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Altenburg 1875 beschloß die Herausgabe einer Fachzeitung, und zu
diesem Zwecke wurden die Bundesbeiträge von 12 Pfennig pro Vierteljahr
und Mitglied auf 25 Pfennig pro Monat und Mitglied erhöht.
Der Kongreß von 1876 ermäßigte den Beitrag wieder auf 10 Pfennig
pro Monat, er beschloß, vorläufig von der Gründung einer Zeitung
Abstand zu nehmen, und der Name des Bundes wurde abgeändert in
„Allgemeiner Weißgerberverband". Der Kongreß von 1877 in Osterwieck
erhöhte den Beitrag wiederum und beschloß vom 1. Januar 1878
an eine Zeitung herauszugeben, und dieses „Vereinsblatt" verzeichnet
32 Vereine mit 818 Mitgliedern.
Einen wichtigen Fortschritt in der Geschichte des Vereins bedeutete
es, als auf der Generalversammlung von 1889 außer gelernten Gesellen
auch „Gesellenarbeit verrichtende Hilfsarbeiter", und seit der
Generalversammlung von 1892 jeder in einer Lederfabrik beschäftigte
Arbeiter Mitglied werden konnte. Damit streifte der Verband die
letzte Erinnerung an seine historische Entstehung aus einer Gesellenbrüderschaft
ab. Die Fassungen von 1889 und besonders von 1892 wurden
gewählt auch mit Rücksicht auf den Verband der Gerber und Lederzurichter,
da die Vereinigung mit diesem sich am 1. Juli 1893 vollzog. Zu
gleicher Zeit traten die Lederfärber in diesen Jndustrieverband ein,
welcher damit also den Charakter der Branchenorganisation verloren hatte.
Die Statistik von 1891 verzeichnet im ganzen 2086 Weißgerbergesellen;
davon waren organisiert rund 1400, nicht organisiert waren
686; außerdem wurden noch 472 Lehrlinge und 741 Hilfsarbeiter
gezählt.
Wie erwähnt, verlor der Verband seit 1893 seine selbständige Existenz Z
und ging in den größeren „Zentralverband derLederarbeiter
und -Arbeiterinnen Deutschlands" auf. Daher kann hier auch
auf den Inhalt dieser Tarifverträge, auf Arbeitszeit und Arbeitslohn, auf
Lohnbewegungen, Streiks und deren Erfolge oder Mißerfolge nicht eingegangen
werden. Es gilt für die Lohnbewegungen hier, wie überall,
daß sie bei schlechten Konjunkturen ungünstig für die Arbeiter enden,
und daß daher gerade in der Weißlederindustrie allzu hoch geschraubte Anforderungen
in Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne
keine Aussicht auf Verwirklichung Habens.
') Vgl. Kulemaim 1900, S. 233, 489 -490.
2 ) Vgl. z. B. I. B. 1911, S. 46.