Full text : Die Entwicklung der Weißgerberei

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haben  auch  diesen  Verhältnissen  ihren  rechtlichen  Boden  genommen.
1737  wurde  für  die  Weißgerber  in  ganz  Preußen  bestimmt,  daß  nur
arbeitswillige  legitimierte  Gesellen  das  Wandergeschenk  erhalten,  während
die  anderen  gleich  Vaganten  aufgetrieben  werden  Z.  Gesellen-Laden,
Gesellenbriefe  und  Gesellensiegel  sowie  die  schwarzen  Tafeln,  auf  welchen
die  unredlichen  Gesellen  verzeichnet  standen"),  wurden  weggenommen
und  auf  die  Rathäuser  gebracht");  es  wurde  verboten,  Komplotts  und
Ausstände  zu  machen,  aus  der  Arbeit  zu  treten  und  sich  „zusammenzurottieren"
  4  * );  der  Briefwechsel  mit  anderen  Gesellen  und  alle  sog.
Brüderschaften  wurden  mit  empfindlicher  Strafe  belegt");  gestattet  war
nur  noch  die  Gesellen-Armen-Kassa  zur  Unterstützung  armer  und  kranker
Gesellen"),  eine  Handwerks-Armenkassa  für  verarmte  Meister  oder
deren  Witwen  7 ),  endlich  diese  beiden  Kassen  zur  Bestreitung  von  Begräbniskosten. ­

Damit  hatte  der  neue  Staat  auch  hier  seinen  Einzug  gehalten  und
mit  der  Sprengung  der  alten  Fesseln  die  neue  Entwicklung  ermöglicht.
8  26.  Die  ökonomische  Entwicklung  des  Weistgerberhandwcrks.
„Stinkende  Hände  machen  reiche  Leute""),  das  ist  im  allgemeinen
der  Tenor  all  der  Urteile,  welche  die  Schriftsteller  der  älteren  und
neueren  Zeiten  in  bezug  auf  die  materielle  Lage  des  Handwerkes  der
Gerber  gefällt  haben").  Selbst  bei  den  Darstellern,  welche  der  allgemein ­
  herrschenden  Anschauung  vom  goldenen  Boden  des  Handwerks
skeptischer  gegenüberstehen,  schneiden  die  Gerber  immer  noch  mit  am
besten  ab  ").  Durch  den  reichen  Verbrauch  von  Leder  und  Pelzwerk
sind  die  Gerber  schon  im  13.  Jahrhundert  zu  einem  zahlreichen  und
angesehenen  Stande  herangewachsen"),  die  Löher  gehören  1350  in
Frankfurt  zu  den  10  ratsfähigen  Handwerken 12 ),  seit  1370  sitzen  in
Nürnberg  die  Lederer  neben  7  anderen  Handwerken  im  Rate"),  und
unter  den  reicheren  Zünften,  welche  ihre  Waren  in  Nürnberg  in  besonderen ­
  Häusern  absetzten,  befinden  sich  auch  die  Gerber  ").
Wer  die  stolzen  hohen  Häuser  der  Nürnberger  Lederer  aufsucht,
wer  von  der  reichen  Mitgift  mancher  Gerberstochter  noch  im  Anfang
des  19.  Jahrhunderts  gehört  hat,  wird  an  diesen  Urteilen  nicht  zweifeln.
0  Königsberg  1737,  XV.  2 )  Mummenhoff  1901,  S.  73.
3 )  Königsberg  1737,  XII.  4 )  Königsberg  1737,  XXVI.
6 )  Königsberg  1737,  XXXI.  6 )  Königsberg  1737,  XIII.
7 )  Königsberg  1737,  XV.  8  *  *  * )  Beck  1807,  S.  59.
9 )  Bgl.  Blümner  1875,  Bd.  I,  S.  257;  Piazza  1659,  S.  499;  Nürnberg
17 -  58.  io)  Mummenhoff  1901,  S.  123.  ")  Nehlen  1855,  S.  135.
l2 )  Bücher  1886,  S.  87.  ls )  Nürnberg  17.  2.
I4 )  Mummenhoff  1901,  S.  119.
            
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