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Ureinwohner Amerikas tatarischer und mongolischer Abkunft, zur Be
siedelung des Landes über die Behringstraße von dem östlichen Asien
eingewandert feien 1 ); und die modernen Ergebnisse anthropologischer
und ethnographischer Untersuchungen stimmen ebenfalls in dem Punkte
überein, daß zwischen den Bewohnern des östlichen Asiens und den
Ureinwohnern Amerikas unzweifelhafte Rassenähnlichkeit vorhanden ist.
Aus dieser ganz auffallenden Übereinstimmung ergibt sich der innige
Zusammenhang zwischen der aus der Natur eines Volkes entspringenden
Lebensweise und zwischen allen seinen übrigen wirtschaftlichen Be
tätigungen.
Die Sämischgerberei entwickelt sich an verschiedenen, offenbar
voneinander unabhängigen Stellen, aus der primitiven Fellarbeit.
Die Rauchgerbung läßt sich erkennen als eine Eigentümlichkeit
der mongolischen Nomaden in Asien; sie reicht aber auch noch in die
weiten Territorien Rußlands diesseits des Uralgebirges hinein. So
bleibt nur mehr ein ziemlich scharf umgrenztes Gebiet übrig, welches das
südliche Asien und Europa umfaßt.
Letzteres ist das Gebiet der vegetabilischen oder Lohgerbung,
freilich anfänglich auch nicht in seinem ganzen Umfange. Die Römer
kannten zunächst die Gerberei wahrscheinlich noch nicht, sondern sie
wurden durch die Handelsvermittlung der Juden von Griechenland und
Asien her mit Leder versorgt^), und von den Griechen der epischen
Zeit wissen wir, daß ihnen nur eine einfache Form der Sämischgerberei
bekannt gewesen ist. Auch die gefärbten lydischen Leder der ausgehen
den homerischen Zeit ch weisen auf Kleinasien hin, und so bleibt ein
noch kleineres Gebiet übrig, welches sich im wesentlichen von Indien
oder Jnnerasien bis nach Kleinasien erstreckt und vielleicht auch noch
das alte Ägypten umfaßt.
Nur in diesem Gebiete tritt auch die Alaungerberei auf, und damit
haben wir zunächst ein allgemeines Bild gewonnen über die Verteilung
der Gerbemethoden auf der Erdoberfläche, welche auf den asiatischen
Ursprung der Weißgerberei hindeutet. Aus dem lateinischen Worte
aluta hat man für die spätere Zeit auf die Bekanntschaft der Römer
mit der Alaungerberei geschlossen, obwohl wir gesehen haben, daß den
klassischen Völkern echter, reiner Alaun wahrscheinlich nicht bekannt ge
wesen ist. Selbst zur Zeit des Diocletianischen Ediktes erringen die
babylonischen Leder (pellis babylonica) noch die höchsten Preise, 400
bis 500 Denare das Fell^), als Fabrikate aus babylonischem Leder
0 Brehm 1885, S. 811. 8 ) Heinzerling 1882, S. 2.
8 ) Riedenauer 1873, S. 141.
4 ) Mommsen 1893, S. 121; über den Wert des Denars S. 59.