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steht, wie sie bei den Meisterstücken einen viel breiteren Raum einnimmt,
als die Alaungerberei, so wird auch bei den Darstellern dieser
Gewerbe die Sämischgerberei immer an erster Stelle besprochen, so bei
Frisins 1715 *), oder bei Halle 1762 2 ) und 1772 3 ). Da Sattler und
Riemer, die Hauptkonsumenten weißen Leders, wie wir an vielen
Beispielen gesehen haben, ihren Lederbedarf selbst erzeugten, und da viele
Weißgerber, wie ebenfalls durch zahlreiche Beispiele illustriert wurde,
sämische Hosen selbst verfertigten, also gleichzeitig Beutler waren, so
erscheint unter Berücksichtigung aller dieser Verhältnisse der Schluß
gerechtfertigt, daß bei den Weißgerbern die Sämischgerberei den weitaus
größten Teil ihres Lebensunterhaltes lieferte, während die Weißgerberei
fast nur als Nebenbeschäftigung erscheint; denn nunmehr bleiben
für die Weißgerberei der Weißgerber fast nur weiße Futterleder übrig,
und auch diese müssen von vielen Schustern selbst hergestellt worden
sein. Die Kenntnis dieser eigentümlichen Art der Verteilung der Produktionsprinzipien
unter die hier in Frage kommenden Handtverke ist
grundlegend zum Verständnis der ökonomischen Lage der Weißgerber
im Laufe der Zeit. ein Punkt, welchen wir an anderer Stelle zu besprechen
haben, weil wir im Anschluß an die eben dargelegten Verhältnisse
unser Augenmerk auf die Weißgerber richten müssen, welche den Namen
„Jrher", „Jrcher", auch „Archer", führten.
Das „Arch" 4 5 * ) oder „Jrich" B ) spielt im deutsch-italienischen Handel
des 14./15. Jahrhunderts eine nicht unbedeutende Rolle, und es liegt
nahe, das yrch als ein Produkt der Ir her anzusehen. Während
Krünitz °) sich noch mit der Konstatierung begnügt, daß die Herkunft
dieses Namens unbekannt sei, ist Nehlen 7 ) der Ansicht, daß der Unterschied
zwischen Jrhern und Rotgerbern darin liege, daß die Rotgerber schwere
Ochsenhäute und Pferdehäute verarbeiten, während die Jrher nur leichte
Felle, wie Schaf-, Ziegen- und Hirschfelle als Ausgangsmaterial benutzen.
Seit aber Lexers Ansicht, daß unter Jrch weißgares Leder zu verstehen
sei 8 ), in Grimms Deutsches Wörterbuch übergegangen ist, 9 ) ist letztere
Ansicht die herrschende geworden.
Nun bedeutet irch, irh — ein Wort, welches bei den Minnesängern
des 12. Jahrhunderts vorkommt — der „Bock", und daher ist das Leder,
welches den Namen „irch" führt, zunächst nichts weiter als Bockleder,
*) Frisius 1708—1716.
®) Halle 1762, Bd. II, S. 369. 3 ) Halle 1772, Bd. V, S. 105.
4 ) Schulte 1900, Bd. I, S. 718; Bd. II, S. 228.
5 ) Simonsfeld 1887, Bd. II, S. 105.
°) Krünitz 1795, Bd. LXYIII, S. 489, Anm. r ) Rehlen 1855, S. 137.
s ) Lexer 1872, Bd. I, S. 1449.
*) I. u. W. Grimm, Deutsches Wörterbuch, 14 Bände, 1877, Jrch.