Spiritus, Branntweine und Liköre.
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schädlich gehalten, während sie von den Branntwein-Erzeugern bezw. -Genießern als be
sonders eigenartig und wertvoll für die einzelnen Edelbranntweiue angesehen werden.
Über die Bedeutung dieser Verunreinigungen in den Branntweinen für die Be
urteilung äußert sich K. Windisch 1 ) wie folgt:
„Die Summe dieser alkoholischen Verunreinigungen, ausgedrückt in Milligramm
und berechnet auf 100 ccm wasserfreien Alkohols, wird der Verunreinigungskoeffizient
genannt. F. Lusson, 2 ) der die mit dem Altern der Edelbranntweine verknüpften Ver
änderungen in der chemischen Zusammensetzung untersuchte, bezeichnete den Gehalt der
gesamten Verunreinigungen an Aldehyden und Säuren (in Prozenten ausgedrückt) als
Oxydationskoeffizient; nur die Aldehyde und die Säuren sollen beim Lagern der Brannt-
weine eine Änderung erleiden, die übrigen Nebenbestandteile aber nicht.
Bezüglich dieser alkoholischen Verunreinigungen wurden folgende Grenzzahlen
aufgestellt:
а) Nach Ch. Girard und seinen Mitarbeitern X. Bocques, E. Möhler, L. Cuniasse
und Saglier 3 ) beträgt der Verunreinigungskoeffizient bei dem eigentlichen Kognak,
d. h. dom in der Charente (im Bezirk Cognac) gewonnenen reinen Weinbranntwein niemals
weniger als 300 mg, nach F. Lusson nicht weniger als 340 mg.
ß) Nach X. Bocques 1 ) und anderen enthalten die reinen Weindestillate der Charente
etwa gleich viel höhere Alkohole und Ester.
y) Der Oxydationskoeffizient der Edelbrauntweine, d. h. der Gehalt an Aldehyden
und Säuren in 100 Teilen der gesamten Verunreinigungen, ist nach P. Lusson 5 ) abhängig
von dem Alter der Branntweine; er beträgt bei ganz jungen Branntweinen 10, bei 40 Jahren
alten bis 36.
d) C. Amthor und J. Zink 0 ) fordern bei reinen Kirsch- und ZwetschenbrannU
weinen mindestens 0,01 g Säure in 100 ccm und eine Esterzahl von 8. Als Esterzahl
wird die Anzahl Kubikzentimeter 1 / 10 N.-Lauge bezeichnet, die zur Verseifung der Ester
in 100 ccm Brauntwein erforderlich ist; der Esterzahl 8 entsprechen etwa 0,07 g Essig
säureäthylester (Äthylacetat, Bssigäther) in 100 com Branntwein.
Mit welcher Vorsicht jedoch solche Grenzzahlen aufzufassen sind und wie leicht
eine Verallgemeinerung derselben zu falschen Schlußfolgerungen führen kann, ergibt sich
aus einer Arbeit von H. Mastbaum, 7 ) der 20 reine spanische Weindestillate mit folgenden
Ergebnissen untersuchte: 1. Der Verunreinigungskoeflizient sckwankte von 148,4—977,2 mg;
bei 5 von 20 Proben war er kleiner als 300 mg. 2. Das Verhältnis der Ester zu den
höheren Alkoholen schwankte von 9:1 bis zu 1 / 3 : 1, also innerhalb sehr weiter Grenzen.
3. Der Oxydationskoeffizient nach Lusson schwankte ebenfalls innerhalb weiter Grenzen;
er betrug 6,1—52,9. Da alle Branntweine nur ein oder zwei Jahre alt w r aren, läßt sich
irgend ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Branntweine und der Höhe des
Oxydationskoeffizienten nicht erkennen.
M. Mansfeld 8 ) schließt aus seinen Versuchen, daß die Bdelbranntweine meist mehr
höhere Alkohle als Ester haben. G. Kaliaudjeff") fand bei jungen Branntweinen den
Oxydationskoeffizienten zu 29,9—56,1, also viel höher als Lusson. Vergleicht man die
in der Literatur vorliegenden Untersuchungen von Weinbranntweinen, so findet man einer
seits einige, die die Grenzzahlen der französischen Chemiker nicht erreichen, also eines
Zusatzes von Sprit verdächtig wären, andererseits zahlreiche Branntweine, deren Gehalt
x ) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Genußmittel 1904, 8, 465.
2 ) Compt. rend. 1897, 124, 829.
8 ) Ch. Girard und L. Cuniasse, Manuel pratique de l’analyse des alcools et des
spiritueux. Paris 1899. Masson et Cie.
4 ) Bull. soc. chim, 1888 [2], 50, 167.
б ) Compt. rend. 1897, 124, 829; Annal. chim. analyt. 1897, 2, 308.
°) Forschungsberichte über Lebensmittel 1897, 4, 362.
7 ) Zeitschr. f. Untersuchung d. Nahrungs- u. Qenußmittel 1903, 6, 97,
8 ) Österr. Chem.-Ztg. 1898, 1, 166.
9 ) Ebenda, 1901, 4, 57.