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Speisefette und -öle.
beobachten. Läßt man einige Minuten stehen, so scheidet sich die Flüssigkeit in
2 Schichten; die untere (Chloroform) erscheint wasserhell, während die obere grün
gefärbt ist. Man vermeide niedere Temperaturen, damit sich das Fett nicht in
festem Zustand wieder abscheidet. Macht man die saure Mischung mit Ammoniak
alkalisch, so geht die grüne Farbe in Blau über, dessen Intensität der vorherigen
Grünfärbung entspricht. Ein nur schwach blauer Schimmer ist unberücksichtigt
zu lassen.“
d) Kokosfett und Palmkernfett enthaltendes Schweinefett erkennt man
an der erhöhten Verseifungszahl (vergl. S. 526) und auch an der entsprechend
erhöhten Eeichert-Meißlschen Zahl (vergl. S. 527).
s) Baumwollsamenöl (Kottonöl) und -Stearin enthaltendes Schweinefett
gibt die Halphensche Reaktion auf Baumwollsamenöl (vergl. S. 587).
£) Sesam öl enthaltendes Schweinefett gibt die Baudouinsche und Soltsien-
sche Reaktion (vergl. S. 586).
tj) Erdnußöl enthaltendes Schweinefett erkennt man an einem Gehalt an
Arachinsäure und Lignocerinsäure (vergl. S. 584).
#) Der Nachweis von Rinds- und Hammeltalg bietet große Schwierig
keiten. Die Bestimmung der Jodzahl gibt zwar unter Umständen einen gewissen
Anhalt für das Vorhandensein von Talg in Schweinefett; indes ist zu berück
sichtigen, daß einerseits eine Erniedrigung der Jodzahl auch durch einen Zusatz
von Kokosfett bedingt sein kann und andererseits bei gleichzeitigem Zusatz von
Baumwollsamenöl die durch den Talgzusatz bedingte Erniedrigung der Jodzahl
wieder ausgeglichen wird. Auch ist zu berücksichtigen, daß ein Gehalt des
Schweinefettes an freien Fettsäuren eine Erniedrigung der Jodzahl bedingt.
H. W. Wiley 1 ) hat zuerst vorgeschlagen, die Kristallform des „Stearins“
zur Erkennung von Talg im Schweinefett zu verwenden. Dieses Verfahren
hat durch die neuesten Untersuchungen von H. Kreis und A. Hafner, 2 ) nach
denen dieses „Stearin“ beim Schweinefett aus Heptadekyldistearin, beim Einds-
und Hammeltalg dagegen aus Palmitodistearin besteht, eine wissenschaftliche Grund
lage erhalten, indes bietet die Ausführung bis jetzt noch Schwierigkeiten.
A. Goske 8 ) hat folgende Ausführungsweise vorgeschlagen:
1 g Schweineschmalz — nicht mehr — wird in 10 ccm Äther in einem Eeagens-
glase gelöst, letzteres mit Baumwollepfropfen verschlossen und die Lösung bei 12—13°
Zimmertemperatur der Kristallisation überlassen. Sobald sich Kristalle gebildet haben,
wird die klare Lösung vorsichtig ahgegossen, etwas farbloses Arachis- oder Kottonöl zu
gegeben und die ausgelesenen Kristalle bei 300-faoher Vergrößerung unter dem Mikroskop
betrachtet.
Das „Stearin“ aus etwa zugesetztem Talg kristallisiert in kleinen, büschelförmig
angeordneten Nadeln, die von einem Zentrum ausgehen und harte Kristalldrusen bilden.
„Schmalzstearin“ dagegen bildet zarte, lose zusammenhängende Büschel, die sich aus
schräg abgesohnittenen Tafeln mit einem stumpfen Winkel von 115° zusammensetzen und
oft bis 1 / 1 mm breit sind.
Das Verfahren ist aber unsicher und kann zu Täuschungen führen. Goske selbst
führt an, daß das gewöhnliche Schweineschmalz sich anders verhält als Dampfschmalz.
P, Soltsien, 1 ) 0. A. Neufeld 5 ) und 0, Hehner 6 ) sprechen ebenfalls gegen die Brauch
barkeit des Verfahrens.
J ) Zeitschr. f. analyt. Chem, 1891, 30, 510.
2 ) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 7, 641.
3 ) Chem.-Ztg. 1892, 16, 1660, 1597 u. 1895, 19, 1043.
>) Pharm.-Ztg. 1893, 88, 634.
5 ) Archiv f. Hygiene 1893, 17, 452.
°) Chem.-Ztg. 1894, 18, 367.