Full text : Die Untersuchung landwirtschaftlich und gewerblich wichtiger Stoffe

Darstellung  der  Lösungen  der  Reagenzien.

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Man  erwärmt  die  Lösungen  des  kohlensauren  Natriums,  setzt  Kongorotoder ­
  Cochenillelösung  oder  Lackmustinktur  zu  und  fügt  aus  der  Bürette  in  kleinen
Teilen  unter  Umschwenken  soviel  von  der  Säure  zu,  daß  die  Flüssigkeit  rötlichgelblich ­
  bezw.  rötlich-violett  geworden  ist.
Man  erhitzt  sodann  zum  gelinden  Sieden  und  erhält  eine  Zeitlang  darin.  Die
Flüssigkeit  wird  hierbei  in  dem  Maße,  als  die  freie  Kohlensäure  entweicht,  rot  bezw.
bei  Anwendung  von  Lackmustinktur  wieder  blau.  Man  läßt  weitere  Säure  zufließen,
bis  auch  nach  etwa  5  Minuten  langem  Kochen  die  Flüssigkeit  deutlich  gelb  bezw.
gelbrot  bleibt,  und  läßt  alsdann  aus  der  Laugenhlirette  so  viel  Natronlauge  vorsichtig
zutropfen,  bis  die  Flüssigkeit  eben  hellrot  bezw.  blau  erscheint.  Nach  einigen
Minuten  liest  man  den  Flüssigkeitsstand  in  beiden  Büretten  ah,  berechnet  aus  der
verbrauchten  Lauge  nach  dem  oben  gefundenen  Verhältnisse  die  überschüssig  zugesetzte ­
  Säure,  zieht  diese  von  der  im  ganzen  verbrauchten  Menge  Säure  ah  und
erhält  so  die  Menge,  welche  zur  Sättigung  der  abgewogenen  Menge  des  kohlensauren
Natriums  gedient  hat,  und  damit  auch  den  genauen  Gehalt  der  darin  enthaltenen
Säure;  denn  1  Äquivalent  kohlensaures  Natrium  oder  53,05  g  desselben  entsprechen
1  Äquivalent  Säure,  also  40  g  bezw.  40,03  g  Schwefelsäure  oder  36,458  g  Salzsäure ­
  usw.
F.  Mach 1 )  verfährt  in  der  Weise,  daß  er  reinstes,  wasserfreies  Natriumkarbonat ­
  2-mal  umkristallisiert,  von  dem  gereinigten  Salz  eine  kalt  gesättigte  Lösung
herstellt  und  aus  dieser  Lösung  durch  Einleiten  von  durch  Soda  gewaschener  Kohlensäure ­
  das  Karbonat  als  Natriumbikarhonat  ausfällt.  Hiervon  werden  0,6—0,7  g
in  einem  mit  Deckel  versehenen  Platintiegel  abgewogen,  durch  vorsichtiges  Erwärmen
zunächst  entwässert  und  sodann  1 / 2  Stunde  auf  einer  ganz  kleinen  Flamme,  wobei
der  Boden  des  Tiegels  nicht  zum  Glühen  kommen  darf,  erhitzt.  Nach  dem  Erkalten
wird  gewogen  und  dann  das  Erhitzen  nochmals  1 / 2  Stunde  fortgesetzt,  wobei  das
Gewicht  sich  äußerst  selten  um  mehr  als  0,1  mg  verringert.  Das  Karbonat  wird
sodann  mit  warmem  Wasser  in  einen  Erlenmeyer-Kolhen  gespült,  mit  20  ccm  einzustellender ­
  Säure  versetzt,  die  Kohlensäure  auf  dem  siedenden  Wasserhade  verjagt
und  wie  oben  angegeben  ist,  verfahren.
Beispiel:  Angenommen,  es  sei  gefunden,  daß  20  ccm  der  Säure  =  19,6  ccm
Natronlauge  entsprechen;  zu  1,2  g  kohlensaurem  Natrium  seien  verbraucht  22  ccm
Säure  und  zum  Zurücktitrieren  der  überschüssig  zugesetzten  Säure  1,2  ccm  Natronlauge; ­
  da  20,0  ccm  Säure  =  19,5  ccm  Natronlauge  sind,  so  entsprechen  1,2  ccm
Lauge  =  1,23  ccm  Säure.  Zur  Sättigung  des  kohlensauren  Natriums  sind  somit
verbraucht  22—1,23  =  20,77  ccm  Säure.
Diese  enthalten  also  die  den  1,2  g  verwendeten  kohlensauren  Natriums
äquivalente  Menge  Schwefelsäure  oder  Salzsäure  usw.,  welche  hei  ersterer,  berechnet
aus  dem  Ansätze:
53,05  ;  40,03  =  1,2  :  x,
zu  0,90543  g  Schwefelsäure  sich  ergibt;  hei  letzterer,  aus  dem  Ansätze:
53,05  :  36,468  =  1,2  :  x,
zu  0,82469  g  Salzsäure.
Da  diese  Mengen  in  20,77  ccm  enthalten  sind,  so  ergibt  sich  für  1000  ccm
ein  Gehalt  von  43,5931  g  Schwefelsäure  oder  39,7058  g  Salzsäure.
Differiert  der  Säuregehalt  aus  den  beiden  Bestimmungen  um  nicht  mehr  als
0,1  g  auf  1000  ccm  berechnet,  so  wird  das  Mittel  aus  beiden  Bestimmungen  als
richtig  angenommen.  Ist  die  Differenz  jedoch  größer,  so  muß  noch  eine  dritte
Bestimmung  ausgeführt  werden.

M  Landw.  Versuchs-Stationen  1905,  63,  71.
            
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