Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Speisefette  und  -öle.

Untersuchung  und  Beurteilung  der  verschiedenen
Speisefette  und  -öle.
Um  unnötige  Wiederholungen  zu  vermeiden,  haben  wir  die  wichtigsten  analytischen ­
  Konstanten  der  hauptsächlichsten  Speisefette  und  -öle,  sowie  der  zu  ihrer
Verfälschung  dienenden  Fette  und  Öle  in  den  Tabellen  (S.  542—545)  zusammengestellt. ­
  Hinsichtlich  der  Beurteilung  der  Speisefette  und  -öle  auf  Grund  dieser
ihrer  Konstanten  ist  zu  berücksichtigen,  daß  in  die  Tabellen,  soweit  wie  möglich,
alle  bei  den  betr.  Fetten  und  ölen  beobachteten  Zahlen  Aufnahme  gefunden  haben,
und  daß  vielleicht  bei  der  Ermittelung  mancher  dieser  Zahlen  nicht  hinreichend  zuverlässig ­
  reine  oder  alte  und  ranzige  Fette  und  öle  Vorgelegen  haben.
Die  in  der  Kegel  beobachtete  Höhe  dieser  Konstanten  wird,  soweit  dies
erforderlich  ist,  bei  den  einzelnen  Speisefetten  und  -ölen  noch  besonders  angegeben
werden.
I.  Butter  und  Butterschmalz.
Butter  ist  das  erstarrte,  aus  der  Milch  abgeschiedene  Fett,  welches  noch
eine  gewisse  Menge  süßer  oder  saurer  Magermilch  in  gleichmäßiger  und  feinster  Verteilung ­
  eingeschlossen  enthält.
Der  Hauptbestandteil  der  Butter  ist  das  der  Kuhmilch  entstammende  Fett.
Das  Butterfett  unterscheidet  sich  wesentlich  dadurch  von  anderen  tierischen
Fetten,  daß  es  neben  den  Glyzeriden  der  höheren  Fettsäuren  (öl-,  Palmitin-  und
Stearinsäure)  auch  eine  größere  Menge  von  Glyzeriden  der  niederen,  flüchtigen  Fettsäuren ­
  (Buttersäure,  Kapron-,  Kapryl-  und  Kaprinsäure  usw.)  enthält.
Die  mittlere  Zusammensetzung  der  Butter  ist  nach  zahlreichen  Untersuchungen
folgende:
Wasser  Fett  Kasein  Milchzucker  Milchsäure  Salze
13,45  °/„  83,70  °/ 0  0,76  °/ 0  0,50  »/„  0,12  «/„  1,59  °/ 0 .
Je  nach  der  Bereitungsweise  unterscheidet  man  Butter  aus  süßem  und  solche
aus  saurem  Rahm,  je  nach  Jahreszeit  und  Fütterungsweise  Winterbutter  und
Sommerbutter  (Grasbutter),  je  nach  der  Güte  Tafelbutter,  Bauern-  oder  Landbutter,
Faktoreibutter  usw.
Um  eine  größere  Haltbarkeit  des  Butterfettes  zu  erzielen,  wird  die  Butter
häufig  durch  Schmelzen  von  Wasser,  Kasein,  Milchzucker  und  Salzen  befreit;  die
Butter  wird,  wie  man  zu  sagen  pflegt,  ausgelassen.  Das  durch  Schmelzen  der
Butter  von  den  Milchbestandteilen  getrennte  klare  Fett  bildet  erkaltet  das  Butterschmalz, ­
  die  Schmalz-  oder  Schmelzbutter,  in  Suddeutschland  Rindsschmalz,  auch
einfach  Schmalz  genannt.
Der  Zusatz  von  Kochsalz  zur  Butter,  den  man  in  Suddeutschland  nicht
kennt,  ist  in  Mittel-  und  Norddeutschland  fast  allgemein  üblich  und,  sofern  er  sich
in  mäßigen  Grenzen  hält,  nicht  zu  rügen.
Um  der  Butter,  welche  im  Winter  bei  Trockenfütterung  nahezu  weiß  ist,
im  Sommer  bei  Grünfütterung  dagegen  eine  mehr  oder  minder  gelbe  Farbe  hat,  das
ganze  Jahr  hindurch  eine  gleichmäßige  Farbe  zu  geben,  wird  die  Winterbutter
vielfach  gefärbt.
Neuerdings  wird,  namentlich  in  Amerika 1 ),  ranzige  und  sonstwie  verdorbene
Butter  durch  Auslassen,  Behandeln  mit  Luft,  erneutes  Emulgieren  mit  Milch  und
darauffolgende  Verbutterung  wieder  aufgefrischt  (Renovated-  oder  Prozeßbutter).
1 )  Vergl.  Oh.  A.  Crampton,  Die  Zusammensetzung  von  „Prozeß-  oder  Renovated-Butter“.
  —  Journ.  Americ.  Chem.  Soc.  1903,  25,  358;  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.
Nahrungs-  u.  Genußmittel  1904,  7,  43.
            
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