133
geben. Wir dürfen indessen annehmen, daß es die übliche gewesen ist,
und es sei besonders darauf hingewiesen, daß diese Angaben keinen
Zweifel über die Benützung eines Messers zum Schaben aufkommen
lassen können.
Die älteste Abbildung eines deutschen Jrhers aus dem Jahre 1473
findet sich in dem Buche der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung in Nürn
berg *). Es sei hier auf diese interessante Abbildung ausdrücklich hin
gewiesen, weil das sonst mit Abbildungen nicht sparsam umgehende
Prachtwerk von Jörissen diese wichtige Abbildung nicht aufgenommen
hat, wie überhaupt merkwürdigerweise jene interessanten und wertvollen
ältesten Handwerkerporträts bisher eine ihrem Werte auch nur an
nähernd entsprechende Berücksichtigung nicht gefunden haben. Jener
Jrher, Fritz Egen, welcher „am ertag nach conversio pauli", also am
26. Januar 1473 starb, steht am Schabebaum, und in der Hand hält
er das gerade Schabeeisen, welches durch seine blaue Farbe ausdrück
lich als Eisen charakterisiert ist. Daß das Schabeeisen hier gerade
gezeichnet ist, stört uns nicht weiter; denn der Krümmungsgrad der
Messer war und ist mannigfach wechselnd; man braucht bloß die Ab
bildungen im Schauplatze der Künste und Handwerke aus dem 18. Jahr
hundert zu betrachten, oder noch besser, man sucht einige ältere Werk
stätten kleiner Gerber auf, so sieht man Eisen verschiedenster Krüm
mung, wie ja auch der moderne Scherdegen nicht gebogen ist. Eine
zweite Abbildung eines Jrhers aus dem Jahre 1504 2 ) zeigt denn auch
ein sehr deutlich gebogenes Schabeeisen. Mit der Auffindung dieser
Tatsachen wird natürlich die Angabe, es sei erst im Jahre 1584 durch
zwei Deutsche oder Lothringische Gerber das Schabeeisen zum Ent
haaren der Häute aus Ungarn eingeführt worden^), hinfällig.
Dieses konkave Schabeeisen hat sich im Laufe der Zeit, wie bereits
angedeutet, differenziert, es gingen aus ihm Eisen verschiedener Krüm
mung und Eisen verschiedener Schärfe hervor, aber alle zeigen mit den
beiden endständigen Handgriffen die nahe Abstammung von der Ur
form. Schon die Piazza Z berichtet uns 1659, daß die Gerber ver
schiedene Eisen besitzen, mit welchen sie die Häute inwendig und aus
wendig reinigen; um die Wende des 17. Jahrhunderts sind die Eisen
der Weißgerber die folgenden: das Haareisen, das Schabeisen, das
Schüreisen, das Ringeisen und die Schlichtklinge 5 ), während die ganz
ähnlichen Eisen der Rotgerber, schon um die Trennung der beiden
feindlichen Handwerke auch durch die verschiedene Namengebung der
0 Mendel S. 92. 2 ) Mendel S. 119 a.
8 ) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. 56. *) Piazza 1659, S. 500.
6 ) Frisius 1708, S. 426.