Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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alle  Nachrichten  auf  Heimwerk"  x ).  Diese  drei  Gewerbe  werden,  wie
man  aus  der  Nebeneinanderstellung  obiger  Sätze  sieht,  unter  dem  Gesichtspunkt ­
  der  untransportabeln  Betriebsmittel  als  untauglich  zur  Störarbeit
erklärt;  und  gerade  die  Stellen,  welche  er  zitiert,  lassen  die  Möglichkeit
der  Störarbeit  mindestens  offen 2 ).
Neben  der  Stör  hat  natürlich  immer  auch  Lohnwerk  in  der  Form
von  Heim  werk  bestanden  und  besteht  heute  uoch  für  die  kleinen  Gerbereien ­
  fort.
Die  ursprünglicheEntlöhnung  des  gewerblichen  Arbeiters  geschieht
in  der  Naturalienwirschast,  wenn  möglich  sehr  häufig,  durch  die  Rohstoffe
oder  Hauptprodukte  des  betreffenden  gewerblichen  Arbeiters.  Das  ist
auch  für  die  Gerberei  der  Fall;  der  Gerber  wird  entlöhnt  z.  B.  durch
Überlassen  der  halben  Haut 2 );  nach  der  Gerichtsordnung  von  Glurns
soll  er  „ein  Vierling  .  ..  abschneiden,  das  die  augenlöcher  halbe  an  der
haut  beieiben",  oder  nach  den  Ordnungen  von  Stein  und  Latsch  „sollen
die  gerber  von  den  neuen  heuten  weiteres  nicht  nemben  als  allain  was
ihnen  .  .  .  billig  gehört  den  schwaif  und  die  Horn"  ch.
Solche  Formen  der  Entlöhnung  finden  sich  natürlich  verhältnismäßig ­
  selten;  denn  die  Regel  bildet  die  Entlöhnung  mit  Geld.  Schon
das  Edikt  Diocletians  präzisiert  scharf  die  Entlöhnung  für  das  Handwerk
der  Gerber 2 ),  und  aus  einem  ähnlichen  Motiv,  wie  dieses  Edikt  Diocletians ­
  entstand,  entstand  z.  B.  eine  Würzburger  Taxordnung  von
1696,  welche  gleichfalls  eine  Maximaltaxe  darstellt;  in  der  Einleitung
heißt  es  „weil  die  Handwerksleute  diejenige,  welche  ihre  Arbeit  bedörffen,
unmeßig  übersetzen,  ihren  Lohn  und  Feylschafften  allzuhoch  und  nach
eigenem  belieben  ersteigern"  wird  die  folgende  Taxordnung  gegeben 2 ):

Bon  einer  guten  Hirschhaut  zubereiten
Von  einer  Wildhauth  zubereiten
Von  einem  Rehfell
Von  einer  guten  Bockhauth
Von  einer  mittelmeßigen  Bockhauth
Von  einer  alten  Geißhauth
Von  einem  Jährling
Von  einem  Kalbfell  zubereiten
Ein  Hammelshaut
Ein  Schaasfell
Ein  Lambsfell

1  Thaler
12—13  Batzen

Im  allgemeinen  wird  das  Lohnwerk  in  den  Ordnungen  soviel  als
möglich  beschränkt');  in  einem  Nürnberger  Ratsbeschluß  vom  28.  April

Dunkel  1903,  S.  136.  -)  Vgl.  Dunker  1903,  S.  119,  131.
s )  Rübling  1897,  S.  462.  *)  Dunker  1903,  S.  119.
°)  Mommsen  1893,  S.  24—25,  59.  °)  Würzburg  1696.
7 )  Vgl.  auch  6.  230,  Anm.  4.
            
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