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Heinerung des Getreides. In einem Langenzenner Akt *) von 1588 zeigt
ein Müller an, daß er in seiner Mühle „nit mehr alß zween stemv
habe", wobei ans diesem Akte nicht mit Deutlichkeit hervorgeht, welcher
Art das von ihm gestampfte Material ist.
Interessanter noch als die erwähnten Fälle sind die folgenden.
Das Rotgerberhandwerk zu Nürnberg hatte um 1800 neben der Lohmühle
eine Sägemühle eingerichtet^), auch Farbholzmühlen kommen
vor; aus der Beschaffenheit der Mühle wird es uns verständlich, wie ein
Weißgerber neben seinem Handwerk sich mit L e i n ö l b e r e i t n n g befassen
kann 8 ), in Königsberg war 1824 neben der Walke noch eine Lohstampfe
und eine Tabak stampfe eingerichtet 4 ), die Walke im Thurital bei Freistadt
in Oberösterreich befand sich früher im gemeinsamen Besitz der
Weißgerber und T u ch m a ch e r des Städtchens 5 ), und wenn wir uns hier
daran erinnern, daß wir den „Hammer im Stuhl" auch als den Grundgedanken
der in den H a m m e r s ch m i e d e n gebräuchlichen Wasserhämmer
erkannt haben, so wundern wir uns auch nicht mehr über die Kombination
„mül, sag und schmide" 6 ); die eingangs erwähnte Umwandlung
der „reismühlen" in eine Tuchwalke oder die Umwandlung der Ölmühle
zu Markt Heidenfeld in eine Sämischgerberstampfe wird hier ebenfalls
verständlicher, anfangs des 18. Jahrhunderts wurden die Walkmühlen
der Berliner Weißgerber den Wollmanufakturen eingeräumt'), kurz, es
ist immer das gleiche Prinzip, der „Hammer im Stuhl", welcher hier
zugrunde liegt, und um welchen sich die verschiedensten Handwerker,
Sämischgerber, Lohgerber, Müller zum Mahlen von Getreide, Farbholz
und Lohe, Tuch- und Zeugmacher, Ölmüller, Schmiede, Tabakarbeiter
usw. sammeln, indem sie lediglich an der Vorrichtung eine kleine für
spezielle Zwecke eingerichtete Abänderung anbringen; so auch läßt sich
die Stampfe aus einem Handwerk in ein anderes leicht überführen.
Als letztes interessantes Beispiel dafür, wie diese Stampfe die verschiedensten
Handwerker räumlich vereinigt, sei auf die 1800 in Langenzenn
eingerichtete Walkmühle hingewiesen. Die Walke wurde von den Handwerken
der sämtlichen Gerber und Tuchmacher auf deren gemeinsame
Kosten erbaut und der Plan zeigt, wie groß die Ähnlichkeit der Walkstampfe
für Gerber und Tuchmacher und der Lohstampfe ist (Fig. 5).
Die Lohstampfe ist nach dem Plan projektiert mit drei Löchern,
wobei in jedem Loch drei Stempel gehen; die Walkstampfe ist projektiert
mit nur zwei Löchern, jedes mit nur zwei Stempeln 8 ). Die Konzession
h Langenzenn. Tom. I, 16 Fase., S. 21.
2 ) Roth 1800, Bd. III, S. 149. S 1 Sperl 1909, S. 52.
*) Königsberg 1794—1828, 25 Okt. 1824. °) Sperl 1909, S. 15.
°) Dunker 1903, S. 103. ’) Krünltz 1795, Bd. LXVIII, S. 619.
8 ) Plan im Besitz des GerbcreibesitzerS Herrn Chr. Walther Langenzenn.