Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

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Trinkwasser.

größerungsziffer  der  Linsen  dividiert.  Aus  dem  so  erhaltenen  Radius  des  Gesichtsfeldes ­
  berechnet  sich  dieses  nach  der  Formel  r%r.  Man  nimmt  nun  etwa  fünfzig
Zählungen  vor,  wobei  man  unter  Umständen  ein  Okularnetzmikrometer  benutzen  muß,
und  berechnet  aus  dem  erhaltenen  Mittel  der  Zählungen  die  Kolonienzahl  der  Schalen.
Die  mikroskopische  Zählung  gibt  genauere  Werte  als  die  Lupenzählung  und
gestattet  ein  schnelleres  Urteil  als  diese,  da  im  Mikroskop  schon  nach  kurzer  Zeit
Kolonien  sichtbar  werden,  die  durch  die  Lupe  erst  mehrere  Tage  später  erkennbar ­
  sind.
Um  eine  zu  schnelle  Verflüssigung  der  Gelatineplatten  zu  verhindern,  kann
man  die  verflüssigenden  Kolonien  durch  Betupfen  mit  einem  Höllensteinstift  in  der
Entwickelung  etwas  hemmen.  Die  auf  den  Platten  etwa  entstehenden  Kolonien  von
Schimmelpilzen  werden  besonders  gezählt.  Will  man,  was  unbedingt  zu  empfehlen
ist,  die  Zählplatten  schon  am  Ort  der  Probenahme  herstellen,  so  verwendet  man
hierzu  zweckmäßig  die  Gefäße  von  Eoszahegyi  (Fig.  307),  flache,  kreisrunde,  dünne
Flaschen  mit  etwas  gebogenem  Halse,  die  im  Laboratorium
mit  etwa  10  ccm  Nährgelatine  gefüllt  und  mit  einem  Wattestopfen ­
  geschlossen,  sterilisiert,  am  Ort  der  Probenahme
nach  Verflüssigung  der  Gelatine  mit  der  zu  impfenden
Wassermenge  versehen  und  nach  gründlicher  Mischung
beider  flach  hingelegt  werden.  Man  erhält  so  eine  Gelatineplatte
  innerhalb  der  Flasche.  Da  in  die  Flaschen  ein
Liniennetz  eingeätzt  ist,  so  machen  sie  die  Zählplatte  entbehrlich. ­
  In  Ermangelung  dieser  Gefäße  kann  man  die  Zählplatten ­
  auch  in  sog.  Esmarchschen  Rollröhrchen  anlegen.
Diese  sind  größere  Eeagensgläser,  in  denen  die  Gelatine
nach  der  Impfung  durch  Rollen  der  Gläser  unter  einem  kühlen  Wasserstrahl  oder
in  kalter  Luft  an  den  Wandungen  in  dünner  Schicht  zum  Erstarren  gebracht  wird.
Für  die  Auszählung  hat  man  bestimmte  Apparate,  auf  die  hier  nur  verwiesen  sei.
Die  Rollröhrchen  haben  den  Nachteil,  daß  verflüssigende  Kolonien  sie  bald  unbrauchbar
machen.  Dagegen  vermeidet  man  mit  ihnen,  wie  mit  den  Roszahegyi-Flaschen,
den  bei  dem  gewöhnlichen  Plattenverfahren  unvermeidlichen  Fehler,  der  durch  das
Zurückbleiben  eines  Teiles  der  Gelatine  in  dem  geimpften  Röhrchen  entsteht.
2.  Die  Bestimmung  der  Bakterieuarten.  Für  diesen  Zweck  sind  möglichst
dünn  besäete  Platten  nötig.  Es  ist  sehr  zu  empfehlen,  für  die  Bestimmung  der
Arten  stets  Gelatinenährböden  oder  sowohl  diese  wie  Agarnährböden  zu  verwenden,
da  die  für  die  Diagnose  der  einzelnen  Arten  sehr  wichtige  Form  der  Kolonien  oft
nur  auf  den  erstgenannten  Nährböden  hervortritt.  Die  Anlage  der  Platten  geschieht ­
  in  derselben  Weise,  wie  sie  oben  beschrieben  wurde,  nur  ist  hier  noch  mehr
als  bei  den  Zählplatten  äußerste  Sauberkeit  nötig,  um  nicht  Keime  aus  der  Umgebung ­
  des  Menschen  in  die  Kulturen  gelangen  zu  lassen,  die  zu  Fehlschlüssen
führen  können.  In  welcher  Weise  die  Diagnose  einer  Bakterienart  gestellt  werden
kann,  muß  man  aus  Sonderwerken,  insbesondere  dem  erwähnten  Handbuch  von
Mez  und  dem  Atlas  und  Grundriß  der  Bakteriologie  von  Lehmann  und  Neumann
(München  1904)  erlernen.  Es  gehört  dazu  längere  Übung  und  praktische  Erfahrung,
wenn  man  nicht  zu  Fehlschlüssen  gelangen  soll.
Für  den  leichteren  Nachweis  mancher  Leitbakterien  werden  Zusätze  zu  den
Nährböden  empfohlen.  So  kann  für  den  Nachweis  des  als  Indikator  für  Fäkalverunreinigung
  vielfach  betrachteten  Bacterium  coli  ein  von  v.  Drigalski-Conradi 1 )

Fig.  807.
Flasche  für  Bakterienkulturen. ­


*)  Zeitsohr.  f.  Hygiene  1902,  39,  283.
            
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