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kicheren Formen des Handwerks kurz besprochen und wenden uns nunmehr
zur Betrachtung seiner Entfaltung.
§ 24. Die Entfaltung der Ledergewerbe und die Entwicklung
des Weitzgerberhandwerks.
Die erste Frage, welche uns hier beschäftigt, ist die nach der Form
desAuftretens der Gerber überhaupt und der Weißgerber im besonderen.
Zu den ältesten und wichtigsten Quellen, welche uns hier für das
deutsche Mittelalter orientieren, gehören die Rechtsdenkmäler deutscher
Volksrechte. Wenn wir in diesen Rechtsaltertümern, z. B. in der Salia,
deren Entstehung wahrscheinlich in den Anfang des 6. Jahrhunderts
zu verlegen ist, nach Gerbern suchen, so finden wir nur einen einzigen
Lederarbeiter erwähnt, welcher etwa unserem Sattler entspricht *); auch
die späteren Rechtsdenkmäler führen einen Gerber niemals an. Etwas
eingehendere Nachrichten auch über gewerbliche Verhältnisse haben wir
dann aus der Karolingerzeit, und zwar für diese sowohl aus weltlichen
als auch aus geistlichen Grundherrschaften. In allen diesen Fällen, wo
manchmal sogar eingehendere Aufzählungen von Handwerkern, Handwerksprodukten
oder deren Werkzeugen vorliegen, werden Gerber ebenfalls
nicht genannt; so ist es im Wirtschaftskapitular Karls des Großen
von 812, so im Bauriß von St. Gallen von etwa 820—830 3 ), so in
der Wirtschaftsordnung Adalards von Corbie von 822 4 ), so ist es auch
später noch, so in der Bauordnung für Farfa°) von 1039—1048, so
in der Abtei Werden im 12. Jahrhunderts); sogar im Kloster Saint
Trond bei Lüttich fehlen noch in den Jahren 1249—1272 die Gerber 7 ).
Gfrörer hat aus solchen Verhältnissen den Schluß gezogen, daß im
8- Jahrhundert die Gerberei nicht durch einen besonderen Handwerkerstand,
sondern durch gewöhnliche Arbeiter oder Bauern betrieben worden
fei®), ein Schluß, der seitdem von Riedenauer, Büchsenschütz, Blümner
u. a. auch auf die ähnliche Wirtschaftsstufe der homerischen Zeit überiragen
worden ist. Die Ledergewerbe, welche in den erwähnten Urkunden
vorkommen, sind Schuhmacher, Sattler, Schildmacher, Riemer,
m Corbie auch ein Pergamenter. Dagegen finden wir unter den
Naturallieferungen Eichenrinde, so im Güterbuch des Klosters Prüm"),
0 Gförer 1866, Bd. II, S. 141. 2 ) Gfrörer 1866, Bd. II, S. 163.
*) Keller 1844; Gfrörer 1866, Bd. II, S. 168; Keutgen 1903, S. 25ff.; über
weitere Stellennachweise siehe bei diesen.
_ 4 ) Gfrörer 1866, Bd. II, S. 169 f.; s. auch S. 172—176; Keutgen 1903,
®. 36. 6 ) Keutgen 1903, S. 28. 6 ) Keutgen 1903, S. 36.
’) Ebenda. ») Gfrörer 1866, Bd. II, S. 164.
9 ) Gfrörer 1866, Bd. II, S. 306 f.
®6ert, Entwicklung der Weißgerberei.
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