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Der Bedarf an H ilfsstosfen führt uns für die Weißgerberei im
engeren Sinne zunächst auf den Alaun. Wir haben gesehen, welch
weite räumliche Entfernungen zu überwinden waren, um die ganze
Weißgerberei des deutschen Mittelalters zu ermöglichen, weil damals
zwar das Produktionsprinzip, nicht aber die Erzeugung des Haupthilfsstoffes
die Wanderung ausgeführt hatte; diese so entstandene weite
räumliche Trennung wieder zu beseitigen, gelang erst dem ausgehenden
Mittelalter, und erst die aufblühende chemische Industrie des 19. Jahrhunderts
hat die Alaunproduktion von den verhältnismäßig wenigen
Vorkommen des Alaunschiefers unabhängig gemacht.
Interessante Verhältnisse der ökonomisch-technischen Einfügung er-7"geben
sich für die vegetabilischen Gerbstoffe. Der ursprünglich
eng begrenzte Kreis der vegetabilischen Gerbstoffe wurde durch die Bemühungen
des 18. Jahrhunderts wesentlich erweitert, bis auch hier der
zunehmende Bedarf über die engen Grenzen der heimatlichen Erzeugung
hinauszugreifen Veranlassung gab; der Übergang zu gerbstoffhaltigen
ausländischen Hölzern führte schließlich zur Herstellung von Gerbextrakten
in eigenen großen Fabriken, welche sich dann zwischen Gerberei
und Urproduktion eingeschaltet haben; aber das hier auftretende Problem
der Phlobaphene, welches erst neuerdings mit Hilfe von Sulfitlaugen
befriedigend gelöst wurde, ergab die Angliederung der Extraktfabrikation an
die Darstellung von Holzstoff, also an einen Zweig der Papierindustrie.
Für Tran haben wir eine Wanderung der Herkunftsgebiete durch
die verschiedenen Meere der Polarzonen beobachtet, aber die Verkettung
der Gerberei durch diesen Hilfsstoff mit der Industrie der Fette und
Öle ist ein noch im Werden begriffener Bildungsprozeß.
Das Eigelb zeigt vorerst nur die auch für die übrigen Roh- und
Hilfsstoffe gültige Aufeinanderfolge der beiden Phasen, daß die ursprünglich
räumlich nicht getrennte Erzeugung von Eigelb und von
Leder durch den steigenden Bedarf weit auseinander gerückt wurde;
auch hier hat sich eine eigene Industrie, nämlich die Albnminfabrikation,
zwischen Gerberei und Urproduktion eingeschoben. Eine räumliche
Wiedervereinigung dieser beiden technisch zusammengehörigen Produktionszweige,
welche wirtschaftlich erwünscht sein muß, und zwar,
wenn möglich in der Form eines Ersatzstoffes für Eigelb, ist bisher
nicht gelungen.
Die Bedarfsdeckung der Glacegerberei an Mehl erfolgt immer
noch nach der ursprünglichsten und ersten Phase, nämlich aus der
heimischen Urproduktion, soweit natürlich dieses wichtige Nahrungsmittel
nicht selbst ausländischer Herkunft ist.
Den weitesten Fortschritt im Sinne sowohl des hygienisch-wünschenswerten
Ersatzes als im Sinne der wirtschaftlich-wünschenswerten räum-