstanz, die im ganzen zwischen 27,17 und 32,78 °/ 0 schwankte,
gegen den Tag zuvor bis zu 2,64 °/ 0 .
Da geringe Fälschungen dem Fälscher nicht den beabsichtigten Gewinn bringen und
bei den Schwankungen auch von vorschriftsmäßig vorgenommeuen Stallproben für die Beurteilung
einer Milch große Vorsicht geboten ist, so empfiehlt es sich, wenn es sich um
die Milch mehrerer Kühe handelt, erst dann eine Milch als gewässert zu beanstanden, wenn
der berechnete Wasserzusatz wenigstens 10% beträgt, oder erst dann eine Milch als teilweise
entrahmt bezw. mit Magermilch vermischt zu bezeichnen, wenn der Fettgehalt der
Trockensubstanz in der fraglichen Probe um wenigstens 5% geringer ist als in der bei
der Stallprobe entnommenen Probe.
3. Berechnung der zugesetzteu Wassermenge und der entzogenen Fettnienge.
a) Wenn nur Wasser zugesetzt ist. Für die annähernde Berechnung der einer
Milch zugesetzten Wassermenge muß neben der Untersuchung dieser Milch auch die
einer mindestens innerhalb der drei nächsten Tage entnommenen Stallproben-Milch vorliegen.
Bedeuten
bei der Stallproben-Milch L, die Laktodensimetergrade, tj den Trockensubstanzgehalt,
fj den Fettgehalt und r, den Gehalt an fettfreier Trockeusubztanz,
und
bei der fraglichen Milch L ä , t 2 , f 2 und r 2 die den Werten L,, t 1; f, und r, entsprechenden
Werte,
so kann man die auf 100 Teile reiner Milch zugesetzte Wassermenge (W) nach einer der
II. w = 100 (V-y
IV W = 100 ( r i ~ r a)
Ls
folgenden vier Formeln berechnen:
100 (L] — L 2 )
I. W -
III. W =
L 2
100 (f, -
f 2 )
fü
Ist z. B. gefunden worden:
bei der Stallproben-Milch . . . L! = 31,8 t, = 12,33 f, = 3,47 rj = 8,89,
.. „ fraglichen Milch , . . L 2 = 28,5 t 2 = 11,09 f 2 = 3,09 r 2 = 8,00,
so ergeben sich nach den vorstehenden 4 Gleichungen auf 100 Teile reine Milch folgende
Mengen zugesetzten Wassers (W):
I, II. III. IV.
W = 11,58% 11,18% 12,30% 11,12%.
Man kann daher in diesem Falle die Milch als mit etwa 11—12 % Wasser versetzt
bezeichnen. Da die fettfreie Trockensubstanz im allgemeinen der konstanteste Bestandteil
der Milch ist, so sind die nach der Formel IV ermittelten Werte am zuverlässigsten.
Wenn eine Stallproben-Milch nicht vorliegt, so wird man daher bei einer gewässerten
Milch den Wasserzusatz am besten nach der Formel IV berechnen, indem man den durchschnittlichen
Gehalt an fettfreier Trockensubstanz tür die betr. Gegend, also z. B. 8,50 %,
zugrunde legt. In derartigen Fällen ist natürlich das berechnete Ergebnis nur ein sehr
unsicheres.
: ) Über den Wert der Stallprobe. Mitteilungen des milchw. Vereins im Allgäu
1895, 5, 37.