Full text: Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Wein. 
779 
des Gerbstoffgehaltes ergeben. Die Eisenniedersohläge wurden durch Aufschütteln gleich 
mäßig in der Flüssigkeit verteilt und es zeigten sich: 
bei 0,05 °/ 0 Gerbstoffgehalt die oberen 18 mm dicken Plüssigkeitsschichten völlig undurch 
sichtig, die unteren 8 mm dicken Flüssigkeitsschichten nur äußerst schwach 
durchscheinend; 
„ 0,02 „ Gerbstoff obere Schichten durchscheinend, untere durchsichtig; 
„ 0,01 „ obere und untere Schichten deutlich durchsichtig; die Flüssigkeit dunkelblaugrau; 
„ 0,005 „ die Flüssigkeit lichtblaugrau; 
„ 0,002 „ „ „ noch deutlich grünlichgelb; 
„ 0,001 „ „ „ sehr schwach grünlichgelb. 
Weine mit mehr als 0,05 °/ 0 Gerbstoff, bei denen sich die Gerbstoffniederschläge nach 
24 Stunden nicht völlig absetzen, sind mit gemessenen Mengen Wasser so weit zu ver 
dünnen, bis ihr Gerbstoffgehalt innerhalb der aufgeftihrten Zahlenwerte liegt. 
Bei Rotweinen mit hohem Gerbstoffgehalt führt man die Fällung des Gerbstoffes als 
Eisenoxydsalz am besten zunächst in graduierten Zylindern zu 25 ccm aus, erleichtert das 
Absetzen des Niederschlages alsbald durch Verdünnen von 11 auf 22 ccm, und erst, wenn 
er sich auch dann nicht absetzen mag, nimmt man mit dem entsprechend verdünnten 
Wein eine kolorimetrische oder opakimetrische Yergleichsprüfung in dem oben beschriebenen 
Gläschen vor. 
Genauere Ergebnisse erhält man nach dem Oxydationsverfahren von Neubauer- 
Loewenthal 1 ), bei welchem die Gerb- und Farbstoffe des Weines in der Kälte durch 
Kaliumpermanganat in schwefelsaurer Lösung oxydiert werden. 
Bezüglich der Ausführung dieser sowie anderer Verfahren zur Qerbstoffbestimmung 
im Wein muß auf die Quellen oder auf die ausführlicheren Werke, wie des Verfassers 
Chemie der menschlichen Nahrungs- und Genußmittel, Berlin bei Julius Springer, oder 
K. Windisch (1, c. S. 165ff.) verwiesen werden (vergl. auch S. 715). 
2. Nach M. Barth 1 2 ) enthalten Tresterweine verhältnismäßig mehr Gerbsäure 
als Traubenweine, welche den Extraktgehalt einseitig und unzulässig erhöht. Die Trester 
extraktbestandteile entsprechen mindestens dem 5-fachen Betrage der aus den Trestern in 
Lösung gehenden Qerbstoffmenge, Barth forderte daher (1899), daß bei solchen Weinen, 
die im Wege einer normalen Kellerbehandlung einen Teil ihres Extraktes der Auslaugung 
von Trester verdanken, nach Abzug der 5-fachen Menge des Gerbstoffgehaltes vom Ge 
samtextrakt noch ein Rest verbleiben muß, welcher der Forderung der Bekanntmachung 
des Bundesrates vom 29. April 1892 entspricht, also 1,5 g Extraktrest zeigt; verbleibt 
nach Abzug der 5-fachen Menge des Gerbstoffgehaltes vom Gesamtextrakt weniger als 
1,5 g Extraktrest, so liegen Tresterweine bezw. Gemische von diesen mit Traubenweinen 
vor. Dieser Vorschlag M. Barths scheint, abgesehen davon, daß die Grenze für den 
Extrakt jetzt 1,6 g in 100 ccm beträgt, bis jetzt keine allgemeine Berücksichtigung gefunden 
zu haben. 
21. Bestimmung des Chlors. „Man läßt 50 ccm Wein aus einer Pipette in ein 
Becherglas fließen, macht ihn mit einer Lösung von Natriumkarbonat alkalisch und er 
wärmt das Gemisch mit aufgedecktem Uhrglase bis zum Aufhören der Kohlensäure 
entwickelung. Den Inhalt des Becherglases bringt man in eine Platinschale, dampft ihn 
ein, verkohlt den Rückstand und verascht genau in der bei der Bestimmung der Mineral 
bestandteile (No. 4) angegebenen Weise. Die Asche wird mit einem Tropfen Salpetersäure 
befeuchtet, mit warmem Wasser ausgezogen, die Lösung in ein Beoherglas filtriert und 
unter Umrnhren so lange mit Silbernitratlösung (1 Teil Silbernitrat in 20 Teilen Wasser 
gelöst) versetzt, als noch ein Niederschlag entsteht. Man erhitzt das Gemisch kurze Zeit 
im Wasserbade, läßt es an einem dunklen Orte erkalten, sammelt den Niederschlag auf 
einem Filter von bekanntem Aschengehalte, wäscht denselben mit heißem Wasser bis zum 
Verschwinden der sauren Reaktion aus und trocknet den Niederschlag auf dem Filter bei 
100°. Das Filter wird in einem gewogenen Porzellantiegel mit Deckel verbrannt. Nach 
1 ) Annal. Oenol. 1873, 2, 1. 
2 ) Zeitsohr. f. Untersuchung d. Nahrungs- und Genußmittel 1899, 2, 106.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.