Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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gewesen  sein.  Lange  freilich  kann  dieses  Verhältnis  nicht  gedauert  haben;
denn  bereits  der  Anzeiger  von  1816  ‘)  klagt  über  die  hohen  Preise  der
Eichenrinde  in  Frankreich  und  England,  in  den  20  er  Jahren  des  19.
Jahrhunderts  vermindert  sich  die  Ausfuhr  der  Borke  aus  Deutschland
nach  England  2 ),  welche  früher  in  großen  Mengen  über  Holland  nach
England  eingeführt  zu  werden  pflegte 3 ),  wir  hören,  „daß  der  Lohertrag
unserer  Wälder  mit  dem  zunehmenden  Lohbedarf  nicht  gleichen  Schritt
halten  kann"),  der  Zollverein  legt  beim  Ausgang  (!)  von  Holzborke
oder  Gerberlohe  auf  diese  einen  Abgabesatz  von  1  Taler  20  Silbergroschen ­
 3 ),  nach  dem  amtlichen  Berichte  über  die  Londoner  Weltausstellung ­
  von  1851  wird  zwar  im  zollvereinten  und  nördlichen  Deutschland ­
  hauptsächlich  noch  Eichenrinde  angewandt,  während  man  in  Thüringen
und  Österreich  bereits  Fichtenlohe  und  Knoppern  für  den  gleichen  Zweck
benützt  hat"),  aber  es  wird  an  der  gleichen  Stelle  auch  der  Wunsch
ausgesprochen,  es  möge  der  Erzeugung  junger  Eichenlohe  durch  Anlegung
von  Lohhecken  und  Lohschlägen  größere  Aufmerksamkeit  geschenkt  werden,
damit  dieser  unersetzliche  Gerbstoff  in  reicherem  Maße  als  bisher  erzeugt ­
  werde').  Es  hat  in  der  Folge  der  Eichenschälwald  dem  Bedarf
immer  weniger  genügt,  in  den  Fachzeitschriften  findet  man  über  dieses
Gebiet  eine  ungeheure  Litteratur,  und  die  besten  Zusammenstellungen
über  die  Leistungsfähigkeit  unseres  Eichenschälwaldes  findet  man  bei
Jentsch 8 ).
So  war  man  also  doch  wieder  vor  das  Problem  gestellt,  genügende
Gerbematerialien  zu  beschaffen,  und  man  hatte  dieses  Problem  auf  Grund
vertiefter  wirtschaftsgeographischer  Kenntnisse  und  besserer  Verkehrsverhältnisse ­
  in  der  Einfuhr  überseeischer  Gerbstoffe  gelöst.  Man  hatte
gefunden,  daß  die  tropische  Wirtschaftszone,  welcher  ja  das  Dividivi
und  die  Myrobalanen  entstammten,  nur  verhältnismäßig  arm  an  solchen
Substanzen  ist"),  während  die  subtropische,  also  auch  für  den  Verkehr
zweckmäßiger  gelegene,  sich  reichlichen  Gerbstoffbesitzes  erfreut  10 );  so  hatte
denn  England  schon  in  den  20  er  Jahren,  als  die  deutsche  Borkeneinfuhr ­
  nachließ,  diese  Lücke  durch  Valonea  ausgefüllt"),  es  wurden  in
der  Folge  immer  mehr  solcher  Gerbstoffe  eingeführt,  die  Weltausstellung
von  1851  wies  bereits  mehrere  solcher  Substanzen  auf,  und  heute  läßt
sich  deren  Zahl  kaum  mehr  überblicken  und  ist  täglich  wachsend  12 ).  ^
')  Anzeiger  1816,  S.  b18.
! )  Gülich  1830,  Bd.  IV,  S.  392.  »)  Gülich  1830,  Bd.  III,  S.  206.
*)  Gall  1824,  S.  24  Anm.  °)  Vgl.  Dieterici  1838.
°)  A.  London  1851,  Bd.  I.  S.  422.  ’)  Ebenda  420.
*)  Jentsch  1906  und  früher;  vgl.  auch  Scherzer  1885,  S.  268.
»)  Friedrich  1912,  S.  56.  >»)  Friedrich  1912,  S.  62.
»■)  Gülich  1830,  Bd.  IV,  S.  392.
**)  Vgl.  Dämmer  1911,  Bd.  III,  S.  922,  938.
            
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