Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Probenahme.

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e)  Bei  einem  fließenden  Gewässer  mit  vielen  rasch  wechselnden  Zuflüssen
von  Abwässern  und  mit  vielen  Nebenflüssen,  kann  man  unter  Umständen  die  Größe  der
Verunreinigung  durch  ein  fragliches  Abwasser  auch  dadurch  finden,  daß  man  neben  der
jedesmaligen  Zusammensetzung  die  Menge  des  Wassers  sowohl  des  Flusses,  wie  der
einzelnen  Zuflüsse  bestimmt  und  hieraus  die  Größe  der  Verunreinigung  bei  Niedrig-,  Mittelund ­
  Hochwasser  berechnet.
Die  Wassermengen  können  in  vereinzelten  Fällen  dadurch  ermittelt  werden,  daß
man  einen  freien  Überfall,  über  welchen  sämtliches  Wasser  abfließt,  schafft  und  dasselbe
eine  bestimmte  Zeit  lang  in  einem  untergestellten,  ausgemessenen  Gefäß  auffängt,  oder
indem  man  Breite  und  Tiefe  der  Wassersohicht  des  senkrechten  Überfalles  —  nachdem  dieser
konstant  geworden  ist  —  mißt  und  die  Menge  des  Wassers  (Q)  nach  der  Formel  berechnet:
Q  =*  Qi  +  Q2
oder  Q  =  b 2 / 3 ^v/2g[(h  +  k)  ä / 3  k  2 / 3 ]  +  /i  b  ff,  y/  2g  (h  +  k)  %
worin  fi  =  Eeibungs-Koeffizient  von  0,5—0,8,
b  =  Breite  des  Überfalles,
\l  2  g  =  Fallgeschwindigkeit  nach  der  ersten  Sekunde,
h  =  Höhe  des  vollkommenen  Überfalles  oder  Differenz  zwischen  ruhigem  Oberund ­
  Unterwasser,
hj  =  Höhe  des  unvollkommenen  Teiles  des  Überfalles,
k  =  Geschwindigkeitshöhe  bezw.  die  der  ankommenden  Geschwindigkeit  entsprechende ­
  Druokhöhe  bedeutet.
Wenn  der  Überfall  ein  vollkommener  ist,  oder  wenn  das  Unterwasser  niedriger  steht
als  die  Wehrkurve,  dann  geht  der  2.  Teil  der  Gleichung  Q 3  in  Q  über  und  es  bleibt  dann
nur  der  erste  Teil  der  Formel
Bei  größeren  Wasserläufen  berechnet  man  die  Menge  des  Wassers  mit  Hilfe  des
Woltmansehen  Flügels.
Es  empfiehlt  sich,  die  Wassermengen  tunlichst  stets  von  einem  Hydroteohniker
  feststellen  zu  lassen.
f)  Unter  Umständen  —  besonders  bei  Verunreinigungen  durch  Metallverbindungen  —
gibt  der  Schlamm  oder  der  auf  Steinen  oder  Pflanzen  haftende  Überzug
Aufschluß  über  die  Ursache  und  Quelle  der  Schädigung.
g)  In  anderen  Fällen  können  die  beschädigten  Pflanzen  oder  Bäume  oder  die  verendeten ­
  Fische  den  Beweis  der  schädigenden  4  Ursache  erbringen.
h)  Wiederum  in  anderen  Fällen  ist  die  Fauna  und  Flora  der  Gewässer  in  Betracht
zu  ziehen  (vergl.  weiter  unten).
8.  Vorprüfungen  an  Ort  und  Stelle.  Als  Vorprüfungen  sind  an  Ort  und
Stelle  auszuführen:
a)  Die  Feststellung  des  äußeren  Ansehens  des  Wassers;  ob  es  hell  und  klar
oder  ob  gefärbt  und  wie  getrübt,  ob  weiß,  dunkel,  schwarz  usw.  getrübt  ist?
Als  einheitliches  Maß  für  den  Ausdruck  der  trüb  enBeschaffenheit  können
die  mit  dem  unten  beschriebenen  Diaphanometer  ermittelten  Werte  dienen.
Man  darf  sich  aber  nicht  von  dem  bloßen  Aussehen  bei  der  Beurteilung  der  wirklichen ­
  Reinheit  oder  Unreinheit  eines  Wassers  leiten  lassen;  denn  ein  hell  und  klar  aussehendes ­
  Wasser  kann  unter  Umständen  von  schädlicherer  Beschaffenheit  sein  als  ein  trübe
aussehendes  Wasser.  Auch  kann  ein  an  sich  klares  Wasser  in  einem  schwarz-schlammigen
Flußbett  schmutzig  erscheinen,  ohne  wesentlich  verunreinigt  zu  sein.  Die  Frage  der
Schädlichkeit  der  trüben  Beschaffenheit  eines  Wassers  hängt  ganz  von  der  Art  der
Schwebestoffe  und  davon  ab,  ob  die  trübe  Beschaffenheit  derart  ist,  daß  durch  sie  infolge
Lichtabhaltung  die  Flora  und  damit  auch  die  Fauna  bezw.  die  Fischzucht  geschädigt  wird.
b)  Die  P  e  s  t  s  t  e  11  u  n  g  d  e  s  Geruches,  ob  nach  Schwefelwasserstoff,  Ammon  iak,  Rübenwasser,
  Hefenwasser  usw.  Zur  sicheren  Erkennung  des  Schwefelwasserstoffs  hält  man  einen
mit  Bleiessig  oder  mit  einer  alkalischen  Bleiessiglösung  getränkten  Streifen  Papier  in  die
mit  Wasser  gefüllte  Flasche  und  läßt  diesen  nötigenfalls  einige  Zeit  unter  Bedecken  der  Flasche
darin  hängen.  Ebenso  kann  zum  weiteren  qualitativen  Nachweis  von  Ammoniak  Neßlersches
  Reagens  dienen,  welches  zu  dem  alkalisch  gemachten  filtrierten  Wasser  zugesetzt  wird.
            
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