In der örtlichen Verteilung der großen Fischerei zeigte noch
immer Vlaardingen seinen Vorrang; es hatte 1892: 94 Kiel-
schiffe, während Maassluis deren 77 besaß. Mit den Bom-
schuiten standen aber Scheveningen, Katwijk und
Noordwijk an der Spitze mit insgesamt 306 1).
Kümmerlich behauptete sich noch bis in die Mitte des ı9. Jahrhunderts
die Islandfischerei; von Bedeutung war sie nicht mehr. Im Durchschnitt
der Jahre 1903—1013 waren die Niederlande an der Islandfischerei mit nur 0,6%
beteiligt, gegen 41% Englands und Schottlands und 15% des Deutschen Reichs?).
Noch weniger verblieb nach der französischen Zeit von dem alten Wal-
fischfang. Nur die Prämien hielten noch kurze Zeit die Überbleibsel dieses
Gewerbes aufrecht; die Prämien betrugen etwa vier Fünftel des Bruttoertrages
des angebrachten Specks. Sang- und klanglos verschwand diese einst hochgeschätzte
Fahrt, die zwar wirtschaftlich an die Heringsreederei nicht heranreichte, immerhin
aber, vorzüglich wegen des Handels mit Tran, einer gewissen Bedeutung nicht
entbehrte, zu schweigen von dem hohen Werte, den sie für die Ausbildung von See-
leuten und für den Ruf der Nation als einer seetüchtigen gehabt hat.
Der einzige Zweig des holländischen Fischereigewerbes, der in neuerer Zeit
unter staatliche Aufsicht gestellt wurde, war die Austernzucht; das geschah
1867, und seitdem wurde sie rationell betrieben; die Bänke wurden nun verpachtet
und der öffentlichen Fischerei entzogen, was zwar den Wünschen der Fischer nicht
entsprach, aber der Ausnutzung und Verwertung der Bänke sehr förderlich gewesen
ist. Namentlich auf Zuid-Beveland blühten sie seitdem auf®).
$ 4. Der Binnenverkehr und die Eisenbahnen.
Wenig veränderte sich zunächst in der Binnenschiff-
fahrt. Vor den Landwegen, die sich nur langsam und mit Hilfe
von Wegegeldern einer besseren Pflege erfreuten, gab man jener
immer noch den Vorzug. Die Beurtfahrt und die Trekschuite be-
herrschten noch bis tief in das 19. Jahrhundert die Binnengewässer.
Erst Ende des 19. Jahrhunderts verdrängte das Motorboot die
Trekschuite, was natürlich eine viel größere Leistungsfähigkeit dieses
Verkehrsweges zur Folge hatte*). Noch immer bestand der mono-
1) Hoogendijk, S. 161;
2) Vgl. Geiser, Die Islandfischerei usw., S. 31. Über die neueste Ent-
wicklung der holländischen Fischerei vgl. van Haersolte, Onze visscherij
op Noord- en Zuiderzee.
3) Müller, S. 399f.. Im Jahre 1890 betrug die Gesamtausfuhr seeländi-
scher Austern 51 237 506 Stück (Blink, Nederland, III, 440.)
4 van der Kloot Meyburg, De econ. ontwikkeling, S. 213 f,
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