Chemische Untersuchung. 819
Zur quantitativen Bestimmung der freien Kohlensäure’pipettiert H. Trillich
1 ) 100 ccm Wasser in ein Erlenmeyer-Kölhchen, setzt 10 Tropfen Phenolphthaleinlösung
zu und titriert nun über weißem Papier mit 1 ho Normal-Natronlauge, bis
die Flüssigkeit deutlich rot bleibt. Der Versuch ist zu wiederholen, indem man
die erst ermittelte Laugenmenge nahezu auf einmal zusetzt und dann unter TJmschütteln
fertig titriert. Na OH + C0 2 = NaHCO g .
1 ccm 1 / 10 Normal-Natronlauge = 4,4 mg Kohlensäure.
b) Bestimmung der halbgebundenen und freien Kohlensäure zusammen.
Man verfährt nach dem v. Pettenkoferschen Verfahren in der von
Trillich 1 ) angegebenen Abänderung, indem man die freie + halbgebundene Kohlensäure
mit Barythydrat ausfällt, worauf man den Uberschuß an Barythydrat zurücktitriert.
Man benötigt:
1. Barytwasser von der Zusammensetzung desjenigen zur Kohlensäurebestimmung in
der Luft (3,5 g in 1 1 gelöst und absitzen gelassen),
2. Baryumohloridlösung 1:10, ganz neutral,
3. Salzsäure, wovon 1 ccm = 1 mg Kohlensäure entspricht. Man verdünnt 7 com Salzsäure
von 1,124 spezifischem Gewicht auf 1 1 Wasser so, daß 22 ccm der Säure
10 ccm 1 / 10 Normal-Natronlauge neutralisieren,
4. die Indikatorlösungen von Phenolphthalein, Cochenille oder Methylorange.
Man bringt in ein Absetzglas von 200 ccm Inhalt, das mit Kautschukstopfen
verschließbar ist, mittels Pipetten:
100 ccm Wasser,
45 ccm Barytwasser,
5 ccm Baryumohloridlösung,
im ganzen also 150 ccm, schüttelt gut durch und läßt 12 Stunden ruhig stehen.
Durch den Zusatz des Barytwassers wird:
a) die im Wasser enthaltene freie und halbgebundene Kohlensäure zu unlöslichem
Baryumkarbonat gebunden;
b) das im Wasser mittels halbgebundener Kohlensäure gelöste Calciumkarbonat
seines Lösungsmittels (durch den Vorgang a) beraubt und daher ebenfalls
unlöslich;
c) im Wasser enthaltenes Alkalikarbonat mit dem Baryumchlorid in Alkalichlorid
und unlösliches Baryumkarbonat umgesetzt;
d) alle im Wasser enthaltene Magnesia als Magnesiumhydroxyd gefällt, einschließlich
des Magnesiumkarbonates, das sich mit dem Baryumchlorid umsetzt in
unlösliches Baryumkarbonat und lösliches Magnesiumchlorid, das sofort wieder
als Magnesiumhydroxyd gefällt wird;
e) alle Schwefelsäure an Baryt gebunden und an dessen Stelle die äquivalente
Menge der mit Schwefelsäure verbundenen Basen treten.
Während des Absitzens stellt man den Titer des Barytwassers fest, indem man
100 com destilliertes kohlensäurefreies (ausgekochtes) Wasser,
45 com Barytwasser,
5 ccm Baryumohloridlösung
gut mischt, hiervon mit einer Pipette 50 ccm = 1 / 8 der Gesamtflüssigkeit entnimmt,
in einem Kölbchen mit einigen Tropfen Phenolphthaleinlösung versetzt und aus einer
x ) H. Trillich, Die Münchener Hochquellenleitung aus dem Mangfallthale. München,
M. Riegersohe Univ.-Buohhandlung, 1890, II. Teil, 63 u. f., und Emmerich und Trillich,
Anleitung zu hygienischen Untersuchungen. München 1892, 116.
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