Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

778 
Obst- und Beerenfrüchte sowie deren Erzeugnisse. 
20. Bestimmung des Gerbstoffes. 
a) Schätzung des Gerbstoffgehaltes. „In 100 ccm von Kohlensäure befreitem 
Weine werden die freien Säuren mit einer titrierten Alkalilösung 
bis auf 0,5 g in 100 ccm Wein abgestumpft, sofern die Bestimmung 
nach II. No. 6 einen höheren Betrag ergehen hat. Nach Zugabe 
von 1 ccm einer 40 # / 0 -igen Natriumaoetatlösung läßt man eine 
: 10 °/ 0 -ige Eisenchloridlösung tropfenweise so lange hinzufließen, bis 
kein Niederschlag mehr entsteht. Ein Tropfen der 10 °/ 0 -igen 
Eisenchloridlösung genügt zur Ausfällung von 0,06 g Gerbstoff, 
j b) Bestimmung des Gerbstoffgehaltes. Die Bestimmung 
des Gerbstoffes kann nach einem der üblichen Verfahren erfolgen; 
I das angewandte Verfahren ist in jedem Falle anzugeben.“ 
i Anmerkung des Verfassers: 
1. Zur annähernden quantitativen Bestimmung des Gerb- 
I Stoffes im Wein kann das Verfahren von J. Neßler und M. Barth 1 ) 
I dienen, welches auf der Messung des Volumens des schwarzen 
i Niederschlages von gerbsaurem Eisenoxyd in eigens für diesen 
Zweck konstruierten, kalibrierten Röhrchen beruht, welche in ihrem 
■ unteren Teil verengt und in Zehntelkubikzentimeter geteilt sind 
(vergl. Eig. 298). Setzt sich der Niederschlag ab, dann sind je 
3 3 ccm Niederschlag nach 24 Stunden annähernd entsprechend 0,10 °/ 0 
Fig. 298. Gerbstoff. 
c./f 8 «*?" 1 fur Demnach läßt sich für die annähernde Ermittelung des 
Gerbstoff-Bestimmungen. b 
*/, natürl. Größe. üerbstofigehaltes aus der Menge des nach 24 Stunden abgesetzten 
Eisenuiederschlages folgende Tabelle zusammeustellen: 2 ) 
ccm Niederschlag 
nach 24 Stunden 
Gerbstoffgehalt des 
Weines 
01 
Io 
ccm Niederschlag 
nach 24 Stunden 
Gerbstoffgehalt des 
Weines 
0' 
10 
0,1 
0,003 
1,0 
0,033 
0,2 
0,007 
2,0 
0,066 
0,3 
0,010 
3,0 
0,10 
0,4 
0,013 
4,0 
0,13 
0,5 
0,017 
5,0 
0,17 
0,6 
0,020 
6,0 
0,20 
0,7 
0,023 
9,0 
0,30 
0,8 
0,9 
0,027 
0,030 
12,0 
0,40 
Setzt sich der Niederschlag aus irgend einem Grunde nicht ab, dann ist eine Ver 
gleichsprüfung der Farbenstärke oder Undurchsichtigkeit mit Flüssigkeiten von be 
kanntem Gerbstoffgehalt vorzunehmen. In dem in Fig. 298 abgebildeten Gläschen nach 
obigem Verfahren angestellte Versuche haben nachstehende Anhaltspunkte für die Schätzung 
*) Bei manchen Weinen scheidet sich nach Barth neben der schwarzen Gerbstoff 
verbindung des Eisens ein voluminöser, gallertartig grauer Niederschlag aus; derselbe 
scheint zum Teil aus Eisenverbindungen pektinartiger Körper zu bestehen (der Phosphor 
säuregehalt des Weines allein bedingt ihn nicht), wenigstens läßt sich die Bildung dieses 
Niederschlages völlig umgehen, wenn man vorher eine Alkoholfällung in der Weise vor 
nimmt, daß man 12 ccm Wein mit 30 com Weingeist versetzt, umschüttelt, nach dem Ab 
setzen des Niederschlages 35 ccm (entsprechend 10 ccm ursprünglichem Weine) abfiltriert, 
auf etwa 6 ccm eindunstet, mit Wasser auf 10 ccm bringt und nun behandelt, wie oben 
angegeben. 
2 ) Vergl. M. Barth, Weinanalyse 1884, 29.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.