Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Obst-  und  Beerenfrüchte  sowie  deren  Erzeugnisse.

20.  Bestimmung  des  Gerbstoffes.
a)  Schätzung  des  Gerbstoffgehaltes.  „In  100  ccm  von  Kohlensäure  befreitem
Weine  werden  die  freien  Säuren  mit  einer  titrierten  Alkalilösung
bis  auf  0,5  g  in  100  ccm  Wein  abgestumpft,  sofern  die  Bestimmung
nach  II.  No.  6  einen  höheren  Betrag  ergehen  hat.  Nach  Zugabe
von  1  ccm  einer  40  # / 0 -igen  Natriumaoetatlösung  läßt  man  eine
:  10  °/ 0 -ige  Eisenchloridlösung  tropfenweise  so  lange  hinzufließen,  bis
kein  Niederschlag  mehr  entsteht.  Ein  Tropfen  der  10  °/ 0 -igen
Eisenchloridlösung  genügt  zur  Ausfällung  von  0,06  g  Gerbstoff,
j  b)  Bestimmung  des  Gerbstoffgehaltes.  Die  Bestimmung
des  Gerbstoffes  kann  nach  einem  der  üblichen  Verfahren  erfolgen;
I  das  angewandte  Verfahren  ist  in  jedem  Falle  anzugeben.“
i  Anmerkung  des  Verfassers:
1.  Zur  annähernden  quantitativen  Bestimmung  des  Gerb-I
  Stoffes  im  Wein  kann  das  Verfahren  von  J.  Neßler  und  M.  Barth 1 )
I  dienen,  welches  auf  der  Messung  des  Volumens  des  schwarzen
i  Niederschlages  von  gerbsaurem  Eisenoxyd  in  eigens  für  diesen
Zweck  konstruierten,  kalibrierten  Röhrchen  beruht,  welche  in  ihrem
■  unteren  Teil  verengt  und  in  Zehntelkubikzentimeter  geteilt  sind
(vergl.  Eig.  298).  Setzt  sich  der  Niederschlag  ab,  dann  sind  je
3  3  ccm  Niederschlag  nach  24  Stunden  annähernd  entsprechend  0,10  °/ 0
Fig.  298.  Gerbstoff.
c./f 8 «*?" 1  fur  Demnach  läßt  sich  für  die  annähernde  Ermittelung  des
Gerbstoff-Bestimmungen.  b
*/,  natürl.  Größe.  üerbstofigehaltes  aus  der  Menge  des  nach  24  Stunden  abgesetzten
Eisenuiederschlages  folgende  Tabelle  zusammeustellen: 2 )

ccm  Niederschlag
nach  24  Stunden

Gerbstoffgehalt  des
Weines
01
Io

ccm  Niederschlag
nach  24  Stunden

Gerbstoffgehalt  des
Weines
0'
10

0,1

0,003

1,0

0,033

0,2

0,007

2,0

0,066

0,3

0,010

3,0

0,10

0,4

0,013

4,0

0,13

0,5

0,017

5,0

0,17

0,6

0,020

6,0

0,20

0,7

0,023

9,0

0,30

0,8
0,9

0,027
0,030

12,0

0,40

Setzt  sich  der  Niederschlag  aus  irgend  einem  Grunde  nicht  ab,  dann  ist  eine  Vergleichsprüfung ­
  der  Farbenstärke  oder  Undurchsichtigkeit  mit  Flüssigkeiten  von  bekanntem ­
  Gerbstoffgehalt  vorzunehmen.  In  dem  in  Fig.  298  abgebildeten  Gläschen  nach
obigem  Verfahren  angestellte  Versuche  haben  nachstehende  Anhaltspunkte  für  die  Schätzung

*)  Bei  manchen  Weinen  scheidet  sich  nach  Barth  neben  der  schwarzen  Gerbstoffverbindung ­
  des  Eisens  ein  voluminöser,  gallertartig  grauer  Niederschlag  aus;  derselbe
scheint  zum  Teil  aus  Eisenverbindungen  pektinartiger  Körper  zu  bestehen  (der  Phosphorsäuregehalt ­
  des  Weines  allein  bedingt  ihn  nicht),  wenigstens  läßt  sich  die  Bildung  dieses
Niederschlages  völlig  umgehen,  wenn  man  vorher  eine  Alkoholfällung  in  der  Weise  vornimmt, ­
  daß  man  12  ccm  Wein  mit  30  com  Weingeist  versetzt,  umschüttelt,  nach  dem  Absetzen ­
  des  Niederschlages  35  ccm  (entsprechend  10  ccm  ursprünglichem  Weine)  abfiltriert,
auf  etwa  6  ccm  eindunstet,  mit  Wasser  auf  10  ccm  bringt  und  nun  behandelt,  wie  oben
angegeben.
2 )  Vergl.  M.  Barth,  Weinanalyse  1884,  29.
            
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