Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Vollmilch.  Stallprobe.

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den  Grad  derselben  festzustellen.  Entfernen  sich  daher  die  gefundenen  Zahlen  nur  wenig
von  den  oben  angeführten  nach  oben  wie  nach  unten,  oder  soll  der  Grad  der  Verfälschung
annähernd  festgestellt  werden,  so  ist  unbedingt  erforderlich;
2.  Die  Stallprobe.
Die  Stallprobe  ist  nur  möglich,  wenn  sicher  festgestellt  werden  kann,  aus  welchem
Stalle  bezw.  von  welchen  Kühen  eines  Stalles  die  fragliche  Milch  stammt  und  sie  hat  nur  dann
einen  Zweck,  wenn  ganz  genau  bekannt  ist,  von  welcher  Melkzeit 1  2 )  die  Milch  herrührt.
Sie  besteht  darin,  daß  man  zu  derselben  Melkzeit,  zu  der  die  verdächtige  Milch  gemolken
sein  soll,  am  besten  von  derselben  Person,  welche  gewöhnlich  melkt,  das  Melken  besorgen
läßt,  eine  Durchschnittsprobe  von  der  ganzen  ennolkenen  Milchmenge  nimmt,  diese  untersucht, ­
  die  nunmehr  erhaltenen  Ergebnisse  mit  den  früheren  vergleicht  und  sorgfältig  erwägt,
ob  die  Vergleichung  den  bestehenden  Verdacht  bestätigt  oder  nicht.
Bei  der  Stallprobe,  die  durch  den  Sachverständigen  selbst  oder  eine  hinreichend
unterrichtete  Person  (Polizeibeamten)  erfolgen  muß,  ist  auf  folgende  Punkte  besonders  und
zwar  stets  Rücksicht  zu  nehmen;
1.  Die  Stallprobe  ist  bei  derjenigen  Melkzeit  bezw.  denjenigen  Melkzeiten  vorzunehmen, ­
  welcher  bezw.  welchen  die  fragliche  Probe  entstammte.
2.  Die  Stallprobe  ist  am  besten  schon  24  Stunden  später,  auf  keinen  Fall
später  als  3  Tage  nach  der  Melkzeit  der  fraglichen  Milch  vorzunehmen.
3.  Die  Probe  muß  sich  auf  alle  Kühe,  aber  auch  nur  auf  diejenigen  erstrecken,
welchen  die  fragliche  Milch  entstammte.
4.  Es  ist  dafür  zu  sorgen,  daß  sämtliche  Kühe  vollständig  ausgemolken  werden  und
ist  dies  von  demjenigen,  welcher  die  Stallprobe  vornimmt,  zu  kontrollieren.
5.  Von  der  gut  durchmischten,  abgekühlten  Milch  sämtlicher  in  Frage  kommenden
Kühe  ist  eine  Durchschnittsprobe  von  ’/a—1  1  in  einer  reinen,  trocknen,  vollständig  gefüllten ­
  Flasche  versiegelt,  möglichst  schnell  der  Kontrollstelle  einzusenden,  wobei  es  sich
empfiehlt,  im  Sommer  dieselbe  mit  Bis  zu  kühlen.
6.  Es  ist  möglichst  genau  zu  erforschen  und  anzugeben;
a)  die  Anzahl  der  vorhandenen  milchenden  Kühe,  von  denen  die  Milch  entstammt,
b)  Ernährungs-  und  Gesundheitszustand,  sowie  Zeit  der  Laktation  der  Kühe,
c)  ob  und  welche  Veränderungen  in  der  Haltung  der  Kühe  zwischen  der  Zeit,
welcher  die  fragliche  Probe  entstammte,  bezw.  kurz  vorher  und  der  Zeit  der  Stallprobe
stattgefunden  haben,  insbesondere  auch,  ob  und  gegebenenfalls  wieviel  Tiere  in  der  in  Frage
kommenden  Zeit  rinderig  gewesen  sind,
d)  ob  in  dieser  Zeit  ein  Witterungsumsohlag  stattgefunden  hat.
Es  empfiehlt  sich,  für  die  Stallprobe  gedruckte  Vorschriften  vorrätig  zu  halten,  auf
denen  die  unter  1—6  angegebenen  Punkte  angeführt  sind,  auf  denen  die  unter  6  bezeichneten
  Angaben  zu  machen  und  die  gleichzeitig  mit  der  entnommenen  Milchprobe  der
Kontrollstelle  einzusenden  sind.
Wird  die  Stallprobe  unter  genauer  Einhaltung  vorstehender  Vorschriften  genommen
ünd  ist  eine  wesentliche  Veränderung  in  den  unter  6  b—d  aufgeführten  Punkten  nicht  eingetreten, ­
  so  werden  sich  die  Ergebnisse  der  beiden  Analysen,  falls  eine  Fälschung  nicht
v orliegt,  gewöhnlich  für  das  spezifische  Gewicht  der  Misohmiloh  um  nicht  mehr  als  2  Einheiten ­
  der  dritten  Dezimale,  für  den  Gehalt  an  Fett  um  nicht  mehr  als  0,3  %  und  für
den  an  Trockensubstanz  um  nicht  mehr  als  1  °/ 0  unterscheiden.  Größere  Unterschiede  sind
üur  ausnahmsweise  bei  der  Milch  einzelner  Kühe  beobachtet  worden.®)  Sind  dagegen  hiu-1
 )  Stammt  die  Milch  von  einer  einzelnen  Kuh,  so  ist  die  Stallprobe  mehrmals ­
  an  verschiedenen  Tagen  zu  wiederholen,  weil  nicht  nur  das  einzelne,  sondern  auch
das  Tagesgemelk  einer  einzelnen  Kuh  von  einem  Tage  zum  anderen  so  schwanken  kann,
(  aß  sich  auf  Grund  einer  Stallprobe  ein  sicheres  Gutachten  über  eine  beanstandete  Milch
ul °ht  abgeben  läßt.
2 )  Von  anderer  Seite  gegen  die  Zuverlässigkeit  der  Stallprobe  gemachte  Einwendungen ­
  sind  von  Mader  (Milch-Ztg.  1894,  23,  167)  als  auf  unrichtigen  analytischen
6  un den  beruhend  zurückgewiesen.
            
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