Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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verschiedenen  Gerbstoffen  einem  Leder  die  Eigenschaften  zu  erteilen  sucht,
welche  ein  einziger  Gerbstoff  nicht  liefert.  Die  Kombinationen  sind
häufig  mineralisch-vegetabilische,  sehr  häufig  gesellt  sich  zu  ihnen  noch
eine  Fettgerbung.  Es  ist  für  unsere  Zwecke  hier  wichtig  zu  konstatieren,
daß  es  bis  jetzt  nicht  gelungen  ist,  Chrom  und  Eigelb  gleichzeitig  zusammen ­
  zu  gerben  x ),  doch  hilft  mau  sich  hier,  indem  man  z.  B.  die
Gerbungen  nacheinander  ausführt  oder  überhaupt  das  teuere  Eigelb
durch  Seifenlösungen,  feine  Öle  usw?)  zu  ersetzen  sucht.  Die  Zahl  der
Kombinationsgerbungen  ist  eine  sehr  große.  Schlagriemen,  Treibriemen,
Oberleder,  Nähriemen  sind  wichtige  Kombinationen,  heute  fast  alle  mit
Chrom;  Dogskin *  2  3 ),  Nappa 4 ),  Mocha 5 ),  Dongola 6 )  sind  Feinlederkombinationen, ­
  welche  häufig  für  Feinlederimitationen  oder  zum  Ersatz
der  feinen  gefärbten  alaungaren  Leder  dienen.  Weiter  gibt  es  eine
Anzahl  weiß-lohgarer  und  halbweißgarer  Verfahren,  wie  die  von
Newton,  Billwiller,  Putz'),  weiß-fettgare  Methoden,  wie  die  von  Klemm
und  Preller 3 ),  kurz  eine  Menge  Verfahren,  welche  alle  auf  die  Herstellung ­
  mehr  oder  weniger  feiner  Ledersorten  abzielen,  welche  aber
alle  gut  sortimentierte  Rohwaren  zur  Voraussetzung  guten  Gelingens
haben.
8  14.  Die  Bedeutung  der  Gerbemethoden  im  Wechsel  der  Zeit.
Welcher  Gestalt  ist  nun  das  Bild,  das  sich  uns  bietet,  wenn  wir
am  Ende  unserer  Betrachtung  über  die  Entwicklung  der  Gerbemethodeu
noch  einmal  einen  Rückblick  halten;  welches  ist  die  Stellung,  welche  die
Weißgerberei  als  reine  Produktionsmethode,  also  unabhängig  von  ihrer
Verteilung  auf  verschiedene  Gewerbe  und  unabhängig  von  ihrer  Einfügung ­
  in  verschiedene  Betriebssysteme  in  diesem  bunten  Reigen  der
Gerbemethoden  einnimmt?
Der  Bestand  der  abendländisch-mittelalterlichen  Kultur  umfaßte
neben  der  Lohgerbung,  der  Weißgerberei  und  der  Sämischgerberei  noch
die  Glacegerberei.  Während  des  ganzen  Mittelalters  stehen  diese  Methoden, ­
  die  Glacegerberei  ausgenommen,  etwa  gleichwertig  nebeneinander,
vor  allen  Dingen  aber  nahm  damals  die  Lederindustrie  überhaupt  eine
Rolle  von  anderer  Bedeutung  im  täglichen  Leben  ein,  als  dies  heute
der  Fall  ist.

tz  Schmidt  und  Wagner  1805,  S.  475.
2 )  Schmidt  und  Wagner  1905,  S.  191.
°)  Schmidt  und  Wagner  1305,  S.  276,  709.
4 )  Schmidt  und  Wagner  1905,  S.  709.
°)  Schuh  und  Leder  1903,  Nr.  15,  S.  25.
°)  Schmidt  und  Wagner  1905.  ’)  Wiener  1904,  S.  252.  9 )  Ebenda.
            
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