Full text: Die Entwicklung der Weißgerberei

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von hier an datiert ein bedeutender politischer und wirtschaftlicher 
Aufschwung, welcher im 14. Jahrhundert den Höhepunkt der Macht 
Ungarns zur Folge hatte; wir sehen daraus, welche bedeutenden 
Politischen Verhältnisse dahinter stehen, wenn die Handwerkserzeugnisse 
eines Landes Weltruf erlangen, und wir verstehen andererseits, warum 
wir nicht früher als aus dem 14. Jahrhundert Kunde von ungarischem 
Lederzeug erhalten. Schon zur Zeit der Landnahme waren unter den 
Vorfahren des ungarischen Volkes Gerber, welche sich insbesondere mit der 
Herstellung jener zur Kriegskleidung benötigten Lederwaren beschäftigten r ). 
Unter den Königen aus dem Arpadenhause gingen ungarische Lederwaren 
ins Ausland, die Epoche der Anjous gab diesem Gewerbe einen noch 
größeren Aufschwung, und Ludwig der Große regelte 1376 unter anderem 
auch die Zunftordnungen der Gerber, Schuhmacher, Sattler, Handschuh 
macher. Das älteste Dokument dieser Art ist der von Ludwig dem Großen 
ausgestellte Zunstbrief der Segeswarer Gerberzunft von 1376. 
Wir sehen also in Ungarn im Anfang des 14. Jahrhunderts eine 
Gerberei in technisch und wirtschaftlich festen Formen entstanden, und wir 
müssen uns wundern, daß nicht damals schon neben der Ware auch die 
Methode bei uns Eingang gefunden hat, in einer Phase des deutschen 
Handwerks, wo dieses noch keineswegs so fest konsolidiert gewesen ist, 
daß die Einführung von Neuerungen auf unüberwindlichen Widerstand 
gestoßen wäre. Der Schauplatz der Künste und Handwerke erzählt uns, 
daß die Kunst, das Leder ans ungarische Art zu bereiten, um die Mitte 
des 16. Jahrhunderts durch einen gewissen Buscher, eines Lohgerbers 
Sohn zu Paris, von Senegal in Afrika zu uns gekommen sei, und 1584 
hätten zwei deutsche oder lothringische Gerber mit Namen Lasmagne 
und Anoand diese Methode aus Ungarn nach Neufchateau in Lothringen, 
dann nach St. Dizier in Champagne und endlich nach Paris gebracht 2 ), 
Ehrend nach Keeß die ersten Weißgerber in Deutschland aus Ungarn 
eingezogen sind s ). Selbst wenn wir an den französischen Namen der 
beiden Deutschen keinen Anstoß nehmen, und wenn wir das französische 
Nationalgesühl des Schreibers als gerechtfertigt anerkennen müssen, 
wundern wir uns über die merkwürdige Alternative, welche uns hier 
zugemutet wird. Wie wenig glaubhaft obige historische Notiz aus dem 
Schauplatz der Künste und Handwerke aber für uns ist, geht daraus 
hervor, daß im gleichen Satze die schon unten widerlegte Tatsache er 
wähnt wird, als seien erst im 16. Jahrhundert die Schabeisen eingeführt 
worden. Glaubhafter erschiene vielleicht die Angabe Hermbstädts 4 ), daß 
Heinrich IV. diese Methode durch einen Gerber in Ungarn habe erlernen 
lassen, und daß auf diese Weise in Frankreich die erste derartige 
9 Vgl. Mag. Böripar 1307, Nr. 9, S. 5. -) Schauplatz 1767, Bd. VI, S. S6. 
s ) Keeß 1820, S. 22. 4 ) Hermbstädt 1807, Bd. II, S. 198. 
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