Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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letztere  z.  B.  im  Jahre  1049  dem  Abt  von  Casino  durch  ein  Privilegium
erlaubt  wurde  *).  Die  Fütterung  der  Panzerhandschuhe  scheint  dann
ein  eigenes  Gewerbe  herausgebildet  zu  Habens  und  unter  den  Geschenken, ­
  welche  die  mittelalterlichen  Städte  alljährlich  als  Zeichen  der
Zollfreiheit  einander  übersandten,  tritt  frühzeitig  der  häufig  sämischlederne
  Handschuh  auf.  So  schenkt  nach  einem  1387  geschlossenen  Vertrage ­
  St.  Gallen  an  Nürnberg  alljährlich  u.  a.  ein  Paar  Hirsch-  oder
geislederne  Handschuhe,  kurz  und  breit  mit  drei  Fingern  8 ),  und  Nürnberg ­
  schenkt  an  Mainz  zwei  Handschuhe  von  gelbem  Leder  ch.  Auch
weiße  Handschuhe  kommen  vor;  so  beschenken  sich  Nürnberg  und
München  1323  gegenseitig  mit  zwei  weißen  Handschuhen B ),  Trier  erhält ­
  von  Nürnberg  ein  Paar  weiße  Handschuhe  ch,  und  Straßburg  erhält ­
  zwei  weiße  linke  bis  an  den  Ellenbogen  reichende  schaflederne
Falkenhandschuhe  mit  dem  Daumen  und  zwei  Fingern  Z.  Indessen
waren  Handschuhe  ein  Artikel  mit  verhältnismäßig  geringem  Absatz
in  Frankreich  bis  in  das  17.,  in  Deutschland  bis  in  das  18.  Jahrhundert. ­
  Erst  seitdem  die  Handschuhe  unter  Ludwig  XIV.  für  ein
unentbehrliches  Kleidungsstück  eines  Menschen  von  Bildung  und  Stand
erachtet  worden  sind 8 ),  stieg  die  Nachfrage  und  damit  die  Produktion,
und  hauptsächlich  waren  es  jetzt  nicht  mehr  die  alten  sämischledernen
oder  weißledernen,  sondern  die  feinen  glacelederuen  oder  glacierten
Handschuhe,  welche  in  größeren  Mengen  getragen  wurden.  Die  Vertreibung ­
  der  Hugenotten  brachte  die  Industrie  aus  Frankreich  hauptsächlich ­
  nach  England,  Deutschland,  Österreich,  aber  was  sie  brachten,
war  doch  mehr  die  Industrie  als  die  Nachfrage  nach  ihrem  Produkt;
Mitte  des  18.  Jahrhunderts  berichtet  ein  Säckler  in  Speier,  daß  nur
sehr  wenige  sämische  Handschuhe  gekauft  werden;  manchmal  in  4  bis
5  Wochen  nur  ein  Paar,  da  nur  wenige  Leute  Handschuhe  tragen,  und
weil  die  wenigen,  so  solche  tragen,  sich  mit  glacierten  versehen  9 ).  Aber
schon  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts  scheint  das  Tragen  von  Handschuhen ­
  allgemeiner  geworden  zu  sein,  wenigstens  hören  wir  jetzt,  daß
auch  die  gemeinen  Leute  Handschuhe  aus  billigem  weißgarem  Schafleder ­
  tragen 10 ).
Wir  sehen  also,  alles  in  allem,  daß  die  Ledergewerbe  des  Mittelalters ­
  und  bis  in  das  19.  Jahrhundert  eine  im  Vergleich  mit  heutigen
Verhältnissen  viel  größere  Bedeutung  besessen  haben;  dann  aber  ergibt

')  Busch  1791,  S.  210;  Leo  Ost,  Lib.  II.  Chron.  Casin.  Kap.  82.
-)  Maier  1901,  S.  1f.  ->)  Roth  1800,  Bd.  IV,  S.  21.
9  Roth  1800,  Bd.  IV,  S.  28.  »)  Roth  1800,  Bd.  IV,  S.  30.
»)  Roth  1800,  Bd.  IV,  S.  38.  ’)  Roth  1800,  Bd.  IV,  S.  36.
8 )  Rehlen  1855,  S.  142.  »)  Speyer  1740—1754.
10 )  Krünitz  1780,  Bd.  XXI,  S.  460.
            
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