Chemische Untersuchung.
821
Am besten verfährt man jedoch in folgender Weise: 250 ccm des zu untersuchenden
und in einen 1 / 2 1-Kochkolben gebrachten Wassers werden mit 250 ccm 1 )
gesättigtem und filtriertem Kalkwasser, dem man etwas Calciumchlorid zugesetzt hat,
versetzt. Das gesättigte Kalkwasser stellt man so her, daß man reinen, gebrannten
Kalk auf dem Wasserbade löscht und die Kalkmilch mit kaltem Wasser verdünnt,
so daß noch ungelöstes Calciumhydroxyd zurückbleibt. Dieses Kalkwasser filtriert
man durch ein Faltenfilter direkt in den 500 ccm-Kolben bis zur Marke. Nach
öfterem Umschtitteln läßt man stehen, bis der anfänglich flockige Niederschlag sich
körnig abgeschieden hat, filtriert dann rasch durch ein Faltenfilter, gibt dieses, ohne
auszuwaschen, in den Kolben zurück und schaltet letzteren in den vorher bis auf
den Kolben zusammengestellten Kohlensäurebestimmungsapparat ein. Durch Zugabe
von Salzsäure wird die Kohlensäure frei gemacht, in einem Liebigschen Kaliapparat
aufgefangen und gewogen.
Anmerkung. Den Apparat zur Kohlensäurebestimmung stellt man sich in derselben
Weise wie bei einer Elementaranalyse zusammen. Der Kolben, in welchem die Zersetzung des
Calciumkarbonats stattfindet, trägt einen doppelt durchbohrten Kautschukstopfen. ln der einen
Bohrung steckt ein kugelförmiges Trichterrohr für die Salzsäure. Letzteres ist wieder mit
einem rechtwinklig gebogenen Glasröhrehen verschlossen und dieses mittels Gummisohl auch es
mit einem Kaliapparat in Verbindung gesetzt, um beim Durchleiten von Luft die Kohlensäure
der letzteren zu absorbieren. In der zweiten Bohrung steckt ein rechtwinklig gebogenes
Glasrohr, an welches sich U-Eöhren: 1. mit wenig Chlorcalcium, bloß im Bug,
2. ganz mit Chloroalcium gefüllt, 3. mit Kupfervitriolbimsstein, 4. wieder mit Chloroalcium
gefüllt, anschließen. Köhrchen 1 hält die sich beim Versuch entwickelnden und sich wieder
verdichtenden Wasserdämpfe zurück, 2 und 4 absorbieren noch die letzten Reste Wasser, 3 hält
etwa entbundenes Salzsäuregas zurück. Das wasserfreie Calciumchlorid erhält man beim
Glühen am leichtesten neutral, wenn man der einzudampfenden Chlorcalciumlösung etwas
Salmiak hinzufügt. Kupfervitriolbimsstein bereitet man, indem man Bimssteinstückcheu in
einer konzentrierten Kupfersulfatlösung bis zum völligen Austreiben der Luft kocht, dann
trocknet und schließlich bis zur Entwässerung des aufgesogenen Kupfervitriols erhitzt.
An U-Böhre 4 schließt sich der zum Auffangen der zu bestimmenden Kohlensäure
dienende Kaliapparat (Kalilauge 1 ; 1) und an diesen, eine Waschflasche mit konzentrierter
Schwefelsäure, welche mit einem Aspirator in Verbindung steht.
11. Schwefelwasserstoff. Schwefelwasserstoff kommt in einem Brunnenwasser
wohl nur sehr selten und nur dann vor, wenn es entweder aus gipshaltigen Erdschichten,
in denen sich Eeduktionsvorgänge vollziehen, stammt, oder wenn es eine
sehr starke direkte Verunreinigung durch Fäkalstoffe oder sonstige schwefelwasserstoffhaltige
Abwässer, wie Hefenwasser usw., erfahren hat.
Uber die qualitative und quantitative Bestimmung desselben vergl. den folgenden
Abschnitt: „Untersuchung von Schmutzwasser“.
12. Phosphorsäure. Noch seltener wie Schwefelwasserstoff findet sich Phosphorsäure
in einem Wasser; ihr Vorkommen deutet wohl stets auf eine besondere
Verunreinigung des Wassers durch Abgänge aus menschlichen "Wohnungen oder
durch sonstige phosphorsäurehaltige Abwässer hin. Uber die Bestimmung derselben
vergl. den folgenden Abschnitt: „Untersuchung von Schmutzwasser“.
13. Kieselsäure. Gelöste Silikate kommen fast in jedem Wasser, aber durchweg
nur in Spuren oder nur in sehr geringen Mengen vor. Trübe Wässer enthalten
mitunter freie auf geschlämmte Kieselsäure oder Kieselsäure in Form von
Ton. Letztere werden filtriert und von dem Filtrat oder von dem natürlichen Wasser
Wenn ein Wasser, z. B. ein Mineralwasser, sehr viel Kohlensäure enthält, muß
man weniger Wasser und mehr Kalkwasser anwenden. Unter allen Umständen empfiehlt
es sich, durch Zusatz von weiteren Mengen klarem Kalkwasser zum Filtrat zu prüfen, ob
keine Fällung mehr entsteht.