Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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die  Handwerke  völlig  im  Zaum  hielt,  sind  nach  dem  ältesten  Meisterbuch, ­
  welches  von  1370—1429  Z  reicht,  die  Jrher  und  Permiter  in
einem  Handwerke  vereint.  1432  wird  aber  bereits  das  kleine  Handwerk
der  Permeter  abgetrennt,  welches  im  Laufe  der  nächsten  27  Jahre  nur
einen  Zugang  von  acht  Meistern  hat.  Da  das  Handwerk  der  Jrher
offenbar  immer  noch  zu  groß  erscheint,  wird  der  Versuch  gemacht,  auch
noch  das  Handwerk  der  Gelgerber  wegzulösen;  1460  erscheint  in  der
Rubrik  dieses  Handwerks  ein  einziger  Meister,  und  noch  über  100  Jahre
wird  dieses  Handwerk  in  den  Meisterbüchern  weiter  geführt,  obwohl
sich  kein  Meister  mehr  in  dieser  langen  Zeit  darauf  etabliert.  Ähnliche
Verhältnisse  mögen  die  Entwicklung  und  Teilung  der  Frankfurter  Gewerbe ­
  beherrscht  Habens.
DiespäterePeriode  von  Handwerksteilungen  fällt  teilweise  noch
in  das  17.,  vor  allen  Dingen  aber  in  das  18.  und  19.  Jahrhundert;
hier  geht  die  Teilung  vor  sich  hauptsächlich  unter  dem  Gesichtspunkt
ökonomischer  Bedürfnisse,  und  diese  Teilung  bringt  zwar  für  das  ganze
Ledergewerbe  als  solches,  nicht  aber  für  die  Gerberei  im  engeren  Sinne
einen  weiteren  Zuschub.  Die  an  sich  interessanten  Arbeitsteilungsverhältnisse ­
  in  der  ganzen  Lederindustrie  vergleichend  zu  betrachten  für
verschiedene  Länder,  verschiedene  Städte  und  verschiedene  Zeiten  liegt
außerhalb  des  Rahmens  dieser  Arbeit.
Haben  wir  so  die  verschiedenen  Entwicklungsformen  kennen  gelernt
und  die  Wege,  welche  zum  Gewerbe  der  Weißgerberei  führten,  sowie  die
mannigfaltigen  Beziehungen  dieses  Gewerbes  zu  seinen  auf  den  gleichen
Hauptrohstoff  aufgebauten  Verwandten,  so  wollen  wir  im  folgenden
dem  Weißgerber  im  besonderen  unsere  Aufmerksamkeit  zuwenden.
Die  Person  des  Weißgerbers  vereinigte  im  Laufe  der  Zeit  eine
ganze  Anzahl  verschiedener  Produktionstätigkeiten  unter  diesem  äußerlich
einheitlichen  Namen.  Eine  der  ältesten  derartigen  Beziehungen  ist  wohl
das  Verhältnis  der  Weißgerberei  zu  den  Pergamentmachern.  Der
Schreibstoff  des  Papyrus 3 ),  welcher  in  der  merovingischen  Kanzlei  zum
letztenmale  692*  *),  in  den  päpstlichen  Kanzleien  bis  in  das  10.  Jahrhundert ­
 3 )  verwendet  worden  war,  hatte  besonders  seit  dem  durch  Ptolemäus
  Euergetes  II.  erlassenen  Ausfuhrverbot  des  ägyptischen  Papyrus 6 )
im  Pergament  einen  bedeutenden  Konkurrenten  erhalten,  so  daß  seit

')  Nürnberg  M.  ©.,  234.  2 )  Vgl.  Bücher  1886,  S.  20  f.,  411  ff.
»)  Wattenbach  1871,  S.  66  ff.
*)  Wattenbach  1871,  S.  73;  Breßlau  1889,  S.  883.
s )  Wattenbach  1871,  S.  75.
«)  Schauplatz  1775,  Bd.  II,  S.  257—258;  Blümner,  Bd.  I,  S.  266;  Breßlau
1889,  S.  887ff.;  Marquardt  1882,  S.  795ff.;  Wattenbach  1871,  S.  76ff.;
Mommsen  1893,  S.  22,  112.
            
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