Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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Einfluß  der  besprochenen  staatlichen  Verwaltungsmaßnahmen  ohne
Zweifel  schon  damals  als  ein  Jndustriebeförderungsmittel  betrachtet
werden  muß,  nämlich  das  Zeitungswesen.  Es  ist  schon  darauf  hingewiesen ­
  worden,  daß  manche  kameralistische  Schriften  die  Funktion
von  Fachzeitschriften  oder  wenigstens  von  gewerbefördernden  Zeitschriften
übernommen  hatten,  wenn  ihnen  auch  das  wesentlichste  Charakteristikum
der  Zeitschrift,  nämlich  die  Periodizität  des  Erscheinens,  gefehlt  hatte.
Neben  diesen  kameralistischen  Zeitschriften,  neben  der  Flut  von  Technologieen
  entstehen  nunmehr  eine  ganze  Menge  gewerbefördernder  Zeitungen,
so  der  „Almanach  der  Fortschritte,  neuesten  Erfindungen  und  Entdeckungen
in  Wissenschaften,  Künsten,  Manufakturen  und  Handwerken;  Erfurt
1799".  Das  „Vaterländische  Journal  zur  Wiederbelebung,  Beförderung
und  Erweiterung  des  deutschen  Handels,  Fabriken  und  Gewerbe"  1814.
„Der  Anzeiger  für  Kunst  und  Gewerbefleiß  im  Königreich  Bayern"
1815.  Schlözers  Staatsanzeigen  sind  nicht  unter  diesem  Gesichtspunkte
entstanden,  enthalten  aber  auch  hin  und  wieder  Notizen  über  Gewerbe,
wenn  auch  selten  über  gewerbliche  Fortschritte,  und  selbst  Zeitschriften
ganz  eng  begrenzter  Leserkreise  werden  unter  dem  Eindruck  all  der  neuen
Vorgänge  geschaffen,  um  manchmal  schon  nach  wenigen  Nummern,  meist
nach  wenigen  Jahrgängen,  wieder  einzugehen.  Als  Beispiel  diene  hier
das  „Zeitblatt  des  Wassertrüdinger  Kreises"  von  1802.
Das  ist  eben  der  Geist,  der  die  ganze  Litteratur  jener  Zeit  beherrscht, ­
  aus  möglichst  vielen  Gegenden  möglichst  viele  Nachrichten  über
gewerbliche  Erfolge  in  möglichst  jede  Schicht  der  Bevölkerung,  von  den
Leitern  des  Staates  über  die  Staatsbeamten  bis  hinunter  in  die  gewerbliche ­
  Werkstätte  zu  bringen.
Und  was  war  der  Erfolg  dieser  großartig  organisierten  gewerblichen ­
  Propaganda?  Der  Freiherr  von  Meidinger  ließ  ein  Werk
erscheinen  über  die  vervollkommnete  Schnellgerberei  Z,  er  machte  einen
Vorschlag  zu  einer  Alaunlohkombination  ^),  auf  die  Bemühungen  Pfeiffers
und  Hermbstädts  wurde  schon  hingewiesen.  Der  Apotheker  Schuster  in
Tyrnau  schlug  eine  Gerbung  mit  Holzessig  vor 8 ),  der  Apotheker  Heyder
in  Baltimore  beschäftigte  sich  mit  dem  gleichen  Thema  %  1798  und  1799
machten  die  Wiener  Lederfabrikanten  Zirascheck,  Loydel,  Lipp  und  Bartel
Versuche  mit  der  neuen  Schnellgerbemethode B ),  der  Gerber  Jos.  Watt
zu  Hervil  in  Sommerset  suchte  die  Zeit  der  Weißgerberei  zu  verkürzen"),
der  Weißgerber  Main  zu  Niort  in  Frankreich  erhielt  1809  ein  Patent *  7 ),
die  Schnellgerberei  wurde  1819  nach  einer 8 )  verbesserten  Methode  vom

y  Anzeiger  1816,  S.  457.
')  Keeß  1829,  Bd.  I,  S.  65.
°)  Keeß  1829,  Bd.  I,  S.  71.

-)  Almanach  1799,  S.  565;  1804,  S.  507.
4 )  Ebenda.  °)  Keeß  1810,  S.  14.
7 )  Ebenda.  8 )  Galt.  1824,  S.  III.
            
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