Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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mit  sich;  denn  man  ist  beim  Walken  auf  schönes  Wetter  angewiesen,
aber  die  Walke  lag  so  weit  entfernt,  daß  der  Gerber  bei  Einbruch
schlechten  Wetters  nicht  nach  Hause  zurückkehren  konnte,  sondern  auf
der  Walke  das  gute  Wetter  abzuwarten  hatte;  eine  solche.  Tage  und
Wochen  betragende,  Zeitversäumnis  veranlaßte  den  Sajdaer  Weißgerber
eine  im  näheren  Mortelsgrund  gelegene  Ölmühle  um  3000  Mark  zu
erwerben  und  in  dieser  Ölmühle  die  von  einem  Beutler  aus  Rübenau
stammende  Walke  unterzubringen;  die  Ölmühle  wurde  zunächst  verpachtet, ­
  schließlich  mitsamt  der  Walke  verkauft  unter  der  Bedingung,
daß  die  Walke  nicht  herausgerissen  oder  verbrannt  werden  dürfte,  solange ­
  in  Sajda  ein  Weißgerber  ansässig  sei.  Nur  dieses  auf  der
Ölmühle  zu  Mortelsgrund  ruhende  Servitut  hat  bis  jetzt  die  Walke
vor  der  Zerstörung  bewahrt;  denn  der  ausgemachte  Walkzins  von
10  Pfennigen  für  große  und  von  6  Pfennigen  für  kleine  Felle  macht
bei  dem  rapiden  Rückgang  der  Sämischgerberei  jetzt  nur  noch  6—7  Mark
jährlich  aus;  die  Walke  geht  dann  gewöhnlich  im  Juni  10—12  Tage,
und  so  ist  es  verständlich,  daß  der  Ölmüller  in  Mortelsgrund  für  den
Besuch  dieser  eigentümlichen  Kapitalsanlage  nur  geringes  Verständnis
und  Entgegenkommen  zeigt,  und  nur  auf  das  Ableben  des  Sajdaer
Weißgerbers  wartet,  um  sich  von  diesem  lästigen  Servitut  zu  befreien.
Mit  dem  Eindringen  freiheitlicher  Ideen  in  das  Gewerbe  gingen
dann  immer  mehr  Mühlen  in  Privatbesitz  über.
Nicht  nur  Angehörige  des  gleichen  Handwerks  wurden  durch  die
Walke,  wo  eine  solche  vorhanden  war,  näher  zusammengeschlossen;  die
Ausnützung  der  Wasserkraft  und  die  eigentümliche  Art  ihrer  Arbeit
macht  die  Walke  sogar  zu  einer  Zentralstelle  mehrerer  verschiedener
Handwerke.  Alle  die  Gewerbe,  welche  sich  ihrer  klopfenden,  stoßenden,
stampfenden  Bewegung  bedienen  können,  finden  sich  bei  ihren  Hämmern
zusammen,  und  sie  befinden  sich  in  gemeinsamem  Besitz  der  ganzen  Stampfanlage, ­
  welche  auf  ihre  gemeinschaftlichen  Kosten  erbaut  wurde.
Vor  allen  Dingen  sind  es  die  Lohgerber  und  die  Weißgerber,
welche  hier  zum  Mahlen  der  Lohe  und  zum  Walken  der  Felle  sich  vereinen. ­
  Im  18.  Jahrhundert  sind  neben  der  Lohstampfe  bereits  in
größerem  Umfange  Lohmühlen  mit  rotierenden  Steinen  vorhanden  *),
um  die  Wende  des  18.  Jahrhunderts  setzt  eine  Bewegung  zur  völligen
Verdrängung  der  Lohstampfen  lebhaft  ein i  * ),  und  heute  gehört  die  Lohstampfe ­
  nur  noch  zu  den  größten  Seltenheiten  8 ).
Seltener,  aber  immerhin  vorhanden,  waren  Stampfen  zur  Zeri)
  Vgl.  Halle  1762,  Bd.  II,  S.  362;  1761,  Bd.  III,  S.  41;  Schauplatz  1766,
Bd.  V,  S.  341.
-)  Poppe  G.  1837,  S.  179  und  1816,  Suppl,  S.  364;  Hermbsttidt  1803,
S.  365—368;  Leuchs  1828,  S.  139.  3  * )  Gerbercourier  1907,  Nr.  34.
            
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