75
gewesen sein. Lange freilich kann dieses Verhältnis nicht gedauert haben;
denn bereits der Anzeiger von 1816 ‘) klagt über die hohen Preise der
Eichenrinde in Frankreich und England, in den 20 er Jahren des 19.
Jahrhunderts vermindert sich die Ausfuhr der Borke aus Deutschland
nach England 2 ), welche früher in großen Mengen über Holland nach
England eingeführt zu werden pflegte 3 ), wir hören, „daß der Lohertrag
unserer Wälder mit dem zunehmenden Lohbedarf nicht gleichen Schritt
halten kann"), der Zollverein legt beim Ausgang (!) von Holzborke
oder Gerberlohe auf diese einen Abgabesatz von 1 Taler 20 Silbergroschen
3 ), nach dem amtlichen Berichte über die Londoner Weltausstellung
von 1851 wird zwar im zollvereinten und nördlichen Deutschland
hauptsächlich noch Eichenrinde angewandt, während man in Thüringen
und Österreich bereits Fichtenlohe und Knoppern für den gleichen Zweck
benützt hat"), aber es wird an der gleichen Stelle auch der Wunsch
ausgesprochen, es möge der Erzeugung junger Eichenlohe durch Anlegung
von Lohhecken und Lohschlägen größere Aufmerksamkeit geschenkt werden,
damit dieser unersetzliche Gerbstoff in reicherem Maße als bisher erzeugt
werde'). Es hat in der Folge der Eichenschälwald dem Bedarf
immer weniger genügt, in den Fachzeitschriften findet man über dieses
Gebiet eine ungeheure Litteratur, und die besten Zusammenstellungen
über die Leistungsfähigkeit unseres Eichenschälwaldes findet man bei
Jentsch 8 ).
So war man also doch wieder vor das Problem gestellt, genügende
Gerbematerialien zu beschaffen, und man hatte dieses Problem auf Grund
vertiefter wirtschaftsgeographischer Kenntnisse und besserer Verkehrsverhältnisse
in der Einfuhr überseeischer Gerbstoffe gelöst. Man hatte
gefunden, daß die tropische Wirtschaftszone, welcher ja das Dividivi
und die Myrobalanen entstammten, nur verhältnismäßig arm an solchen
Substanzen ist"), während die subtropische, also auch für den Verkehr
zweckmäßiger gelegene, sich reichlichen Gerbstoffbesitzes erfreut 10 ); so hatte
denn England schon in den 20 er Jahren, als die deutsche Borkeneinfuhr
nachließ, diese Lücke durch Valonea ausgefüllt"), es wurden in
der Folge immer mehr solcher Gerbstoffe eingeführt, die Weltausstellung
von 1851 wies bereits mehrere solcher Substanzen auf, und heute läßt
sich deren Zahl kaum mehr überblicken und ist täglich wachsend 12 ). ^
') Anzeiger 1816, S. b18.
! ) Gülich 1830, Bd. IV, S. 392. ») Gülich 1830, Bd. III, S. 206.
*) Gall 1824, S. 24 Anm. °) Vgl. Dieterici 1838.
°) A. London 1851, Bd. I. S. 422. ’) Ebenda 420.
*) Jentsch 1906 und früher; vgl. auch Scherzer 1885, S. 268.
») Friedrich 1912, S. 56. >») Friedrich 1912, S. 62.
»■) Gülich 1830, Bd. IV, S. 392.
**) Vgl. Dämmer 1911, Bd. III, S. 922, 938.