Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

Berechnung  der  gesamten  schwefligen  Säure.  Wurden  auf  50  ccm  Wein
a  ccm  1 ko  Normal-Jodlösung  verbraucht,  so  sind  enthalten:
x  =  0,00128  a  Gramm  gesamte  schweflige  Säure  (S0 2 )  in  100  ccm  Wein.
Zufolge  neuerer  Erfahrungen  ist  ein  Teil  der  schwefligen  Säure  im  Weine  an
organische  Bestandteile  gebunden,  ein  anderer  im  freien  Zustande  oder  als  Alkalibisulfit
im  Weine  vorhanden.  Die  Bestimmung  der  freien  schwefligen  Säure  geschieht  nach  folgendem
Verfahren:  Man  leitet  durch  ein  Kölbchen  von  etwa  100  ccm  Inhalt  10  Minuten  lang
Kohlensäure,  entnimmt  dann  aus  der  frisch  entkorkten  Eiasche  mit  einer  Pipette  50  ccm
Wein  und  läßt  diese  in  das  mit  Kohlensäure  gefüllte  Kölbchen  fließen.  Nach  Zusatz  von
5  ccm  verdünnter  Schwefelsäure  wird  die  Elüssigkeit  in  der  vorher  beschriebenen  Weise
mit  1 / 50  Normal-Jodlösung  titriert.
Berechnung  der  freien  schwefligen  Säure.  Wurden  auf  50  ccm  Wein
a  Kubikzentimeter  1 /s  o  Normal-Jodlösung  verbraucht,  so  sind  enthalten;
x  =  0,00128  a  Gramm  freie  schweflige  Säure  (S0 2 )  in  100  ccm  Wein.
Der  Unterschied  der  gesamten  schwefligen  Säure  und  der  freien  schwefligen  Säure
ergibt  den  Gehalt  des  Weines  an  schwefliger  Säure,  die  an  organische  Weinbestandteile
gebunden  ist.
Anmerkung  2.  Wurde  der  Gesamtgehalt  an  schwefliger  Säure  nach  dem  in  der
Anmerkung  1  beschriebenen  Verfahren  bestimmt,  so  ist  dies  anzugeben.  Es  ist  wünschenswert, ­
  daß  in  jedem  Ealle  die  freie  bezw.  die  an  organische  Bestandteile  gebundene
schweflige  Säure  bestimmt  wird.“
17.  Bestimmung  des  Saccharins  und  Nachweis  von  Dulcin.  „Man  verdampft
100  ccm  Wein  unter  Zusatz  von  ausgewaschenem,  grobem  Sande  in  einer  Porzellanschale
auf  dem  Wasserbade,  versetzt  den  Rückstand  mit  1—2  ccm  einer  30°/ 0 -igen  Phosphorsäurelösung ­
  und  zieht  ihn  unter  beständigem  Auflockern  mit  einer  Mischung  von  gleichen
Eaumteilen  Äther  und  Petroleumäther  bei  mäßiger  Wärme  aus.  Man  filtriert  die  Auszüge ­
  durch  gereinigten  Asbest  in  einen  Kolben  und  fährt  mit  dem  Ausziehen  fort,
bis  man  200—250  ccm  Eiltrat  erhalten  hat.  Hierauf  destilliert  man  den  größten  Teil
der  Äther-Petroleumäthermischung  im  Wasserbade  ab,  führt  die  rückständige  Lösung  aus
dem  Kolben  in  eine  Porzellansohale  über,  spült  den  Kolben  mit  Äther  gut  nach,  verjagt
dann  Äther  und  Petroleumäther  völlig  und  nimmt  den  Rückstand  mit  einer  verdünnten
Lösung  von  Natriumkarbonat  auf.  Man  filtriert  die  Lösung  in  eine  Platinschale,  verdampft ­
  sie  zur  Trockne,  mischt  den  Trockenrüokstand  mit  der  vier-  bis  fünffachen  Menge
festem  Natriumkarbonat  und  trägt  dieses  Gemisch  allmählich  in  schmelzenden  Kalisalpeter
ein.  Man  löst  die  weiße  Schmelze  in  Wasser,  säuert  sie  vorsichtig  (mit  aufgelegtem
Uhrglase)  in  einem  Becherglase  mit  Salzsäure  an  und  fällt  die  aus  dem  Saccharin  entstandene ­
  Schwefelsäure  mit  Chlorbaryum  in  der  unter  No.  6  vorgesohriebenen  Weise.
Berechnung.  Wurden  bei  der  Verarbeitung  von  100  ccm  Wein  a  Gramm  Baryumsulfat
  gewonnen,  so  sind  enthalten:
x  =  0,7867  a  Gramm  Saccharin  in  100  ccm  Wein.“
Anmerkung  des  Verfassers:
Bevor  man  eine  quantitative  Bestimmung  des  Saccharins  nach  vorstehendem  Verfahren, ­
  dessen  Ausführungsweise  von  Hilger  und  Spaeth  herrührt,  ausführt,  empfiehlt  es
sich,  zunächst  qualitativ  auf  das  Vorhandensein  von  Saccharin  zu  prüfen.  Dies  kann  dadurch
geschehen,  daß  man  den  nach  obigem  Verfahren  gewonnenen  Rückstand  des  Äther-Petrolätherauszuges ­
  auf  seinen  Geschmack  prüft.  Saccharin  ■—  dieselbe  Eigenschaft  zeigt  aber
auch  Dulcin  —  läßt  sich  durch  den  stark  süßen  Geschmack  noch  in  sehr  geringen  Mengen
scharf  erkennen.  Zur  Erkennung  des  Dulcins  soll  man  nach  C.  Morpurgo 1 )  den  Ätherrückstand ­
  mit  2  Tropfen  Phenol  und  2  Tropfen  konz.  Schwefelsäure  kurze  Zeit  erwärmen,
zu  der  bräunlich-roten,  sirupartigen  Elüssigkeit  einige  ccm  Wasser  hinznfügen  und  zu
dieser  Mischung,  nachdem  sie  in  ein  Reagensglas  umgefüllt  und  erkaltet  ist,  ein  wenig
Ammoniak  oder  wässerige  Natronlauge  zufließen  lassen.  Das  Erscheinen  einer  blauen  oder

L )  Chem.-Ztg.  1893,  17,  Repert.  135.
            
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