Butter und Butterschmalz.
563
a) Wenn heim Auslassen der Butter die sich ahsetzende wässerige
Schicht eine gelhe Farbe haben sollte, so führt man mit der klar filtrierten, wässerigen
Schicht folgende Reaktionen aus: .
u) Bewirkt ein Zusatz von Ammoniak oder Alkalien eine Bräunung bezw. braunrote
Färbung der Flüssigkeit, so ist die Butter mit Kurkuma gefärbt.
ß) Wird die Flüssigkeit auf Zusatz von konzentrierter Schwefelsäure blau
und scheiden sich auf Zusatz von Wasser schmutziggrüne Flocken aus, so deutet das auf
Orleans hin; geht dagegen die blaue Färbung bald in Lila oder ins Yiolettbraune über
und bewirkt in einer anderen Probe Zitronensäure eine grasgrüne Färbung, so ist auf
Saflor zu schließen.
y) Entsteht auf Zusatz von Salzsäure ein kristallinischer Niederschlag unter gleichzeitiger
Entfärbung der Flüssigkeit, so war Yiktoriagelb (Dinitrokresolkalium, Safransurrogat)
zugesetzt; dasselbe geht durch Schütteln der wässerigen Flüssigkeit mit Benzol
in letzteres über und färbt dasselbe gelb. Tritt beim Bilden des gelben Niederschlages
keine Entfärbung der Flüssigkeit ein, so ist Martiusgelb vorhanden; Zusatz von Ätznatron
zu einer anderen Probe bewirkt dann einen rotbraunen Niederschlag.
d) Bildet sich auf Zusatz von Bisenchlorid ein flockiger Niederschlag mit schwärzlichbrauner
Farbe, so sollen Ringelblumen, entsteht eine braunschwarze Färbung, so soll
Saflor, entsteht eine dunkelbraunrote Färbung, so soll Safran verwendet sein.
b) In der Regel wendet man aber die Butterfarben in Öllösung an und diese
Farben gehen durchweg nicht in das Abschmelzwasser über; man muß daher das
Butterfett auf fremde Farbstoffe prüfen.
A. R. Leeds 1 ) verfährt, zu dem Zweck wie folgt:
Von Butter und Kunstbutter werden 100 g in 300 ccm reinem Petroläther (vom
spezifischen Gewicht 0,638) gelöst, die Lösung wird mittels eines Scheidetrichters von Wasser
und Salzen getrennt und im Scheidetrichter wiederholt mit Wasser, im ganzen mit 100 ccm
gewaschen. Sodann läßt man die Fettlösung im Winter in der Kälte, im Sommer in eiskaltem
Wasser 15—20 Stunden stehen, wobei viel Stearin auskristallisiert. Die hiervon
abdekantierte klare Lösung wird mit 50 ccm 1 / 10 N.-Kalilauge geschüttelt, wobei die
Farbstoffe dem Petroläther entzogen werden. Die wässerige Farbstofflösung trennt man
von der Fettlösung und säuert sehr sorgfältig mit verdünnter Salzsäure an, bis die Lösung
gegen Lackmuspapier eben sauer reagiert. Hierbei wird der Farbstoff (zugleich mit sehr
Wenig Fettsäure) abgeschieden. Man filtriert ihn durch ein tariertes Filter und wäscht
mit kaltem Wasser. Zu beachten ist, daß die Lösung der Fette in Petroläther stets
eine hellgelbe Farbe hat, die von den Fetten und Ölen selbst herrührt.
Zur Erkennung der einzelnen Farbstoffe versetzt man je 2 3 Tropfen ihrer
alkoholischen Lösung mit je 2—3 Tropfen konzentrierter Schwefelsäure, konzentrierter
Salpetersäure, Schwefelsäure -f Salpetersäure und konzentrierter Salzsäure. Hierbei treten
folgende Reaktionen ein;
(Siehe Tabelle auf Seite 564.)
Stebbins 2 ) schmilzt 50 g des filtrierten Fettes in einem engen Becherglase auf
dem Wasserbade, rührt 5—10 g fein gepulverte Walkerde (weißen Bolus) ein und läßt
Dach 3 Minuten langem Durchrühren auf dem Wasserbade absitzen. Man gießt möglichst
I* el Fett ab, gibt 20 ccm Benzol zu, rührt durch, läßt absitzen, gießt das Benzol auf ein
ilter ab und wiederholt das Auswaschen mit Benzol, bis alles Fett entfernt ist. Das
Filter wird mit Benzol gewaschen und die Filtrate vereinigt. In denselben ist das Karotin
enthalten, auf welches nach der Tabelle auf S. 564 geprüft wird. Die Walkerde wird auf
nem Wasserbade von Benzol befreit, 3-mal mit etwa 20 ccm 94 °/ 0 -igem Alkohol ausgekocht,
nie Auszüge in einer tarierten Schale verdampft, der Rückstand bei 100° getrocknet und
gewogen, bezw. nach den S 664 angegebenen Reaktionen auf die Natur des Farbstoffes
e-fVTVrfift- ö ö
i) Analyst 1887, 12, 150; Chem.-Ztg. 1887, 11, Rep. 188.
) Journ. Americ. Chem. Soc. 1887, 9, 41 und Analyst 1887, 12, 150.
36*