Metadata : Der Wirtschaftsbetrieb im Rahmen der Gesamtwirtschaft

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3.  Die  Wirkung  der  freien  Konkurrenz.
Betrachten,  wir  von  diesem  Gesichtspunkt  aus  noch  einmal  die  geschilderte ­
  Entwicklung.  Der  große  Produktivitätsfortschritt,  den  das
Frühmittelalter  der  Arbeitsteilung  in  den  städtischen  Gewerben  und  der
verbesserten  Betriebsweise  in  der  Landwirtschaft  verdankte,  schuf  reichere
Erwerbsgelegenheit,  deren  vollkommenste  Ausnutzung  die  freie  Konkurrenz ­
  garantierte.  Daß  sie  immer  wieder  die  Preise  herabdrückte,  wirkte
wie  ein  Sporn,  jede  Chance  zu  verwerten.  Als  aber  der  Produktivitätsfortschritt ­
  nachließ,  die  weitere  Arbeitsteilung  im  Gewerbe  keinen  nennenswerten ­
  Vorteil  mehr  brachte,  und  sich  in  der  Landwirtschaft  allmählich
das  Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages  bemerkbar  machte,  da  erwies  sich
das  Herabdrücken  der  Preise  durch  die  freie  Konkurrenz  immer  häufiger
als  ein  Verlust.  Die  Produzenten  hatten  einerseits  keine  besonderen  Gewinne, ­
  wie  sie  ihnen  bisher  der  Fortschritt  zuwarf,  an  die  Allgemeinheit
abzugeben,  andererseits  boten  sich  auch  keine  neuen  Erwerbsgelegenheiten.
Abgesehen  von  den  Jahren  der  Füllernten  ,  die  in  den  lokalen  Wirtschaftseinheiten ­
  von  Zeit  zu  Zeit  eine  Belebung  brachten,  konnte  die  freie  Konkurrenz ­
  schließlich  nur  Hungerpreise  erzeugen.  Die  Regulierung  des  Wettkampfes ­
  wurde  zur  Notwendigkeit 1 ).  Stillstand  und  Rückschritt  der  Produktivität ­
  verstärkten  die  schon  vorhandene  Stabilität  der  Sitten  und  Gewohnheiten. ­
  Soweit  nicht  außergewöhnliche  Ereignisse  eingriffen,  konnte
von  Verschiebungen  zwischen  Angebot  und  Bedarf  kaum  die  Rede  sein.  So
scheint  es,  als  wenn  das  Herkommen  die  Preise  bestimme 1  2 ).
Die  geringen  Produktivitätsfortschritte,  die  auf  dem  Gebiet  des  Handels ­
  und  Verkehrs  und  der  Produktion  in  den  Jahrhunderten  der  wirtschaftlichen ­
  Gebundenheit  erzielt  wurden,  haben  zeitweise  hier  und  dort
die  Konkurrenz  neu  belebt.  Im  großen  Ganzen  war  aber  ihre  Wirkung  zu
schwach,  so  daß  sie  zu  ihrer  vollen  Ausnutzung  und  zur  Vermittlung  ihres

1 )  Daß  auch  die  Zunftorganisation  schließlich  mißbraucht  wurde,  war  eine
Folge  der  rückläufigen  Bewegung  der  Produktivität.  Das  Gesamtprodukt  nahm  im
Verhältnis  zur  Bevölkerung  ab,  auf  den  einzelnen  konnte  demnach  nur  ein  geringerer ­
  Anteil  entfallen.  Der  Versuch  der  Handwerker,  sich  mit  Hilfe  der  Zünfte
einen  größeren  Anteil  zu  sichern,  lag  nahe.
2 )  Jede  neue  Preisbildung  knüpft  an  die  bestehenden  Preise  an.  Sind  die  Schwankungen ­
  von  Angebot  und  Nachfrage  sehr  gering  oder  fallen  sie  ganz  fort,  so  ändern
sich  die  bisherigen  Preise  nicht.  Ist  der  Zustand  von  Dauer,  so  werden  die  Preise
schließlich  als  „herkömmliche"  Preise  angesprochen.  Je  länger  das  „Herkommen"
besteht,  desto  größer  ist  auch  das  Beharrungsvermögen  der  Preise  gegenüber  neuen
Schwankungen  zwischen  Angebot  und  Bedarf.  Insofern  hat  auch  das  Herkommen
einen  Einfluß  auf  die  Preisbildung.
            
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