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im Gebrauch befindlichen Werkzeuge anzudeuten, andere Bezeichnungen,
und die der Pergamenter wieder andere Namen führen.
Eine Entwicklung der Werkzeuge läßt sich auch in der Nacharbeit
oder Zurichterei beobachten. Sie bildete ja einen Hauptteil der primi
tiven Fellarbeit, wo durch Kneten, Reiben, Walken, Klopfen, Rollen
zwischen den Händen usw. die Steifheit des Leders beseitigt werden
sollte. Die verschiedenen Gerbemethoden Weiß, Rot und Sämisch haben
natürlich ganz verschiedene Zurichtemethoden herausgebildet; denn, um
Extreme zu wählen, das dicke, harte, hauptsächlich auf Gewicht und
Festigkeit gestimmte Sohlleder bedarf einer anderen Zurichtungsart als
das weiche zarte, zügige, geschmeidige Glaceleder. Wir betrachten im
folgenden bloß die Methoden der uns hier nahe angehenden Gerberei
abteilungen.
Bei allen diesen Ledern kommt es daraus an, die durch den Gerbe
prozeß erzeugte Steifheit zu beseitigen, was durch Brechen, Recken,
Stollen geschieht; schwerere, dickere Leder werden gereckt, feine Leder
werden gebrochen und gestollt.
Die Zurichtung der feinen weißen Leder geschah im 14. Jahrhundert
noch durch Reiben und Recken mit den Händen allein oder über einem
Seil i). Wann und woher der Stollpfahl in die Weißgerberei ein
geführt wurde, darüber habe ich nirgends Andeutungen finden können.
Frisius^) führt 1708 unter den Werkzeugen der Weißgerber den Stoll
pfahl ausdrücklich an und dieser Stollpfahl ist für das Gewerbe der
Weißgerber so charakteristisch, daß er, worüber später noch einmal zu
reden sein wird, in mehr oder weniger stilisierter Form in fast allen
Zunftsiegeln der Weißgerberhandwerke vorhanden ist. Es ist nicht un
möglich, daß auch er aus der primitiven Fellarbeit stammt, wo man
gelegentlich Schulterblätter von Tieren von sehr ähnlicher Form
und in ähnlicher Weise zum Erweichen der Felle in Anwendung findet.
Der Stollpfahl wird vielleicht am kürzesten beschrieben als ein halb
scharfer Schlichtmond, welcher auf einem etwa 60 cm hohen Gestell so
befestigt ist, daß die garen Felle, wie früher über das Seil, so hier
über die konvexe Schneide des Stollpfahles hin und her gezogen werden.
Der Stollpfahl ist auch heute noch ein Hauptwerkzeug beim Zurichten
in der Glacegerberei, aber die Arbeit am Stollpfahl ist sehr anstrengend,
weil der Arbeiter mit der ganzen Kraft der Arme und des rechten
oder linken entblößten Kniees das Fell über den Pfahl zu ziehen hat 4 ).
l ) Gerberzeitung 1867, S. 168. 2 ) Frisius 1708, S. 426.
3 ) Ledertechnische Rundschau 1912, S. 270; (Sinti 1873, Taf. II, Fig. 10
und Stolle.
*) Abbildung bei Krünitz 1795, Bd. LXYIII, Taf. 9, Fig. 4039 und Taf. 10,
Fig. 4040, E.