Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Butter  und  Butterschmalz.

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Die  Beziehungen  zwischen  der  Jodzahl  und  dem  mittleren  Molekulargewicht  der
nichtflüohtigen  Fettsäuren  einerseits  und  der  Reichert-Meißlschen  Zahl  treten  sehr  gut
in  den  nachfolgenden,  von  M.  Siegfeld  für  die  Milch  einer  großen  Molkerei  (Milch  von
über  1000  Kühen  aus  über  100  Wirtschaften)  zutage:
Reich  ert-Meißlsche  Zahl  24,2  25,0  26,1  27,4  28,6  29,6  30,8
Jodzahl  (nach  Wijs)  41,6  44,6  34,2  33,6  31,6  30,7  30,7
Molekulargewicht  der  nichtflüchtigen  Fettsäuren  268,7  265,3  262,7  262,2  259,6  260,7  266,5.
Reines  Butterfett  hat  im  allgemeinen  eine  Reiohert-Meißlsche  Zahl  von  26—32
und  eine  Yerseifungszahl  von  222—232.  Doch  ist  eine  Unterschreitung  dieser  Zahlen  kein
Beweis  für  eine  Verfälschung  des  Butterfettes  mit  fremden  Fetten,  denn  unter  den  verschiedensten ­
  durch  Jahreszeit,  Laktationsstadium,  Fütterung,  Individualität  verursachten
Bedingungen  können  nicht  nur  bei  der  Milch  einzelner  Kühe,  sondern  auch  hei  größeren
Herden  weit  niedrigere  Reichert-Meißlsohe  Zahlen  auftreten.  R.  Sendtner 1 )  fand
z.  B.  für  Mischbutter  von  133  Kühen  bei  Fütterung  von  Maisstärkefabrik-Abfällen
Reiohert-Meißlsche  Zahlen  bis  herab  zu  17,6,  Köttstorfersche  Zahlen  bis  herab  zu
207,1  bei  45,7  Jodzahl  und  Refraktometerzahl  46,8  bei  40°.  van  Rijn  beobachtete  bei
einer  Herde  von  6  Kühen  eine  Reichert-Meißlsche  Zahl  von  17.  Für  das  Milohfett
einzelner  Kühe  wurden  sogar  Zahlen  wie  13,4  (A.  Meyer 2 ))  und  15,6  (A.  J.  Swaving 3 ))
gefunden.
Reichert-Meißlsche  Zahlen  unter  24  treten  sogar  in  gewissen  Bezirken
Norddeutschlands  und  in  einem  Teile  von  Holland  in  den  Herhstmonaten  mit  einer
gewissen  Regelmäßigkeit  auf.
Ferner  ist  in  analytischer  Hinsicht  noch  zu  berücksichtigen,  daß  sich  die  Reichert-Meißlsche
  Zahl  beim  Aufbewahren  der  Butter  verändern  kann;  nach
N.  J.  Swaving 1 )  nimmt  sie  bei  nicht  ausgelassener  Butter  mehr  oder  minder  ab,  und  zwar
lm  offenen  Gefäße  mehr  als  im  verschlossenen  und  hei  Lichtabschluß  mehr  als  bei  Lichtzutritt; ­
  bei  ausgelassenem  Butterfett  dagegen  findet  sowohl  im  verschlossenen  wie  im
offenen  Gefäß  eine  schwache  Zunahme  der  Reichert-Meißlschen  Zahl  statt,  und  zwar
im  verschlossenen  Gefäße  eine  etwas  stärkere  als  im  offenen;  ein  Unterschied  in  der  Einwirkung ­
  des  Lichtes  ist  hierbei  nicht  zu  erkennen.
Es  ist  daher  nicht  möglich,  allgemein  gültige,  praktisch  brauchbare
untere  Grenzzahlen  für  die  Reichert-Meißlsche  Zahl  und  die  Köttstorfersche ­
  Zahl  oder  obere  Grenzzahlen  für  die  Refraktometerzahl,
die  Jodzahl,  das  Molekulargewicht  der  niohtflüchtigen  Fettsäuren  usw.
uufzustellen.  Trotzdem  bleiben  aber  die  Bestimmungen  der  Reichert-Meißlschen
Zahl  und  der  Verseifungszahl  die  geeignetsten  Verfahren,  um  die  einer  Fälschung
verdächtigen  Butterfette  von  den  unverdächtigen  zu  trennen.  Um  aber  einen
Zusatz  fremder  Fette  in  verdächtigen  Butterfetten  bestimmt  nachzuweisen,
sind  noch  andere  Verfahren  anzuwenden,  von  denen  z.  Z.  folgende  als  die  zuverlässigsten ­
  anzusehen  sind:
1-  In  Fällen,  in  denen  sich  die  Herkunft  der  Butter  aus  einer  bestimmten
Wirtschaft  oder  auch  einer  bestimmten  Molkerei  —  sofern  diese  nicht  etwa  auch

„  i  ma  vofpriert  Diesem  Referate  sind  auch  die  von
im  Milchwirtsch.  Centralbl.  190o,  1,  ll,b _ r ®„  ter  man  die  durch  ein  Äquivalent  Kalium-Siegfeld
  aus  dem  Verseifungsäquivalent  berechneten  Verseifungszahlen  der
hydroxyd  (56,1  Teile)  verseifbare  Fettmenge  versteht  -  berechneten
Tabelle  entnommen.  ,  1ßqPi  9  339
!)  Forschuugsberichte  über  Lebensmittel  1  ,  ■>
2 )  Landw.  Versuchs-Stationen  1888,  25,  2  u f  ß ’  4  577
■)  Zeitschr.  f.  Untersuchung  d.  Nahrungs-  u.  Genußmittel  1901,  4,
4 )  Ebenda  1898,  1,  759.
            
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